Drei private Speicherclouds im Vergleich

© pakhnyushchyy, 123RF

Wolkenkunde

Zentrale Netzwerkspeicher mit Clients für jede Plattform sind praktisch. Ob die landläufige Anrede "Cloud" zutrifft, sei dahingestellt. Hier geht es darum, welches die beste Implementierung ist: gemietet oder selbst gehostet, als reine Software- oder halbe Hardwarelösung?
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Drei Probanden (Tabelle 1) haben wir näher unter die Lupe genommen: zum Ersten das allseits bekannte Dropbox [1], Urvater der von Drittanbietern gehosteten NAS-Speicher, dem später beispielsweise Stratos Hidrive oder Ubuntu One folgten, um nur zwei unter vielen aufzuzählen. Zum Zweiten Owncloud [2], eine Softwarelösung, die es erlaubt, einen ähnlichen Service auf heimischer Hardware unter eigener Regie aufzusetzen. Das bietet sich zum Beispiel dann an, wenn Bedenken wegen der Sicherheit, Zuverlässigkeit oder Leistungsfähigkeit des Hosters bestehen, denn bei dieser Variante behält man alles unter Kontrolle, der Server steht im eigenen Rechnerraum. Die dritte Variante schließlich ist in gewisser Weise eine Steigerung der letztgenannten Strategie: Auch hier operiert der Admin auf eigener Hardware, muss aber nicht einmal die Software installieren, denn hier kommt die "Cloud" als Zusatzfunktion einer NAS-Appliance vorinstalliert mit. Als Beispiel dafür haben wir uns die Cloud Station [3] auf einer Synology-Diskstation DS 712+ angesehen.

Tabelle 1

Drei Storage Clouds im Vergleich

Feature

ownCloud

Dropbox

Synology Cloud Station

Version

4.0.1

-

Beta

Dokumentation

Handbuch

Install Guide

Nein

Nein, eine Seite im DSM Manual

Wiki, FAQ

Ja

Ja

Nein

Foren

Ja

Ja

Ja

Kosten

Für Hardware und Support (gestaffelt)

Für Speicher > 2 GByte, volumenabhängig

Kosten der NAS-Appliance

Client-Plattformen

Browser

Ja

Ja

Nein

Windows

Ja

Ja

Ja

Linux

Ja

Ja

Nein

Mac

Ja

Ja

Ja

Android

Ja

Ja

nein

Iphone/iPad

Ja

Ja

Nein

Blackberry

Nein

Ja

Nein

Verschlüsselung

auf dem Client

Nein

Nein

Nein

auf dem Transportweg

Ja, SSL

Ja, SSL

Ja, SSL

auf dem Server

Ja, Blowfish

Ja, AES256

Nein

Suche

nach Dateinamen

Im Browser und im Client via OS

Im Browser und im Client via OS

Im Client via OS

nach Metadaten

Nein

Nein

Nein

Viewer- & Player-Apps im Browser-Client

Fotos (Galerie)

Ja

Ja

Nein

Text-Reader

Ja

Nein

Nein

PDF-Viewer

Ja

Nein

Nein

ODF-Viewer

Ja

Nein

Nein

Kalender-Hosting

Ja

Nein

Nein

Audio-/Video-Streaming

MP3-Streaming in Browserclient integriert

Nein (aber mit 3rd-Party-Apps)

Nein

Bearbeitungsfunktionen für Dokumente

Ja, Texteditor

Nein

Nein

Syncing & Sharing

nur geänderte Dateiteile syncen

Nein

Ja

Nein

selektives Syncen (nicht alle Ordner auf alle Geräte)

Ja, im Mobilclient

Ja

Nein

Bandbreitenbeschränkung

Ja, serverseitig via OS

Ja, für Up- und Download

Ja, ab DSM 4.1

Quotas für User

Ja

Nein

Nein

Wiederherstellung älterer Versionen

Ja

Ja, 30 Tage

Nein, nur indirekt, nur 32 Versionen

Sharing mit fremden Usern ohne Registrierung

Ja

Ja

Nein

Sync-Status-Anzeige im Client

Nein

Ja

Ja

API für Programme Dritter

Ja

Ja

Nein

Anzahl Drittanbieter-Tools

einige

reichlich

keine

Dropbox

Was bei Dropbox im Vergleich mit den Kontrahenten unmittelbar auffällt, ist die sehr gute Integration in das Client-Betriebssystem: Syncstatus-Anzeigen via Ordner-Icon im Dateimanager (Abbildung 1) und ein Kontextmenü zum Sharen der Inhalte bieten weder Owncloud noch Synology. Den zweiten großen Pluspunkt verbucht Dropbox aufgrund seiner riesigen Community mit mehr als 50 Millionen Anwendern weltweit. Owncloud kommt bis jetzt höchstens auf ein Hundertstel davon. Das schlägt sich in der Anzahl an Tools und Erweiterungen von Drittanbietern und auch im Reifegrad nieder. Selbst für das Mobilbetriebssystem Android existieren neben dem eigentlichen Dropbox-Client noch Dutzende Apps, die bestimmte Beschränkungen aufheben, einzelne Ordner synchronisieren, Musik streamen, Transfers automatisieren oder einfach nur die Dropbox als universellen Speicher für eigene Zwecke nutzen.

