Systeme: MySQL-Alternative MariaDB

Der König ist tot, lang lebe der König

MariaDB schickt sich an, MySQL als De-Facto-Standard abzulösen. Dieser Artikel zeigt die Ursprünge des MariaDB-Projekts und welche Vorteile ein Umstieg vonMySQL mit sich bringt.
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MySQL behauptet mit einigem Recht, dass es der De-Facto-Standard ist, wenn es um Datenbanken in der Open-Source-Szene geht. Das liegt vor allem daran, dass MySQL zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Offiziell begann die Entwicklung von MySQL nämlich schon 1994, und mit der zunehmenden Verbreitung von Online-Diensten um die Jahrtausendwende herum wurde es immer wichtiger, eine zuverlässige Datenbank im Hintergrund zu haben.

Seinen großen Durchbruch feierte MySQL, als es quasi offizieller Bestandteil des "LAMP"-Stacks wurde. LAMP ist die Abkürzung für "Linux, Apache, MySQL und PHP" und bezeichnet die vier Werkzeuge, die für den Betrieb der allermeisten Online-Projekte notwendig sind. Mit den vier Programmen lassen sich von simplen Galerien über Online-Foren bis hin zu Content-Management-Systemen praktisch alle denkbaren Online-Projekte betreiben. Mancher Entwickler sprach zwar hinter vorgehaltener Hand durchaus abschätzig über MySQL – viele, die den Umgang mit Oracle und PostgreSQL gewohnt waren, hielten MySQL für nicht mehr als ein besseres Spielzeug. Trotzdem entwickelte sich die Datenbank aber zum festen Bestandteil der Open Source-Community und damit auch zu einem Projekt, für das sich jeder in dieser eingeschworenen Gemeinschaft ein Stück weit verantwortlich fühlte.

Von MySQL zu MariaDB

Große Ohren machten die FLOSS-Vertreter deshalb im Januar 2008. Denn damals gab einer der Hauptautoren von MySQL, Michael "Monty" Widenius, bekannt, dass sich die in Uppsala beheimatete MySQL AB von Sun Microsystems für rund eine Milliarde Dollar kaufen lassen wolle. Beim Unternehmen blieb dadurch kein Stein auf dem anderen: MySQL war eine Firma mit wenigen hundert Mitarbeitern gewesen, die im Grunde rein virtuell funktionierte. Sun hingegen war ein global operierendes Unternehmen mit eigenen Niederlassungen in dutzenden Ländern. Mit einem Schlag verlor MySQL nicht nur seine Eigenständigkeit – für viele Mitarbeiter des Unternehmens ging auch der "Coolness-Faktor" verloren, den die Arbeit für eine Firma wie MySQL mit sich bringt.

Technisch verlief der Übergang von MySQL zu Sun hingegen reibungslos. Unter der Ägide von Sun wuchs MySQL weiter, vielleicht auch deshalb, weil MySQL sich in die Entwicklung der Datenbank nicht so radikal einmischte, wie mancher es zuvor prognostiziert hatte. Doch das Projekt kam nicht zur Ruhe: Ein gutes Jahr später kündigte Oracle an, seinerseits Sun zu übernehmen. Das ist durchaus ein Treppenwitz der Geschichte: Das Unternehmen, das mit Abstand den meisten Umsatz mit seiner eigenen Datenbank machte, kaufte die Rechte an der größten Datenbank der Open Source-Szene. Nicht wenigen Entwicklern stieß das sauer auf, und Monty Widenius wagte öffentlich den Aufstand. Mittels einer Unterschriftensammlung versuchte er, Oracles Kauf von MySQL zu unterbinden und führte auch kartellrechtliche Probleme ins Feld.

Oracle konnte die amerikanischen Behörden und die europäische Union aber davon überzeugen, dass es MySQL als eigenständiges Produkt bis mindestens 2015 unter den bekannten Lizenzen anbieten werde. Als Widenius merkte, dass es unmöglich war, den Sun-Oracle-Deal zu stoppen, startete er kurzerhand einen Fork der einst von ihm selbst geschriebenen Datenbank. Einer Tradition blieb er dabei treu – er benannte den Fork von MySQL nach seiner Tochter Maria, nachdem er MySQL nach seiner Tochter My benannt hatte. MariaDB war geboren – und fristete eine ganze Weile ein Nischendasein.

Bild 1: Alles beim Alten: Der MySQL-Monitor heißt nun MariaDB-Monitor, erlaubt aber die gewohnte Interaktion mit der Datenbank.

Seit 2013 ist damit allerdings Schluss, denn spätestens als Wikipedia auf die neue Datenbank migrierte, stand fest: MariaDB war gekommen, um zu bleiben. Red Hat sprang auf den Zug auf und verkündete, dass die RHEL-Version 7.0 ebenfalls MariaDB als Standard-Datenbank nutzen werde. Auch für Ubuntu 14.04 und viele andere Distributionen stehen mittlerweile Pakete für MariaDB zur Verfügung. Weshalb wurde die Datenbank für die Distributoren plötzlich so attraktiv, was gab den Ausschlag? Und wo liegen die Unterschiede zu MySQL, die einen Umstieg möglicherweise rechtfertigen?

Drop-in-Replacement bringt den Durchbruch

Die gute Nachricht voran: Unterschiede zwischen MySQL und MariaDB betreffen derzeit fast ausschließlich den technischen Unterbau der Datenbank sowie ihre interne Funktionalität – und die Lizenz der Software. Monty Widenius hat angekündigt, dass MariaDB zu jedem Zeitpunkt vollständig kompatibel mit der Major-Version von MySQL sein soll, der es entsprungen ist (Bild 1). So soll sichergestellt sein, dass sich das eine immer auch als direkter Ersatz für das andere nutzen lässt ("Drop-In-Replacement"). Auch und vor allem diese Vorgehensweise hat dafür gesorgt, dass MariaDB bei jenen großen MySQL-Nutzern einen Fuß in die Türe bekam, denn für das Wikipedia-Projekt war der Migrationsaufwand hin zu MariaDB damit überschaubar. Was freilich nicht bedeutet, dass eine solche große Umstellung ein leichtes Unterfangen wäre, doch sie wäre noch viel mehr Arbeit geworden, hätten die Wikipedia-Entwickler nicht nur an der Datenbank schrauben müssen, sondern auch an der eigenen Anwendung.

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