Editorial

Virtual vs. Reality

Trotz des Siegeszugs der Cloud ist die Infrastruktur eines Unternehmensnetzwerks noch immer physisch. Und auch das Rechenzentrum mit viel Blech und Kabeln ... (mehr)

Liebe Leser,

die virtuelle Realität steht hoch im Kurs, auch wenn manchen Nutzern in den Anfängen der Technik schon nach kurzer Zeit schwindelig wurde. Stolze 180 Prozent jährliches Wachstum verzeichnete die Branche zuletzt. Und die Schwindelanfälle sind inzwischen auch passé. Aber nicht nur bei Computerspielen, auch im Rechenzentrum ist Virtualisierung angesagt – wenn auch in anderer Form. Glauben wir den Anbietern der zugehörigen Technologien und Plattformen, sollte das gesamte Datacenter am besten nur noch virtuell existieren. Wenn auch ohne coole VR-Brille. Doch ticken gerade in deutschen Firmen die Uhren etwas anders, als sich die überwiegend US-amerikanischen Hersteller das wünschen.

Längst nicht allen IT-Verantwortlichen hat sich bislang der Sinn eines Software-defined Datacenters erschlossen. Ab Seite 88 werfen wir einen pragmatischen Blick auf den Stand der Dinge bei virtualisierten Rechenzentren. Denn die versprochenen Vorteile wie Agilität und Flexibilität hören sich natürlich prima an, müssen sich Firmen doch immer schneller auf neue Gegebenheiten einstellen. Da steht eine sperrige, unflexible IT-Infrastruktur eher im Weg. Doch selbst, wenn der Wille da ist, mangelt es oft an den technischen Voraussetzungen für ganzheitlich in Software gegossene Rechenzentren, in denen physische Komponenten wie das Netzwerk von anderen wie dem Storage und der Steuerung entkoppelt arbeiten. Nicht zuletzt haben wir ja schon in unserer Juli-Ausgabe aufgezeigt, welche neuen Skills die IT hierbei benötigt. Und auch der kulturelle Wandel, weg von Silo-IT hin zu interdisziplinärem Handeln, schreibt sich viel leichter auf ein Blatt Papier, als ihn praktisch umzusetzen. An welchen Stellen es hapert und wie der Stand der Dinge in den Unternehmen aussieht, zeigt unser Beitrag.

Die Mitarbeiter in Unternehmen zeigen sich bei der Adaption neuer Technologien deutlich freudiger – besonders in Bezug auf die inoffizielle Nutzung der Public Cloud. Denn was die IT-Abteilung nicht binnen Stunden, allenfalls Tagen an Diensten bereitstellen kann, wird eben selbst online gebucht – das Projekt eilt schließlich. Kein Wunder, dass Admins da schnell der Kopf schwirrt. Microsoft möchte dem nicht länger tatenlos zusehen und lässt IT-Verantwortliche deshalb mittels Self-Service-Funktionalitäten Apps intern bereitstellen. Wie das funktioniert, erfahren Sie ab Seite 48. Außerdem lesen Sie in unserem Artikel ab Seite 43, wie Sie unter Ubuntu 16.04 LTS fix einen ownCloud-Server einrichten – um vielleicht doch noch rechtzeitig auf drängelnde Nutzerbitten reagieren zu können. Einen schwindelfreien und ganz realen Sommer wünscht

Daniel Richey

Stellvertretener Chefredakteur

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