Datenaustausch zwischen Windows 7 und Linux

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Brückenbau

Um Daten zwischen Windows und Linux auf demselben Rechner auszutauschen, gibt es mehrere Wege. Sie führen entweder über Open-Source-Treiber für Windows oder über Virtualisierungslösungen.

Administratoren und Anwender, die auf ihrem Computer parallel Linux und Windows 7 betreiben, wollen in den meisten Fällen auch Daten zwischen den Systemen austauschen. Auch der Zugriff von Linux-Rechnern auf Freigaben, zum Beispiel von Windows Server 2008 R2, ist notwendig, wenn im Netzwerk Linux und Windows 7 parallel im Einsatz sind. Ein Ansatz dafür ist meistens der Einsatz von Samba. Es gibt aber auch Open-Source-Treiber für Windows 7, die den Zugriff auf Linux-Partitionen ermöglichen. In den meisten Linux-Distributionen ist der Zugriff auf FAT32- und NTFS-Partitionen bereits standardmäßig integriert. Wer aber umgekehrt von Windows auf Linux-Partitionen zugreifen möchte, braucht Zusatztools, die dieser Artikel im Weiteren vorstellt.

Wollen Sie von Ihrer Windows 7-Installation aus direkt auf Linux-Partitionen des Computers zugreifen, ist der einfachste Weg der kostenlose Linux-Reader von Disk Internals [1]. Nach der Installation navigieren Sie per Doppelklick in den Linux-Ordnern wie im normalen Explorer.

Nach dem Start des Tools haben Anwender unter Windows die Möglichkeit, auf die Linux-Dateisysteme Ext2/Ext3/Ext4, HFS und ReiserFS zuzugreifen. Die Software ist kostenlos, ermöglicht allerdings nur das Lesen von Linux-Partitionen, schreiben kann sie nicht. Die Bedienung ist in englischer Sprache gehalten und funktioniert ähnlich wie im Windows-Explorer (Abbildung 1).

Abbildung 1: Von Windows auf Linux-Partitionen zugreifen mit Disk Internals Linux Reader.

Anders als beim Linux-Reader, der Laufwerke nur innerhalb der Tool-Oberfläche einbindet, lassen sich Linux-Partitionen auch als feste Laufwerke in Windows einbinden. So installieren die beiden Zusatztools Ext2IFS [2] und Ext2Fsd [3] eigene Treiber und binden die Linux-Partitionen wie Windows-Partitionen in den Explorer ein. Zunächst ist es wichtig, dass die entsprechenden Linux-Partitionen eine Inode-Größe von 128 Bytes haben. Hier verwenden aktuelle Distributionen leider oft mehr, in den meisten Fällen eine Größe von 256 Bytes. Mit einer größeren Anzahl kann das Tool Ext2IFS allerdings nicht umgehen.

Wollen Sie sich die Inode-Größe des Dateisystems anzeigen lassen, geben Sie erst mit »fdisk -l« die Festplatten und Partitionen Ihres Systems aus, im Zweifelsfall mit Root-Rechten. Geben Sie den Befehl »sudo tune2fs -l /dev/sdaNummer | grep Inode« ein, um sich den Inode anzeigen zu lassen. In der Zeile »Inode size« steht die Größe der Partition (Abbildung 2). Hat die Partition eine Inode-Größe von mehr als 128 Bytes, versagt das Tool Ext2IFS seinen Dienst. Stattdessen können Sie auf Ext2Fsd zurückgreifen. Hat die Partition eine Inode-Größe von 128, finden Sie auf der Seite [4] eine Anleitung, wie Sie das Tool einbinden können.

Abbildung 2: Anzeigen der Inode-Größe einer Linux-Partition.

