Workshop: Linux Disaster Recovery mit Relax-and-Recover

Entspannt wiederherstellen

Dank freier Software- und Automatisierungstools ist es inzwischen einfach, einen Rechnerpark zentral zu verwalten. Im Fall der Fälle minimieren Backup-Lösungen mögliche Datenverluste. Doch gibt es nur wenige komfortable Lösungen, um Linux-Distributionen nach einem Crash schnell und einfach wiederherzustellen. Eine von ihnen ist Relax-and-Recover.
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Typische IT-Infrastrukturen zeichnen sich meist durch hohe Komplexität aus. Auf einem Linux-Server wird ein Webserver mit einem Content-Managementsystem betrieben, ein anderer Server fungiert als E-Commerce-Plattforum für den globalen Vertrieb der eigenen Produkte. Ein weiterer stellt FTP- und Workgroup-Funktionen bereit und ein eher älterer, etwas schwachbrüstiger Server dient als interner Drucker- und NAS-Server, während ein VPN-Server für die sichere Kommunikation mit Außendienstmitarbeitern sorgt und ein weiterer die Backups übernimmt. So oder so ähnlich sehen viele Netzwerke aus. Hinzu kommen meist noch mehr oder minder viele OS X- und Windows-Systeme.

Die letztgenannten Plattformen liegen außerhalb des Fokus von Relax-and-Recover (ReaR) [1], aber das Disaster Recovery-Werkzeug kann nahezu alle relevanten Linux-Systeme sichern und bei Bedarf innerhalb kürzester Zeit wiederherstellen. Dabei sind zwei Szenarien denkbar:

- Home-Anwender: Die Daten einer beschädigten Festplatte lassen sich mit Hilfe eines USB-Sticks von dem beschädigten System wiederherstellen.

 - Unternehmens-Anwender: Sie sammeln kleine ISO-Dateien auf einem zentralen Server, integrieren dabei eine Backup- oder Monitoring-Lösung und können beschädigte Systeme wiederherstellen.

Relax-and-Recover unterstützt dabei beispielsweise Debian, openSUSE, Ubuntu und andere Linux-Distributionen. Das Disaster-Tool kann außerdem Backup-Lösungen wie Bacula und EMC Networker integrieren.

Was Sie über ReaR wissen sollten

Bevor Sie sich an die Installation und Konfiguration von ReaR machen, sollten Sie die wichtigen Konzepte kennen, denen der Recovery-Spezialist folgt. Das Programm wird mit dem Kommando

"rear" auf der Konsolenebene ausgeführt. Im ersten Schritt sammelt Rear die relevanten Systeminformationen. Dann liest die Umgebung der Reihe nach folgende Konfigurationsdateien ein: »default.conf, site.conf« und »local.conf« . Dann erzeugt ReaR im Verzeichnis »/tmp/rear.$$« ein Arbeitsverzeichnis und startet das Logging in der Protokolldatei »/var/log/rear/rear-host­name.log« . Im dritten Schritt wird das Workflow-Skript »/usr/share/rear/lib/command-workflow-sh« mit den dort spezifizierten Befehlen ausgeführt. Anschließend erfolgt die Bereinigung des Arbeitsbereichs.

ReaR erzeugt als Nächstes das Notfallmedium. Auch dieser Vorgang durchläuft wieder verschiedene Schritte. Zunächst wird das Zielmedium vorbereitet und dabei das Grundgerüst des Dateisystemlayouts angelegt. Dieses Layout wird in »/var/ lib/rear/layout« gespeichert. Dann analysiert ReaR das zu sichernde System und dessen Konfiguration. Es folgt der eigentliche "Rescue"-Schritt: Das Rettungs-Image wird erzeugt, wobei ReaR alle relevanten Daten und Konfigurationen in eine ISO-Datei schreibt.

Optional kann auch eine Backup-Umgebung ausgeführt werden, um vor dem Erzeugen der ISO-Datei eine weitere Sicherung anzulegen. In der Konfiguration müssen zwei Methoden definiert sein: "BACKUP" und "OUTPUT". Mit der Backup-Methode bestimmen Sie beispielsweise, ob die Daten in eine ISO-Datei oder ein Netzwerklaufwerk geschrieben werden. Mit der Output-Methode bestimmen Sie das Schreiben auf CD oder DVD oder das Erzeugen eines bootfähigen USB-Laufwerks.

Das Analyseergebnis schreibt ReaR in die Konfigurationsdatei »/etc/rear/recovery/« . Dieses Verzeichnis wird zusammen mit den anderen ReaR-Verzeichnissen auf das Rescue-System kopiert. Den Recovery-Workflow startet das Werkzeug durch das Laden des Root-Dateisystems in die RAM-Disk oder durch "tmpfs". Alternativ ist auch ein manuelles Aufrufen möglich.

 Die Wiederherstellungsfunktion führt vor dem eigentlichen Recovery-Vorgang einen Integritäts- und Hardware-Check durch, um sicherzustellen, dass eine zuverlässige Wiederherstellung wahrscheinlich ist. Sollten diese Tests negativ verlaufen, wird der Vorgang abgebrochen. Im Folgeschritt wird das Dateisystemlayout erzeugt und unter »/mnt/local« gemountet. Anschließend erzeugt Relax-and-Recover das Layout und stellt dann die Verzeichnisse und Daten wieder her.

Zum Abschluss wird der Bootloader installiert und das System finalisiert. Die Protokolldatei zum Recovery-Vorgang wird unter »/var/log/rear/« abgelegt. Damit ist das Ausgangssystem auf dem gewünschten Ziel wiederhergestellt.

Relax-and-Recover in Betrieb nehmen

Die Inbetriebnahme von Relax-and-Recover ist einfach. Sie werden nicht schlecht staunen, wie winzig das Download-Paket ist. Die aktuelle ReaR-Version ist nicht einmal 400 KByte groß. ReaR ist über die Projekt-Site als RPM-, Deb- und Source-Paket verfügbar. Bei der Installation kann es zu der Fehlermeldung kommen, dass womöglich die Pakete "asciidoc" und "xmlto" fehlen. Diese werden für das Bauen der ReaR-Manpage benötigt. Sie sollten vor der Installation von ReaR dafür sorgen, dass diese Pakete installiert sind.

ReaR ist eine Bash-basierte Umgebung und verlangt daher zunächst eine Shell. Außerdem benötigen Sie diese Komponenten:

- mkisofs (oder genisoimage)

- mingetty

- syslinux (für i386-basierte Systeme)

- nfs-utils (wenn Sie NFS für das Speichern von Archiven verwenden)

- cifs-utils (wenn Sie die Daten per SMB sichern)

Die Installation stellt routinierte Administratoren vor keine größere Herausforderung. Um das RPM-Archiv auf einem Red-Hat- oder SuSE-System zu installieren, führen Sie folgenden Befehl aus:

rpm -ivh rear-1.17-1.git2015.noarch.rpm

Ein Deb-Paket installieren Sie über »dpkg -i rear*.deb« . Auf Debian- und Ubuntu-Systemen verwenden Sie folgenden Befehl, um die fehlenden Abhängigkeiten zu installieren: »apt-get -f install« . Sollten Sie ReaR von einem System wieder entfernen wollen, so ist auch das einfach: »rpm -e rear« . Bei Debian-basierten Systemen erledigen Sie dies über »apt-get remove -y rear« .

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