GNU-Manifest wird 30

18.03.2015

Vor 30 Jahren hat Richard Stallman das Manifest des GNU-Projekts veröffentlicht. 

Das GNU-Projekt selbst war bereits zwei Jahre alt, als Dr. Dobb's Journal im März 1985 das GNU-Manifest von Richard Stallman abdruckte. Darin legt der GNU-Vater seine Pläne für ein Unix-artiges Betriebssystem, das dazu gehörige Software-Ökosystem und die dahinter stehende Philosophie dar. Etwa zwei Jahre zuvor hatte Stallman das Projekt in der Usenet-Group net.unix-wizards bekanntgegeben, um ein Jahr später seinen Job beim MIT an den Nagel zu hängen und sich künftig seinem Lebenswerk zu widmen. 

GNU, das als sogenanntes rekursives Akronym für "GNU's not Unix" steht, sollte nach den Plänen des Manifests ein Betriebsystem werden, dessen Anwender für alle Zeiten die Freiheit genießen können, die Stallman selbst aus den Anfangszeiten von Unix kannte: In einer akademischen und kollegialen Atmosphäre wurde Software nach Belieben getauscht; dass der Quellcode der Programme damit einher ging, war selbstverständlich. Ein erster Angriff auf diese Welt ging von AT&T aus, die sich den gemeinschaftlich entwickelten Unix-Code aneigneten und an Kunden nur noch Binärecode unter einer restriktiven Lizenz auslieferten. Richard Stallman sah sich veranlasst zu handeln. 

Bei der Abfassung des Manifests hatte Stallman bereits den leistungsfähigen Texteditor Emacs geschrieben, der heute noch neben Vi einer der Standardeditoren der Linux- und Unix-Welt ist. Daneben gab es Programme zum Schreiben eines Compilers und eine Reihe kleinere Unix-Tools. Der vollständige Compiler GCC folgte 1987. Zum beabsichtigten Betriebsystem ist es bis heute nicht gekommen, und das dafür gedachte Microkernel-System Hurd ist bis heute eine Baustelle. Durch einen glücklichen Zufall begann später Linus Torvalds mit der Arbeit an einem Betriebssystemkern, den er unter der GNU-Lizenz veröffentlichte und der unter dem Namen Linux die bekannte Weltkarriere startete. 

Vom Manifest geblieben ist der Name GNU für das Projekt, unter dem sich Richard Stallman und die 1985 gegründete Free Software Foundation für freie Software einsetzen. Seit Ende der 90er-Jahre es unter dem Schlagwort "Open Source" üblich geworden ist, den Quellcode von Programmen zu veröffentlichen, wehrt sich Stallman gegen das Missverständnis, solche Software würde die von ihm angestrebten Ziele verwirklichen. Im Gegensatz zu "Open Source" ist die GNU-Lizenz (GNU Public License) nämlich so konzipiert, dass sie die von ihr eingeräumte Freiheit verbindlich festschreibt. Wer ein Programm mit GPL-Lizenz verändert, muss seine Änderungen wieder öffentlich machen (Copyleft). 

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