Disaster Recovery mit Mondo und Mindi

© Fotograf, photocase.com

Mondo mio!

Das ebenso kleine wie geniale Mondo Rescue sichert nicht nur das laufende System, sondern baut auch gleich noch ein passendes Rettungsmedium. Letzteres stellt das Backup sogar auf einer beliebigen Festplattenpartition wieder her.
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Die große weite Welt kennt viele fiese Geräusche. Sei es der kleine Hochleistungsbohrer beim Zahnarzt oder eine hässlich klackernde Festplatte kurz vor dem Projektende. Gerade in letztem Fall zählt jede Minute. Bis ein neuer Massenspeicher eingebaut, das Betriebssystem samt Anwendungen und der Arbeitsumgebung aufgesetzt sind, vergeht wertvolle Zeit, die ein Unternehmen mitunter teuer zu stehen kommt. Aber auch schon eine versehentlich gelöschte statt kopierte Diplomarbeit kann einem wenige Stunden vor dem Abgabetermin die Schweißperlen auf die Stirn treiben.

In solchen Situationen rettet das kleine Werkzeug Mondo Rescue Leben. Es gehört zur Gruppe der Disaster-Recovery-Programme, die in kurzer Zeit wichtige Daten oder sogar ein komplettes System wiederherstellen. Im Idealfall baut der Benutzer eine neue Festplatte ein, startet Mondo Rescue und arbeitet wenige Sekunden später da weiter, wo er zuvor aufgehört hat. Das Werkzeug verrichtet seine Arbeit so gut, dass es sogar große Unternehmen wie Lockheed-Martin, Siemens, HP oder IBM einsetzen.

Mondo Rescue sichert auf Knopfdruck das komplette System oder einzelne Verzeichnisse auf Band, CDs, DVDs, einem NFS-Verzeichnis oder einer (zweiten) Festplatte. Reicht eine CD oder DVD nicht aus, verteilt das Werkzeug die Daten auf mehrere Rohlinge. Zusätzlich erstellt es ein Startmedium, von dem man bei einem größeren Defekt bootet und den Rettungsvorgang einleitet.

Anders als ein Festplatten-Imager sichert Mondo Rescue nicht die komplette Partition, sondern jede Datei einzeln. Damit ist es äußerst flexibel einsetzbar. So stellt es nicht nur einzelne Verzeichnisse wieder her, sondern schreibt die gesamte Sicherung auch auf eine beliebige andere Partition zurück – vorausgesetzt die ist groß genug. Man kann folglich einfach eine größere Festplatte einbauen, diese mit einem anderen Dateisystem formatieren und dann das zuvor erzeugte Backup dorthin zurücksichern.

Mondo Rescue überträgt das System sogar von einem Raid-Verbund auf eine einzelne Festplatte und vice versa. Das Werkzeug eignet sich somit auch für die schnelle Replikation eines einmal aufgesetzten Systems – ideal beispielsweise für Schulungszentren, die nach randalierenden Schülern ihre Rechner schnell in den Ausgangszustand versetzen wollen. Abschließend darf der Nutzer mit Hilfe der Sicherungskopie noch das installierte System auf Veränderungen testen, also seine Integrität prüfen.

Seine Arbeitsweise ist allerdings auch Mondo Rescues große Schwachstelle. So kann es nur jene Daten zurückschreiben, die auch im Archiv enthalten sind. Folglich muss man das Werkzeug regelmäßig erneut anwerfen, beispielsweise über einen Cronjob. Mondo Rescue bietet zudem keinen vollständigen Ersatz für ein Backup-Programm. Es empfiehlt sich daher, regelmäßig vom laufenden System einen Schnappschuss mit Mondo Rescue anzulegen und alle Arbeitsergebnisse noch einmal mit einem Backup-Programm zu sichern. Schlussendlich erfolgt die Rücksicherung nur auf bekannte Dateisysteme. Dazu zählen LVM 1/2, Raid, EXT 2, EXT 3, EXT 4, JFS, XFS, Reiser-FS und VFAT. Microsofts NFTS und somit moderne Windows-Installationen bleiben außen vor (siehe Kasten "Fensterln").

Fensterln

Eigentlich sichert Mondo Rescue ausschließlich Dateien und Verzeichnisse von Linux-Partitionen. Unter bestimmten Umständen nimmt es aber auch parallel installierte Windows-Systeme in seine Sicherungen auf. Partitionen mit Windows 95 bis ME, die das VFAT-Dateisystem nutzen, müssen dazu im Linux-System gemountet sein. Sofern Windows auf »hda1« oder »sda1« liegt, sichert Mondo auch noch den Bootsektor mit. Andernfalls muss man Windows nach dem Rücksichern von einer Diskette starten. Windows ab XP ist aufgrund seines NTFS-Dateisystems ein schwierigerer Brocken. Linux kann mit den Eigenheiten des Dateisystems noch nichts anfangen. Mondo behandelt daher die Partition wie eine riesige Datei und erstellt wie ein Imager ein komplettes Abbild. Damit gehen allerdings viele Vorteile von Mondo Rescue verloren. So lässt sich etwa die Sicherung immer nur komplett auf eine unverändert große Zielpartition zurückschreiben.

