VAX-Emulation mit OpenVMS

© Ole Houen, 123RF

Zeitmaschine

Emulatoren transportieren vergangene Computerzeiten in die Gegenwart. Dass das nicht nur mit dem C64 und Atari funktioniert, zeigt die Software SIMH, die das OpenVMS-System auf einem emulierten VAX-Computer wieder zum Leben erweckt.
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Die Computer von gestern üben auf viele Leute von heute einen großen Reiz aus. Und das nicht nur bei der Emulation von Home-Computern und Spielekonsolen, sondern insbesondere, wenn Rechner wieder zum Leben erweckt werden, die damals selbst für kleine Firmen unerschwinglich waren. Betrachtet man sich ihre Leistungsdaten näher, reibt man sich die Augen, denn selbst mancher Taschenrechner hat heute mehr zu bieten, von Smartphones ganz zu schweigen.

Viele dieser Dinosaurier waren Meilensteine in der Entwicklung der Informationstechnologie und haben den Aufstieg ganzer Firmen geprägt. Ein Beispiel dafür sind die VAX-Maschinen der Digital Equipment Corporation (DEC), die schon mit der PDP-Reihe Computergeschichte geschrieben hat. Bahnbrechend war aber die VAX, die eine 32-Bit-Architektur mit virtuellem Speicher einführte, die schon bald zum Marktführer im Segment der Business-Computer wurde.

Passend zum neuen Computer veröffentlichte DEC ein neues Betriebssystem namens VMS, das neben dem Support für Benutzerterminals auch so fortschrittliche Features wie Clustering implementierte. VMS war auch für sein ausgefeiltes Sicherheitskonzept bekannt, das etwa Access Control Lists (ACLs) und Auditing-Funktionen einschloss. Noch heute läuft VMS als Betriebssystem auf manchem Bank-Computer.

Wiederauferstehung

Neu erleben lässt sich all dies mit Hilfe des Emulators SIMH, der nicht nur einen VAX-Rechner nachbildet, sondern eine ganze Reihe anderer Antiquitäten, darunter die PDP-Reihe, den MITS Altair und Rechner von Hewlett Packard oder Honeywell. Geschrieben hat das Programm der DEC-Veteran Bob Supnik, der heute bei Unisys arbeitet. Die Anregung dazu kam von seinem Kollegen Larry Stewart, der darauf hinwies, dass die Computergeschichte zur Auslöschung verdammt sei, wenn nicht jemand etwas dagegen unternähme. Das war dann Supnik, der die Anregung zum Anlass nahm, von Assembler auf die Programmiersprache C umzusteigen und damit das SIMH-Projekt zu beginnen.

SIMH ist in den Paket-Repositories einiger Linux-Distributionen vorhanden, allerdings fehlen dabei manche Dateien. Die Installation aus dem Quellcode ist dagegen unproblematisch. Haben Sie das etwa drei MByte große Zip-File heruntergeladen, sollten Sie sich mit dem Entpacken noch kurz zurückhalten und ein Verzeichnis dafür anlegen. Ein solches fehlt nämlich in dem Archiv. Wenn man es einfach entpackt, sind alle enthaltenen Dateien und Verzeichnisse schön im aktuellen Verzeichnis verteilt.

Selbst übersetzt

Liegen die Dateien dann zum Beispiel im Verzeichnis »simh« , genügt es, in dieses zu wechseln und »make« einzugeben. Wer nur den VAX-Emulator haben möchte, kann sich mit »make vax« bescheiden. Das Ergebnis ist dann im Verzeichnis »BIN« zu finden und heißt eben »vax« . Am besten kopieren Sie sich das Binary in ein Verzeichnis, das sich im Pfad befindet, also zum Beispiel »/usr/bin« oder »$HOME/bin« . Damit der Emulator auch Netzwerkfunktionen besitzt, muss vor dem Kompilieren das Entwickler-Paket der Libpcap (auf Debian/Ubuntu »libpcap-dev« ) installiert sein.

Am saubersten ist es, für die VAX-Emulation ein eigenes Verzeichnis anzulegen, zum Beispiel »/home/oliver/vax« . Dorthin kopieren Sie die Firmware-Datei »ka655x.bin« , die in »simh/VAX« zu finden ist. Auch die Konfigurationsdatei »vax.ini« muss dort liegen. In ihr ist die Hardware-Konfiguration der virtuellen VAX spezifiziert. Zuerst steht dort die Anweisung zum Laden der Firmware. Dann folgt eine Datei für das nichtflüchtige (non-volatile/NV) RAM, in dem die Boot-Parameter dauerhaft gespeichert werden. Die restlichen Anweisungen sind der Konfiguration der Disks sowie des Netzwerk-Interfaces gewidmet. Ganz am Ende stehen noch ein paar spezielle Boot-Anweisungen, zu denen dieser Artikel später noch mehr verrät.

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