Repariert

Testen Sie zuerst, ob der Zugriff auch bei aktivierter Benutzerkontensteuerung funktioniert. Laden Sie das Tool Ext2Fsd von der Seite [5] herunter und starten Sie die Exe-Datei. Aktivieren Sie die Aufgaben beim Fenster »Select Additional Tasks« . Dies ist notwendig, damit das Tool beim Systemstart automatisch laden kann. Nach der Installation startet der Ext2 Volume Manager. Diesen können Sie über seine Programmgruppe auch jederzeit nachträglich starten. Klicken Sie mit der rechten Maustaste die Linux-Partitionen an, die Sie einbinden wollen, und wählen Sie »Change Drive Letter« , falls der Partition noch kein Buchstabe zugewiesen wurde (Abbildung 3).

Abbildung 3: Zuweisen von Laufwerksbuchstaben für Linux-Partitionen.

Über die Schaltfläche »Add« fügen Sie einen Laufwerksbuchstaben hinzu. Im neuen Fenster aktivieren Sie für den Zugriff entweder das Kontrollkästchen »Automatic mount via MountMgr« oder »Create a permanent MountPoint via Session Manager« . Wenn Sie die Einstellungen mit »OK« bestätigt haben und den Windows-Explorer aufrufen, zeigt dieser das Linux-Laufwerk wie jedes andere Laufwerk an. Ist das Laufwerk noch nicht zu sehen, starten Sie den Computer neu. Sie können über den Volume Manager jederzeit den Laufwerksbuchstaben ändern oder Optionen anpassen.

Haben Sie die Konfiguration korrekt vorgenommen, bleibt das Laufwerk auch nach dem Booten aktiv. Ist das nicht der Fall, deaktivieren Sie die Benutzerkontensteuerung in Windows 7. Ohne die Deaktivierung geht der Zugriff auf die Linux-Partitionen beim Neustart teilweise verloren. Geben Sie im Suchfeld des Startmenüs »wscui.cpl« ein, um das Wartungscenter zu öffnen. Klicken Sie auf »Einstellungen der Benutzerkontensteuerung ändern« , ziehen Sie den Regler ganz nach unten und bestätigen Sie mit »OK« . Starten Sie schließlich den Computer neu.

Gemeinsame Ordner

Neben der Möglichkeit, Linux parallel zu installieren und Tools für den Datenaustausch zu verwenden, können Sie Linux auch als virtuelles System installieren, zum Beispiel in Virtualbox. In diesem Fall können Sie einen gemeinsamen Ordner festlegen, über den Sie im Linux-Gastsystem und dem Windows-Host-System Daten austauschen. Der Vorteil bei diesem Betrieb ist, dass Windows parallel zum Linux-System läuft. So können Sie mit Administrationswerkzeugen in Windows 7 arbeiten und parallel mit Linux.

Der Datenaustausch erfolgt dann mit Linux-Werkzeugen direkt im gestarteten Linux-System und im Windows-Explorer des Windows-Host-Systems. Dazu legen Sie auf dem Windows-7-Computer ein beliebiges Verzeichnis fest und konfigurieren es als gemeinsamen Ordner. Alle Dateien, die Sie in diesen Ordner kopieren, sind in beiden Computern verfügbar.Die folgenden Abschnitte gehen von einer virtuellen Linux-Maschine auf Basis von Ubuntu aus. Installieren Sie zunächst die Gasterweiterungen im Linux-System, die für den Datenaustausch notwendig sind. Öffnen Sie dann über »Start | Anwendungen | System | Terminal« eine Eingabeaufforderung und geben Sie den Befehl »sudo apt-get install dkms« ein. Haben Sie das Sudo-Passwort eingegeben, installiert der Assistent die notwendigen Erweiterungen auf dem System. Starten Sie den virtuellen Computer neu und klicken Sie in der virtuellen Maschine auf »Geräte | Gemeinsame Ordner« . Fügen Sie einen neuen gemeinsamen Ordner hinzu, wählen Sie das Verzeichnis aus und geben Sie einen Namen an, zum Beispiel »temp« . Aktivieren Sie das Kontrollkästchen »Permanent erzeugen« . und klicken Sie zweimal auf »OK« , um den Ordner einzubinden (Abbildung 4). Öffnen Sie ein Terminal und wechseln Sie ins Home-Verzeichnis. Legen Sie ein Verzeichnis an, zum Beispiel »windows-austausch« . Zeigen Sie sich mit »id« die ID des aktuellen Benutzerkontos an. Wichtig sind die UID und die GID, die Sie benötigen, um die Freigabe zu verbinden. Editieren Sie dann die Datei »rc.local« und geben Sie am Ende der Datei oberhalb des Befehls »exit« den folgenden Befehl ein (Abbildung 5):