Klinikpersonal

Mondo Rescue besteht aus zwei Teilen: Dem namengebenden Mondo und seinem Helfer Mindi. Zunächst schnürt Mondo alle zur Sicherung gewählten Verzeichnisse und Dateien mittels »afio« zu handlichen Archiven, die es mit dem guten alten »bzip2« eindampft. Anschließend bemüht Mondo seinen Kollegen Mindi, der bei Bedarf zusammen mit »mkisofs« beziehungsweise »growisofs« die Archive in ISO-Images verpackt und zum Schluss noch ein entsprechendes Rettungsmedium maßschneidert. Wer sich für eine Sicherung auf CDs oder DVDs entschieden hat, hält das Rettungsmedium mit der ersten Silberscheibe automatisch in der Hand.

Da Mondo und Mindi auf einfachen Kommandozeilen-Programmen aufbauen, sind ihre Systemanforderungen äußerst gering. 64 MByte Hauptspeicher und ein Intel-kompatibler Prozessor reichen laut Homepage [1] aus. Das Duo läuft sogar noch auf alten Systemen mit einem Linux-Kernel in den Versionen 2.2.19, 2.4.7 oder höher. Wer einen selbst kompilierten Kernel nutzt, sollte darauf achten, dass dieser die Initial Ramdisk sowie die gewünschten Backup-Geräte in Form von CD-Brenner beziehungsweise Bandlaufwerk unterstützt.

Da Mondo und Mindi die zu archivierenden Dateien mehrfach umpacken, muss auf einem Datenträger, idealerweise unter »/tmp« , auch entsprechend viel freier Speicherplatz zur Verfügung stehen-- mindestens noch einmal so viel, wie das System derzeit belegt.

Alle großen Linux-Distributionen bringen Mondo und Mindi von Haus aus mit. Die in den Repositories schlummernden Versionen hinken aber häufig der Entwicklung hinterher. Daher sollten Interessenten bei entsprechender Abweichung lieber zu den fertig geschnürten Paketen vom Mondo-Rescue-FTP-Server greifen [2]. Die Entwickler unterstützen sogar einige betagte Distributionen, etwa das vier Jahre alte Ubuntu 6.06.

Wer sich beim FTP-Server bedient, installiert zunächst das Paket »mindi-busybox« , dann »mindi« und schließlich »mondo« . Andernfalls besteht die Gefahr, dass der Paketmanager Mondo oder Mindi doch wieder aus seinen Repositories bezieht. »mindi-busybox« enthält übrigens ein Hilfsprogramm, mit dem Mindi die Rettungsumgebung für das Startmedium erstellt. Wie bereits der Name andeutet, kommt dabei die All-in-one-Shell Busybox zum Einsatz [3].

Ubuntu verpasst Mondo und Mindi in seinen Universe-Repositories leicht veränderte Versionsnummern. Bei der Installation der Pakete vom FTP-Server behauptet der Paketmanager daher, es läge eine neuere Version vor. Diese Falschmeldung ignoriert man kurzerhand. Nutzer einer älteren Open-Suse-Version sollten einen Blick ins »SuSE« -Verzeichnis werfen.

Mindi baut das Rettungsmedium aus der erwähnten Shell Busybox sowie Bestandteilen des laufenden Systems, darunter insbesondere aus dem gerade verwendeten Kernel. Damit kann später das Rettungssystem garantiert auf die existierenden Dateisysteme und Werkzeuge zugreifen. Umgekehrt garantiert aber niemand, dass diese zusammengeschusterte Mini-Distribution auch tatsächlich funktioniert. Aus diesem Grund ist es gut, vor dem ersten Backup als Benutzer Root via »mindi« ein Test-Medium zu erstellen.

Die erste Frage des Kommandozeilen-Programms beantwortet der Admin mit [y], wodurch Mindi zum gerade laufenden Kernel greift. Nach etwas Bedenkzeit darf er ein CD-Image sowie einen bootfähigen USB-Stick erstellen lassen. Das CD-Image liegt als »mindi.iso« unter »/var/cache/mindi« , von wo er es auf eine CD-R oder besser CD-RW brennt (ältere »mindi« -Versionen legen es unter »/root/images/mindi« ab). Letzteres klappt auf der Kommandozeile beispielsweise per:

cdrecord -v -data mindi.iso

Bootet das so generierte Testmedium in die Busybox-Shell ähnlich wie in Abbildung 1, kann nach einem »reboot« das eigentliche Backup beginnen.

Abbildung 1: Diese mit mindi erstellte Test-CD bootet in die Busybox-Shell.

Operationssaal

Bevor Mondo eifrig Daten sammelt, sollte der Administrator tunlichst alle noch laufenden Anwendungen schließen und Datenbanken anhalten. Andernfalls riskiert er eine inkonsistente Sicherung. Mondo erwacht mit einem schlichten »mondoarchive« zum Leben. Von einem Aufruf mit »sudo« ist übrigens abzuraten, da das unter Umständen im späteren Verlauf bemühte »growisofs« darunter streikt [4]. Ubuntu-Nutzer kommen also nicht umhin, »root« zu aktivieren [5].

Es erscheint die textbasierte Oberfläche aus Abbildung 2. Ihre Menüs kennen keine Zurück-Funktion, »Cancel« beziehungsweise »Exit« beenden das Werkzeug sofort. Mit den Pfeiltasten springt der Anwender die Punkte an, die Leertaste löst den gewählten aus.

Abbildung 2: Die Benutzeroberfläche von mondoarchive.
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