Debian 7.1 "Wheezy"

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Neuer Klassiker

Im Juni dieses Jahres haben die Debian-Entwickler Version 7.1 der freien Software-Distribution veröffentlicht. Außer der klassischen Linux-Variante gibt es mittlerweile auch Debian-Derivate, die auf FreeBSD und dem Microkernel Hurd basieren.
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Nach etwas mehr als zwei Jahren ist mit Version 7.0 "Wheezy" im Mai ein neues Release des Debian-Betriebssystems erschienen [1]. Einen guten Monat später erschien sogar schon das erste Update auf 7.1. Wie üblich gibt es die Distribution – zumindest in Linux-Ausführung – für eine ganze Reihe von Architekturen. Das sind nicht nur x386 und x64/AMD64, sondern auch ARM, PowerPC, Sparc, IA64, MIPS, IBM S/390 und System z.

Die Debian-Linux-Distribution verwendet in Version 7.1 den Kernel 3.2 und setzt standardmäßig das Dateisystem Ext4 ein. Für Desktop-Anwender bringt Debian 7.1 zum Beispiel Gnome 3.4, KDE 4.8 und XFCE 4.8 mit. Für Echtzeitanwendungen gibt es spezielle Linux-Kernel zum Nachinstallieren.

Multiarch

Als ausgesprochenes Ziel für das Release wurde die Multi-Architekturfähigkeit von Wheezy realisiert. Dies schließt nicht nur die Funktion von 32-Bit-Anwendungen auf 64-Bit-Systemen, sondern etwa auch das Cross-Kompilieren von Anwendungen für andere Prozessoren ein, zum Beispiel ARM. Das betrifft allerdings nur Debian-Linux, Debian/kFreeBSD hinkt hier noch hinterher. Knapp verfehlt wurden andere Ziele wie der vollständige IPv6-Support oder die durchgängige Unterstützung von Dateien größer zwei GByte. Dies bedeutet aber tatsächlich nur, dass es noch einige wenige Anwendungen gibt, für die noch offene Bugs existieren. Natürlich unterstützt Debian grundsätzlich schon beide Features sehr gut. Erreicht werden sollen die restlichen Ziele nun im kommenden Debian-Release 8.0 "Jessie" [2].

Auf Serverseite liefert Wheezy die MySQL-Version 5.5.30 mit, die Alternative PostgreSQL als 9.1. Der IMAP- und POP-Server Dovecot wurde von der Version 1.2 auf 2.1 aktualisiert. Dabei ändert sich die Aufteilung der Konfigurationsdateien. Wer eine alte Dovecot-Installation aktualisiert, sollte zuerst die Dokumentation lesen und ein Backup der Konfiguration anlegen. Wer den File- und Printserver Samba installieren möchte, wird mit der aktuellen stabilen Version 3.6.6 bedient. Die neue Generation Samba 4 lässt sich auf Wunsch aber ebenso installieren.

Der Apache-Server verbleibt mit Version 2.2 auf dem alten Stand, weil die Entwickler Probleme mit der Integration von Mod-Perl in neuere Apache-Versionen hatten. Allerdings gibt es einige neue Apache-Module: Mod-Security implementiert eine Web Application Firewall auf der Basis von Apache. Mit Mod-QOS lässt sich beispielsweise die gleichzeitige Anzahl von Requests von einer IP-Adresse und ähnliche Dinge begrenzen. Mod-Slowlog schließlich loggt Anfragen, deren Bearbeitung sehr lang dauert.

Viele Debian-Pakete wurden mit den Hardening-Flags des GCC übersetzt. Sie aktivieren einen Schutz gegen Sicherheitsprobleme wie Stack Smashing oder vorhersagbare Speicherorte von Variablen im Speicher. Die Debian-Entwickler haben versucht, möglichst viele Pakete so zu kompilieren, vor allem Programme aus dem Basissystem und Netzwerk-Daemons sowie Pakete, die in den letzten Jahren Sicherheitslücken aufwiesen.

Cloud-Auswahl

Auch zum Aufbau einer eigenen Cloud-Infrastruktur liefert Debian 7.1 Software mit. Dies sind die Xen Cloud Platform (XCP), OpenStack und OpenNebula. Von OpenStack hat es allerdings nicht die neueste Version "Grizzly", sondern nur das Essex-Release in das Debian-Repository geschafft.

Für Programmierer gibt es einige Aktualisierungen der verbreiteten Programmiersprachen, beispielsweise Perl 5.14, PHP 5.4.4, Python 2.7.3 und 3.2.3 sowie Ruby 1.9. Für Java-Entwickler gibt es die Implementierungen OpenJDK 6b27 und 7u3. Die GNU Compiler Collection ist in Version 4.7.2 mit an Bord. Auch der immer mehr an Bedeutung gewinnende Konkurrenz-Compiler LLVM ist im Repository verfügbar, aber nur in Version 3.0 – das Upstream-Paket befindet sich schon bei 3.2.

Der Installer kann nun Debian auf x86-UEFI-Systemen installieren, beherrscht zur Barrierefreiheit Sprachsynthese und kann festplattenlose Systeme per iSCSI und NBD (Network Block Device) installieren. Auch WPA-Verschlüsselung für WLANs hat er mittlerweile gelernt. Vom neuen Btrfs-Dateisystem ist im Installer nichts zu sehen, aber die Btrfs-Tools sind im Software-Repository enthalten.

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