Browser-Plugins zum Schutz der Privatsphäre

bowie15, 123RF

Inkognito

Wer mit dem Webbrowser im Internet unterwegs ist, wird von Anzeigennetzwerken und sozialen Netzwerken verfolgt. Einige Browser-Plugins helfen dabei, sich den Überwachern zu entziehen.
ADMIN 11/13 stellt die besten Lösungen vor und klärt, ob Browser-Plugins, Anonymisierer sowie Verschlüsselung wirklich helfen. Weitere Themen: Small ... (mehr)

Wenn staatliche Stellen wie die NSA den Traffic direkt am Backbone-Router abgreifen, kann man als Endanwender wenig dagegen machen. Allerdings sind Geheimdienste nicht die einzigen, die versuchen, User auszuspähen. Besonders fleißig sind Marketing-Agenturen und Anzeigennetzwerke, die aus den gesammelten Daten bares Geld machen wollen. Auch Facebook, Google und Twitter mischen hier kräftig mit, denn auch ihr Kapital sind Benutzerdaten – soviele wie möglich. So sorgt etwa schon das Einbinden eines Like-Buttons in eine Webseite dafür, dass Tracking-Daten an Facebook übermittelt werden – ein Klick durch den Benutzer ist dafür gar nicht nötig.

Abhilfe schaffen hier einige Browser-Plugins, die es heute meist für Firefox, Safari, Google Chrome und Internet Explorer gibt. Der erste Kandidat ist die Ghostery-Extension [1], deren Hersteller Evidon ironischerweise selbst im Anzeigenumfeld Geld verdient [2]. Allerdings besteht das Geschäftsmodell unter anderem darin, den Kunden Know-how zu verkaufen, um Anzeigen in einer Weise an den potenziellen Kunden zu bringen, die ihn nicht vergrault – etwa indem sie die Regeln des US-amerikanischen AdChoices-Programms respektiert.

Ghostery (Abbildung 1) jedenfalls verfügt über eine der umfangreichsten Datenbanken an Trackern, die Evidon auf einer eigenen Site als Periodensystem präsentiert [3] (Abbildung 2). Installiert ist Ghostery schnell: Bei den gängigen Browsern (Firefox, Internet Explorer, Chrome, Safari und Opera) genügt ein Klick auf den Button auf der Homepage und schon kann es losgehen. Für Apple-Mobilgeräte gibt es eine Version im AppStore. Per Default blockiert Ghostery keinen Tracker, sondern zeigt die gefundenen in einem Popup an. Mit einem Klick auf das Ghostery-Icon öffnet sich ein Fenster, in dem der Anwender jeden Tracker einzeln blockieren kann. Wer will, kann sich das auch sparen und gleich in den Ghostery-Optionen einschalten, dass es sämtliche Tracker blockieren soll. Dort findet sich auch der Menüpunkt »GhostRank« , der regelt, ob Ghostery die gefundenen Daten an Evidon übermitteln darf. Das macht die Extension laut Evidon anonymisiert und trägt zu den Daten bei, mit denen Evidon sein Geld verdient. Per Default ist GhostRank aber abgeschaltet.

Abbildung 1: Ghostery verfügt über eine große Datenbank an Trackern, die es auf Wunsch blockiert.
Abbildung 2: Der Ghostery-Hersteller Evidon betreibt eine Webseite, die die bekannten Tracker als Periodensystem zeigt.

Auch hinter dem Ghostery-Konkurrenten »DoNotTrackMe« [4] steht eine Firma, die ihr Geld aber von vornherein mit Produkten rund um den Schutz der Privatsphäre verdient. Neben dem kostenlosen DoNotTrackMe bietet der Hersteller Abine auch noch »DeleteMe« an, das als kostenpflichtiger Dienst die eigenen Spuren aus dem Internet tilgen soll. DoNotTrackMe (Abbildung 3) lässt sich ebenfalls über einen Button-Klick in Firefox, Internet Explorer, Chrome und Safari installieren. Firefox muss allerdings erst neu gestartet werden, damit die Extension funktioniert. Laut Herstellerangabe blockiert DoNotTrackMe mehr als 600 Tracker, die man über die Optionen einzeln ein- und ausschalten kann, wenn man die Einstellungen öffnet. Darüber hinaus bietet das Plugin keine Einstellmöglichkeiten.

Abbildung 3: Die DoNotTrackMe-Extension stellt eine Statistik über die erkannten Tracker grafisch dar.

WLAN-Schutz

Auch »Disconnect« [5] schreibt sich den Schutz der Privatsphäre auf die Fahnen und realisiert dies mit einer Extension für Chrome, Firefox, Safari und Opera. Nach der Installation blockiert Disconnect ohne weitere Konfiguration die ihm bekannten Tracker und Anzeigennetzwerke, die es in grün anzeigt. Erlauben kann der Anwender sie durch einen Klick, der die erlaubten Elemente dann grau einfärbt. Zusätzlich bietet Disconnect noch einen Schutz namens »Secure Wi-Fi« , der für Websites, die dies unterstützen, das Protokoll auf verschlüsseltes HTTPS umschaltet (Abbildung 4). So soll verhindert werden, dass die privaten Daten von Anwendern in öffentlichen, unverschlüsselten WLANs abgehört und gegebenenfalls missbraucht werden. Secure Wi-Fi funktioniert ähnlich wie das bekannte »HTTPS Everywhere« , soll aber laut Entwickler weniger Probleme verursachen, da es nicht stur auf HTTPS besteht, wenn eine Website damit Schwierigkeiten macht. Außerdem bietet Disconnect bunte Balkengrafiken und eine Visualisierung der Tracking-Netze, die aber eher wenig sinnvoll erscheinen. Der Quellcode von Disconnect ist bei Github zu finden [6].

Abbildung 4: Disconnect bringt zusätzlich eine Funktion mit, um die Sicherheit in offenen WLANs zu verbessern.

Im Vergleich

In einem kurzen Test auf einer großen deutschen Nachrichtenwebseite schnitten die Plugins in etwa gleich ab. Disconnect blockierte pro Seite elf Requests, wobei etwa Facebook, Google und Twitter je zweimal vertreten waren. DoNotTrackMe zählt demgegenüber nur die Tracker und kommt im Ergebnis auf fünf Stück. Darunter befindet sich übrigens auch in beiden Fällen die VG Wort, die ein Zählpixel in Online-Artikel einbaut, um sie am Ende des Jahres den Autoren bei der jährlichen Ausschüttung zu vergüten. Wer Autoren also generell wohlgesonnen ist, sollte das Tracking der VG Wort erlauben. Ghostery fand auf der Testseite acht Tracker und hat im Wesentlichen dieselben Datenspäher gefunden wie Disconnect. DoNotTrackMe erkannte mindestens einen Tracker nicht. Im Prinzip spricht auch nichts dagegen, die Tracker gemeinsam einzusetzen oder auch mit Adblock Plus zu kombinieren, das Anzeigen aus einer Website herausfiltert.

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