Im Test: Open IT-Cockpit Version 2.6.5

Kontrollzentrale

Nagios-Ableger gibt es mittlerweile viele. Open IT-Cockpit setzt auf reduzierten Funktionsumfang und Übersichtlichkeit. Was das im Detail bedeutet, verrät dieser Test.
Wer sein System permanent überwacht, hat den Grundstein dafür gelegt Engpässe zu vermeiden und Fehler frühzeitig zu erkennen. Neben dem Platzhirsch Nagios ... (mehr)

Die Zeit der Dinosaurier ist vorbei: Nagios und eine Reihe von Open-Source-Tools mischen seit einiger Zeit den Markt für Systemmanagement und Monitoring auf. Sie überzeugen durch einen aufs Wesentliche reduzierten Funktionsumfang, große Flexibilität und nicht zuletzt niedrige (keine) Lizenzkosten. Ein Vertreter dieser Gattung ist Open IT-Cockpit, das von dem Fuldaer Dienstleister it-novum unter einer Open-Source-Lizenz veröffentlicht wurde.

Open IT-Cockpit steht unter der GPLv2 und ist laut der Community-Webseite [1] als zentrales Umbrella-Managementsystem konzipiert. Die Anwendung ist im Laufe verschiedener Systemmanagementprojekte entstanden. Am Anfang stand eine Nagios-Lösung, die laufend weiterentwickelt und ergänzt wurde. Seit Juni 2010 steht Open IT-Cockpit unter einer Open-Source-Lizenz und lag für diesen Test in Version 2.6.5 vor. Nach Angaben des Herstellers soll Ende Januar 2012 Version 2.7.1 veröffentlicht werden.

Der Installer von Open IT-Cockpit unterstützt Linux-Derivate wie Ubuntu 10.04, Debian 6.x, OpenSuse 11.2 und Suse Linux Enterprise 11. Zu Testzwecken haben wir uns für Suse Linux Enterprise 11 SP1 x86_64 entschieden. Die Installation sollte analog zum lizenzfreien OpenSuse 11.1 x86_64 ablaufen. Für die Installation haben wir den neuen Shell-Skript-Installer gewählt. Nachdem es einige Kritik an dem alten Installer gab, weil er nur von einer externen Community-Seite heruntergeladen werden konnte, haben die Entwickler nachgezogen: Seit Kurzem gibt es ein eigenes Installationsskript (Version 0.1) auf der Open-IT-Cockpit-Communityseite.

Anpassbar

Ist die Tar-Datei von [2] entpackt, sieht man die Ordnerstruktur mit mehreren Include-Skripten zur nahtlosen Integration in die verschiedenen Derivate, die in das Hauptskript »install.sh« integriert sind. Nach den Angaben auf der Webseite werden neben 32- und 64-Bit-Systemen auch nicht gelistete Systeme grundsätzlich unterstützt – allerdings erst nach manueller Anpassung des Installer-Skripts. Wir empfehlen nur bedingt, von dieser Option Gebrauch zu machen. Neben Änderungen an Paketen, Libraries oder Abhängigkeiten spielt nämlich auch die unterstützte PHP-Version (zurzeit maximal 5.2.x) eine entscheidende Rolle. Es ist deshalb denkbar, dass es unter neueren Derivaten wie Debian 6.0.1 oder ab OpenSuse 11.1 kleinere Probleme gibt, denn dort kommt bereits die neuere PHP-Version 5.3 zum Einsatz. In der Community sind aber bereits Bugfixes veröffentlicht worden. In Open IT-Cockpit 2.7.1 ist dieses Problem behoben, die Version funktioniert mit PHP 5.3.

Mit dem Shell-Befehl »lsb_release -d« lässt sich die exakte Bezeichnung des eigenen Linux-Derivats feststellen, um sie im Installer selbst von Hand anzupassen. Experimentierfreudige User sollten einen Blick in die »install.sh« unter der Funktion »Main« , Unterpunkt »# detect the system you are using« werfen, wo sich die Versionsprüfung befindet.