mount -t vboxsf -o rw,uid=UID,gid=GID Name-des-gemeinsamen-Ordners/home/User/Ordner-im-Home-Verzeichnis
Abbildung 5: Eingeben der notwendigen Daten in
Abbildung 4: Einbinden des erstellten gemeinsamen Ordners in die virtuelle Linux-Maschine.

Wichtig ist, dass Sie den Namen des gemeinsamen Ordners, den Sie in Virtualbox festgelegt haben, mit dem neuen Verzeichnis verbinden, das Sie in Linux angelegt haben.

Öffnen Sie in Linux den Datei-Manager und klicken Sie auf »Persönlicher Ordner« , sehen Sie das neue Verzeichnis. Funktioniert die Anbindung nicht, stellen Sie sicher, dass in der Datei »/etc/rc.local« die Namen, IDs und Bezeichnungen korrekt gesetzt sind.

Wollen Sie von Linux aus auf Windows-Freigaben zugreifen, also nicht innerhalb des gleichen Computers, kann NFS in Windows Server 2008 R2 ein sinnvoller Weg sein. Das NFS ermöglicht Unternehmen, die Windows Server 2008 R2 und Unix/Linux-Systeme einsetzen, den Datenaustausch. Bei NFS handelt es sich um eine Aktualisierung der Windows Services for Unix 3.5 [6].

Wollen Sie NFS nutzen, können Sie diese Funktion im Server-Manager als Rollendienst für die Rolle Dateidienste installieren. Für den Zugriff auf Dateien auf NFS-Servern benötigt jeder Windows-Benutzer eine Identität im Unix-Format. Neu ist unter anderem, dass Active Directory-Objekte jetzt direkt für NFS genutzt werden können, Sie müssen keine zwei anlegen. NFS in Windows Server 2008 R2 unterstützt 64 Bit und weist daher eine deutlich höhere Leistung auf. Microsoft hat in NFS im Vergleich zu den Windows Services for Unix 3.5 einige Neuerungen integriert. Die Unix Identity Management Active Directory Schema Extension enthält Unix User Identifier (UID) und Group Identifier (GID)-Felder, welche es den NFS-Clients ermöglichen, Unix-Identitätsinformationen direkt in Active Directory abzufragen. Die Performance und den Zugriff hat Microsoft erheblich verbessert. Mknod-Geräte unter Unix werden jetzt auch von NFS unterstützt. NFS besteht hauptsächlich aus drei Komponenten, um Unix-Systeme mit Windows Server 2008 R2 zu verbinden.

  • Identitätsverwaltung für Unix: Mit dieser Funktion können Benutzerkonten zwischen Windows- und Unix-Domänen assoziiert werden. Dadurch müssen sich Benutzer nicht mehr separat an den Windows-Systemen und an Unix anmelden, sondern es reicht entweder die Anmeldung an Windows oder an Unix.
  • Server für NFS: Mit dieser Funktion können Unix-Clients auf Freigaben von Windows-Servern zugreifen.
  • Client für NFS: Mit dieser Funktion wiederum können Windows-Clients auf Freigaben von Unix-Servern zugreifen.

Für die Verwaltung von NFS gibt es die Verwaltungskonsole »Dienste für NFS« , die Sie über »Start | Verwaltung« starten können, sowie verschiedene Befehle für die Befehlszeile (Abbildung 6).

Abbildung 6: Verwalten von NFS über das Snap-In.

Die einzelnen Befehlszeilentools zur Verwaltung bieten auch eine ausführliche Hilfe über deren Syntax, die Sie über »Toolname/?« aufrufen können. Die wichtigsten Befehlszeilentools für NFS zeigt Tabelle 1.

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Ausgabe  04/2014