Illumos: vorsichtiger Ableger von Opensolaris, aber kein Fork

03.08.2010

In einem Webcast skizziert der Projektleiter Garrett D'Amore die Pläne für den Opensolaris-Spinoff.

 

In einem Webcast hat der Nexenta-Mitarbeiter Garrett D'Amore die Pläne für ein neues Projekt unter dem Namen Illumos vorgestellt, das Opensolaris in eine sichere Zukunft führen will, die seit der Übernahme Suns durch Oracle ungewiss scheint. In seiner Präsentation vermied D'Amore den Begriff "Fork" und sprach stattdessen von einem "Child" des Opensolaris-Projekts, das sich auch in Zukunft an der Entwicklung und dem Code des Elternprojekts orientieren will.

Da nicht alle Teile von Opensolaris unter einer freien Lizenz stehen, beschränkt sich Illumos auf den bislang freien Kern des Systems mit dem Namen ON (OS/Net). Im Lauf der Zeit sollen dann weitere Teile hinzukommen, die über die Kernfunktionalität hinausgehen. So konnte D'Amore schon eine fast vollständige freie Version der Solaris-C-Library libc demonstrieren (Mercurial-Source-Repository). Bis zum Ende des Jahres soll die Arbeit daran abgeschlossen sein.

Eine hundertprozentige Binärkompatibilität zu Solaris ist das ausgesprochene Ziel von Illumos. Neben dem Projektleiter D'Amore sollen bisher etwa zwölf Kernentwickler an dem Projekt teilnehmen und ein Komittee bilden, das das Projekt steuert. Hauptsponsor ist derzeit Nexenta, das auf Opensolaris und ZFS basierende Storage-Produkte vertreibt.

Im Rahmen des Webcasts verglich der ehemalige Sun-Open-Source-Officer Simon Phipps (jetzt Open Source Initiative) die Illumos-Entwicklung mit dem Open-Source-Prozess des Java-JDK. Es könne für Opensolaris nun die gleiche Rolle spielen wie seinerzeit das IcedTea-Projekt. Weitere wohlmeinende Äußerungen steuerte Bryan Cantrill bei, der eben durch seinen Weggang von Oracle Schlagzeilen machte, aber im Rahmen des Webcasts noch als Oracle-Angestellter vorgestellt wurde.

Das mag die Start- und Orientierungsschwierigkeiten des Illumos-Projekts illustrieren, das bewusst einer Konfrontation mit Oracle aus dem Weg geht und immer wieder betont, es handle sich um keinen Fork. Im Gegenteil spricht es an Oracle eine dezidierte Einladung zur Mitarbeit aus, das selbst soviel Nutzen wie möglich aus Illumos ziehen darf und soll. Offiziell hat Oracle nach Angaben von D'Amore keine Stellung bezogen, obwohl sie über das Vorhaben unterrichtet wurden.

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