Ist die komplett menügeführte Installation erst einmal angestoßen, läuft sie reibungslos durch und lädt neben Paketen und ihren Abhängigkeiten sämtliche zur Installation erforderlichen Komponenten selbstständig herunter. Neben Angaben zum Proxy (sofern noch nicht eingerichtet) werden Login-Daten für Datenbank, Weboberfläche oder auch die Lage der Datenbank (interessant bei separatem Hosting) abgefragt.

Alle Änderungen in den Konfigurationen von Nagios, der Rechtevergabe, die User- beziehungsweise Gruppenzuordnungen und der Weboberfläche nimmt der Installer automatisch selbst vor, sodass das System nach Abschluss der Installation sofort startklar ist.

Der erste Kontakt

Die Oberfläche von Open IT-Cockpit ist in PHP entwickelt und enthält einige Ajax-Elemente. Sie ist wahlweise englisch oder deutsch und zum größten Teil selbsterklärend. Nach erfolgreicher Installation loggt man sich mit dem Browser auf dem Monitoring-Server ein. Die Authentifizierung erfolgt über htaccess, dessen Login-Daten bereits bei der Installation angepasst wurden. Der erste Eindruck des Cockpits ist eine angenehm aufgeräumte Gesamtübersicht aller Host- und Service-Checks. Sie ist in zwei separate Graphen zusammengefasst, deren Details darunter zahlentechnisch dargestellt werden.

Im Cockpit erhält man zügig einen Überblick über den Gesundheitszustand der kompletten Infrastruktur nebst Downtimes (Abbildung 1). Alternativ kann zur statusabhängigen Listenansicht gewechselt werden. Sie zeigt in Kurzform alle Hosts oder Services mit dem Status an, Links zur Dokumentation und den Performancedaten sind ebenfalls vorhanden. Die Liste kann im PDF-Format gespeichert werden. Eine Info-Box enthält die direkten statusorientierten Verlinkungen, zum Beispiel zu noch unbehandelten oder geplanten Problemen.

Abbildung 1: Die Startseite von Open IT-Cockpit präsentiert eine Übersicht des Systemstatus.

Bei einer großen Zahl von Hosts beziehungsweise Services und lediglich kleineren Ausfällen kann man auf der Graphenansicht jedoch nicht mehr allzu viel erkennen. Man sollte daher immer auch die Zahlen darunter im Auge behalten. In allen Menüs befindet sich im linken oberen Rand eine Schnellsuchfunktion mit optional erweiterter Suche. Dadurch lassen sich Hosts direkt oder nach bestimmten Kriterien finden – das funktioniert gut und erleichtert die tägliche Arbeit enorm. In manchen Menüs werden Radio-Buttons oder Check-Boxen nicht direkt betitelt, stattdessen öffnet sich die entsprechende Quickinfo-Box beim Verweilen mit dem Mauszeiger. Auch wenn uns die Open IT-Cockpit-Weboberfläche sehr gut gefällt, kann man die klassische Nagios-Oberfläche über »http://Host-IP/openitc/old/« erreichen.

Der intuitiven Oberfläche sei Dank gestaltet sich das Einrichten der Devices und Service-Checks sehr einfach. Für den besonders schnellen Einstieg steht einem zudem ein Wizard zur Seite (Abbildung 2). Nach der Einrichtung kann man in den detailierten Host-Informationen verschiedene Kommandos wie das manuelle Ausführen eines Checks oder das passive Senden eines Status zur Kontrolle vornehmen. Kleiner Wermutstropfen: Eine automatische Host-/Service-Discovery fehlt leider in der Community-Version und wird nur im Projektrahmen von it-novum angeboten.

Abbildung 2: Der Host-Wizard hilft bei der Einrichtung der zu überwachenden Rechner.

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