Server einfach administrieren mit eBox
Server aus der Kiste
In der Spedition Kleinemann rauchen die Köpfe. Bereits seit Stunden kniet Knut Kleinemann mit einem Kollegen über der Dokumentation zu Samba. Eigentlich wollte der Chef nur einen zentralen Platz für den Dateiaustausch. Jetzt verfluchte er seinen eigenen Vorschlag, den schon laufenden Linux-Server mit dieser Aufgabe zu betrauen. Warum war er aber auch zu geizig, einen richtigen Administrator einzustellen, der sich mit sowas auskennt. Jetzt hat er den Salat und sitzt verzweifelt über den kryptischen Konfigurationsdateien. Wie schön wäre es, wenn man den Dienst mit nur einem Mausklick auf einer komfortablen Benutzeroberfläche freischalten und dann frühzeitig in den Feierabend verschwinden könnte. Diesen Traum aller Systemadministratoren möchte eBox erfüllen – so zumindest das Versprechen des Herstellers.
Alles so schön bunt hier
Ähnlich wie bei Webmin handelt es sich bei eBox schlicht um eine hübsche grafische Benutzeroberfläche, über die sich die Dienste eines Servers, wie beispielsweise eine Datei- oder Druckerfreigabe, komfortabel und mit wenigen Mausklicks aktivieren und einrichten lassen. Unter der Haube werkelt dabei ein ganz normales Linux-System, unterstützt von den üblichen Verdächtigen Apache, Samba und Co.
Anstatt jedoch dem Administrator jede einzelne Einstellschraube dieser Programme vor die Nase zu setzen, beschränkt sich die eBox-Oberfläche auf die unbedingt nötigen Informationen des entsprechenden Dienstes. Statt also sämtliche Optionen von Samba zu präsentieren, fragt eBox lediglich die wichtigsten Eckdaten ab, die für die Einrichtung eines Dateiservers notwendig sind. Alles andere erledigt eBox selbständig im Hintergrund, wo es beispielsweise die Konfigurationsdateien anpasst und die notwendigen Daemons startet (Abbildung 1). Der Administrator muss sich so weder mit der Terminologie, noch mit den zahlreichen und mitunter kryptischen Einstellungen eines konkreten Programms auseinander setzen. Im Idealfall steht ein kompletter Firmenserver nach einem halben Dutzend Mausklicks. Welche Dienste und Programme eBox im Einzelnen unterstützt, zeigt der Kasten "Zu Diensten".
Zu Diensten
eBox unterstützt von Haus aus folgende Dienste und Anwendungen:
- Webserver mit CGI-Schnittstelle und virtuellen Hosts (Apache mit mod_perl)
- Benutzerverwaltung (OpenLDAP)
- Firewall, NAT (Netfilter/iptables, DansGuardian)
- Einrichtung von VLANs
- DNS-Server (BIND)
- E-Mail Server mit Filterung und Virenprüfung (Postfix, Spamassasin, ClamAV)
- Instant Messaging (Jabber)
- HTTP-Proxy (Squid)
- Virtual Private Network (OpenVPN)
- Synchronisation von Datum- und Uhrzeiten/Zeitserver (ntpd)
- Dateiserver/NAS (Samba)
- Verteilte Drucker (CUPS)
- Zertifikatverwaltung/Zertifizierungsstelle (Certificate Authority)
- Lastverteilung und Datenflusskontrolle (Traffic Shaping; iproute2)
- Router
- DHCP-Server (ISC DHCP)
Schnellschuss
Die Macher von eBox gehen noch ein paar Komfortschritte weiter: Zum einen bieten sie auf ihrer Homepage eine Rundum-sorglos-CD an [1]. Sie enthält ein komplettes Ubuntu 8.04 in der Server-Ausgabe, dem alle eBox-Pakete und die notwendigen Abhängigkeiten eingeimpft wurden. Man muss die CD nur noch in den Server einlegen, dem Installationsprogramm folgen, über die eBox-Oberfläche die gewünschten Dienste freischalten und schließlich die Kiste ihren Aufgaben überlassen. Damit wird eBox zur Fünf-Minuten-Terrine unter den Serverprodukten.
Seine Benutzeroberfläche stellt eBox in einem Web-Browser dar. Das hat zwar den Nachteil, dass auf dem von eBox kontrollierten Server immer der Webserver Apache läuft, besitzt umgekehrt aber den Vorteil, den Server von einem beliebigen Ort aus konfigurieren zu können.
Ein weiterer Pluspunkt der eBox liegt in ihrem modularen Aufbau: Unter der Haube kümmert sich um jeden Dienst eine eigenständige Komponente. Auf diese Weise lassen sich schnell neue Funktionen nachrüsten oder unbenutzte einfach löschen – und so gleich die Benutzeroberfläche etwas entschlacken.
Hersteller
Die eBox-Entwicklung begann bereits 2004 als Kooperation zwischen den beiden spanischen Firmen Warp Networks und DBS Servicios Informaticos. Die erste öffentliche Version 0.7 erschien im Dezember 2005 unter der GPL-Lizenz. Zum gleichen Zeitpunkt verließ DBS Servicios Informaticos das Projekt. Warp Networks ließ sich davon nicht weiter irritieren und werkelte fleißig alleine an der eBox weiter, ab 2006 sogar kurzzeitig mit finanzieller Unterstützung der spanischen Regierung. Im Februar 2008 wurde die Entwicklung schließlich in ein eigens für diese Zwecke gegründetes Spin-Off Unternehmen ausgelagert. Die so entstandene eBox Technologies S.L. verdient ihre Brötchen hauptsächlich mit kostenpflichtigem eBox-Support und entsprechenden Schulungen.
Alle Angebote zum ADMIN-Magazin im Online-Shop
Versandartikel |
Onlineartikel |




