Linux-Remote-Desktop auf dem iPad

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Auf dem Tablett

Die Software iLiveX bringt einen Linux-Desktop aufs iPad.
Thematischer Schwerpunkt dieser Ausgabe ist die kontinuierliche Überwachung von Servern, Clients und anderen Geräten im Netzwerk: mit dem IPMI-Plugin, dem ... (mehr)

Als vor einigen Monaten der Hersteller Starnet eine iPad-App vorstellte, die einen Remote-Desktop für Linux-Systeme versprach, wollte das ADMIN-Magazin sie gleich testen. Leider war das schwieriger als gedacht, denn Apple führt für die USA und Europa getrennte App Stores und die Anwendung namens iLiveX war nur im amerikanischen Store verfügbar. Das iPad so zu konfigurieren, dass es den US-Store verwendet, scheiterte letztlich daran, dass dazu ein Wohnort in den USA nötig ist, was wiederum mit den hinterlegten Daten für die Kreditkarte kollidierte.

Ein paar Wochen später teilte uns die Firma mit, dass iLiveX nun auch in Europa zu kaufen sei und gab uns auch einen Gutschein-Code, um den Kauf der Anwendung zu Rezensionszwecken zu ersparen. Auch das stellte sich als unmöglich heraus, da der Gutschein-Code nur für den amerikanischen Store gültig war. Schließlich entschieden wir uns dafür die 12 Euro zu bezahlen und installierten die Software per Knopfdruck auf dem iPad.

Zusätzlich erfordert iLiveX auf dem Linux-PC die Installation des Live-Server-Pakets, der auch für die anderen Remote-Desktop-Produkte von Starnet nötig ist. Fertige Distributionspakete gibt es für Red Hat Enterprise Linux 4 und 5, Suse, Ubuntu, aber auch HP-UX, Solaris und AIX. Für jedes System existiert ein Paket im distributionseigenen Format, das der Administrator systemweit installieren kann, und ein Tar-Paket, das normale Benutzer einfach in ihrem Home-Verzeichnis entpacken.

An Systemvoraussetzungen gibt es nicht viel zu beachten, es muss nur der SSH-Server installiert sein und mit »AllowTcpForwarding yes« in seiner Konfigurationsdatei »sshd_config« TCP-Forwarding erlauben. Anwender von Suse Linux Enterprise 9 brauchen noch einen Patch, den Starnet in seinem Installations-Howto für Linux verlinkt hat.

Einfache Konfiguration

Das Server-Paket näher zu konfigurieren ist überflüssig, denn iLiveX startet den Remote-Desktop auf dem Server einfach mit einem Remote-Aufruf des Programms »rxlaunch« . Dazu muss der Anwender auf der iPad-App nur seine Login-Daten und den Hostnamen des Servers eingeben, der Rest geschieht automatisch (Abbildung 1). Im Test gab es hierbei keinerlei Probleme, prompt erschien der Gnome-Desktop auf dem iPad (Abbildung 2). Alternativ kann der Anwender auch eine KDE- oder reine X11-Sitzung auswählen. Ein Dreifingerdruck auf den Bildschirm des Touchpad aktiviert die Tastatur. Leider verdeckt diese auf dem iPad beinahe den halben Bildschirm, weshalb der Anwender zum Beispiel geöffnete Terminalfenster erst einmal verkleinern muss, um sie überhaupt benutzen zu können (Abbildung 2).

Abbildung 1: Zum Start des Remotedesktops muss der Anwender nur wenige Daten eingeben.
Abbildung 2: Die Bildschirmtastatur verdeckt einen großen Teil des Desktops.

iLiveX stellt den Remote-Desktop flüssig dar, beim Ausklappen der Menüs gibt es keine Verzögerungen oder sonstige Artefakte. Leider führt die Einblendung der Apple-eigenen Menüleiste schon dazu, dass die Auflösung des Gnome-Desktops und der iLiveX-Anwendung um einige Pixel voneinander abweicht und man den Remote-Desktop also an den Rändern immer ein bisschen scrollen muss. Die größte Schwierigkeit liegt naturgemäß in der Emulation der unter Linux dreitastigen Maus durch den Touchscreen des iPad. Einen Rechtsklick erreicht der Anwender mit einem Zweifingerdruck auf den Touchscreen.

Bricht die Verbindung ab oder beendet der Anweder das iPad-Programm, speichert der Server die aktuelle Sitzung. Bei der nächsten Verbindung kann er dann an derselben Stelle weitermachen. Will er die Sitzung explizit beenden, wählt er im Menü »Terminate« . Mangels Sound-Support im uralten X11-Protokoll, auf dem iLiveX letztlich basiert, muss der Anwender auch auf jede Audio-Ausgabe verzichten. Die etwa 20 Euro teure Pro-Version von iLiveX unterstützt zusätzlich die Ausgabe des Desktops als VGA-Signal am iPad für externe Monitore oder Projektoren. Allerdings ist dazu noch der entsprechende Adapter von Apple nötig.

Fazit

Die App iLiveX bringt wie versprochen den Linux-Desktop auf Apples iPad. Die Installation der notwendigen Server-Software war einfach, die Darstellung des Gnome-Desktop funktionierte problemlos. Bei Programmen, die auf Tastatureingaben angewiesen sind, verkleinert sich der zur Verfügung stehende Platz durch die On-Screen-Tastatur auf die Hälfte. Zudem ist es nicht so einfach, ein Textterminal mit der Maus-Emulation des Touchpad kleiner zu ziehen. Dieser Punkt trübt das Remote-Desktop-Vergnügen naturgemäß, ansonsten bekommt der Anwender für wenig Geld eine funktionierende Software, mit der sich auch auf dem iPad Linux/Unix-Rechner bedienen lassen.

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