Abbildung 1: Syncstatus-Anzeigen im Dateimanager bietet derzeit nur Dropbox, Owncloud plant allerdings Ähnliches für den September.

Drittens überzeugt Dropbox durch seine Stabilität. Im Unterschied etwa zu Owncloud hat es der Anwender hier mit einer ausgereiften Software zu tun, die Kinderkrankheiten überwunden hat, dafür unter der Haube etliche Schmankerl bietet, etwa Deduplikation, die Synchronisation geänderter Dateifragmente statt großer Files oder das selektive Syncen. Außerdem kommt Dropbox sicher auch sein minimalistischer Ansatz zugute. Außer mit einer Fotogalerie schmückt es sich nicht mit Tausenden Extras, sondern konzentriert sich auf sein Kerngeschäft und überlässt es Drittanbietern, darauf aufzusetzen.

Demgegenüber steht freilich, dass sich der Dropbox-Nutzer in Abhängigkeit von diesem Anbieter begibt – sowohl in Sicherheitsfragen wie auch mit Blick auf die Tarifpolitik. Was der Anbieter verlautbart, kann man glauben oder nicht – überprüfen lässt es sich in der Regel nicht. Und jenseits aller schönen Worte steht fest, dass auch Dropbox nicht unverwundbar ist. Erst kürzlich wurden durch das gestohlene Passwort eines Dropbox-Mitarbeiters zahlreiche E-Mail-Adressen von Nutzern kompromittiert und mit Spam überschwemmt. Dropbox gelobt Besserung und will nun beispielsweise intern eine Zweifaktor-Authentifizierung [4] einführen. Aber niemand weiß, wann ein Hacker eventuell die nächste Schwachstelle mit welchen Folgen ausnutzt.

Owncloud

Eine Reaktion auf die Gefahren einer zu engen Bindung an einen Anbieter ist das Streben nach Autonomie. Hat man den Cloud-Speicher im eigenen Rechenzentrum, behält man die Zügel in der Hand. Eine Lösung, die es relativ einfach möglich macht, die eigene Cloud zu hosten, bietet das Open-Source-Projekt Owncloud.

Auf den ersten Blick macht Owncloud einen begeisternden Eindruck: Es unterstützt mit Linux, Windows, Mac OS X, Android und iOS die wichtigsten Plattformen. Es ist erweiterbar und bringt in Form interner, vorinstallierter Applikationen schon eine Reihe nützlicher Funktionen mit, etwa Audio-Streaming oder das Hosting von Kalendern und Kontakten. Es verlangt nur für Support Geld und ist relativ leicht aufzusetzen, ein gewöhnlicher LAMP-Stack reicht. Allerdings: Freiheit bedeutet auch hier Verantwortung – für Ausfallschutz, Skalierbarkeit oder Sicherheit des Storage muss der Anwender selbst geradestehen.

Der zweite Blick ist etwas ernüchternder: Noch gibt es Lücken und kleine Fehler an ziemlich vielen Orten (Abbildung 2). Wir wollen uns eine kleinliche Auflistung schenken, nur ein Beispiel: Owncloud sortiert sämtliche Audio-Files – darunter beispielsweise auch FLAC-Dateien – im Browserclient unter den Menüpunkt "Musik", kann dann aber davon nur MP3-Dateien auch tatsächlich abspielen. Das mag man noch als seltsames Feature schlucken. Löscht man jedoch physisch unter "Dateien" die offenbar nicht unterstützten Titel im FLAC-Format, bleiben sie unter "Musik" in der Playlist als Untote weiterhin erhalten, selbst nach einem Rescan.

Abbildung 2: Die Namenskonventionen sind freizügig, beispielsweise erlauben sie Doppelpunkte in Dateinamen. Der Browserclient kommt damit klar, der native Windows-Client aber will test:1 nicht kennen.

Obwohl schon jede Menge Bugfixes in die von uns getestete nicht mehr allerneueste Version 4.0.1 eingeflossen waren, macht Owncloud durchgängig den Eindruck einer zwar prinzipiell funktionierenden, im Detail aber unfertigen Software. Das fängt bei Kleinigkeiten an, wie dem doppelten Menüpunkt "Beenden" im Linux-Client, setzt sich fort über derbe Darstellungsfehler im Internet Explorer und endet noch nicht bei Sicherheitsbedenken, wie sie der Security-Experte Pascal Junod [5] jüngst gegen die Owncloud-Verschlüsselung ins Feld führte. So stellt sich dasselbe Gefühl ein wie beim Testen einer Beta-Version: Alles sieht schon sehr verheißungsvoll aus, aber es fehlt der letzte Schliff und die Stabilität, die man sich für einen Produktiveinsatz wünschen würde. Wer einen Blick auf die Roadmap wirft, wundert sich nicht mehr sehr: Mehrere Major Releases binnen weniger Monate sind eben nur zu schaffen, wenn man die eigentlich nötigen ausgiebigen Testphasen in stabile Versionen umetikettiert. Nichtsdestotrotz: OwnCloud hat fraglos das Potenzial, sich zu einer sehr interessanten Private Storage Cloud zu entwickeln.

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