Server einfach administrieren mit eBox
Wer einen Server aufsetzen möchte, findet in eBox eine eierlegende Wollmilchsau. Egal ob Firewall, Web-, Mail-, Datei-, Drucker- oder DHCP-Server, schon wenige Mausklicks genügen, um die entsprechenden Dienste scharf zu schalten.
In der Spedition Kleinemann rauchen die Köpfe. Bereits seit Stunden kniet Knut Kleinemann mit einem Kollegen über der Dokumentation zu Samba. Eigentlich wollte der Chef nur einen zentralen Platz für den Dateiaustausch. Jetzt verfluchte er seinen eigenen Vorschlag, den schon laufenden Linux-Server mit dieser Aufgabe zu betrauen. Warum war er aber auch zu geizig, einen richtigen Administrator einzustellen, der sich mit sowas auskennt. Jetzt hat er den Salat und sitzt verzweifelt über den kryptischen Konfigurationsdateien. Wie schön wäre es, wenn man den Dienst mit nur einem Mausklick auf einer komfortablen Benutzeroberfläche freischalten und dann frühzeitig in den Feierabend verschwinden könnte. Diesen Traum aller Systemadministratoren möchte eBox erfüllen -- so zumindest das Versprechen des Herstellers.
Alles so schön bunt hier
Ähnlich wie bei Webmin handelt es sich bei eBox schlicht um eine hübsche grafische Benutzeroberfläche, über die sich die Dienste eines Servers, wie beispielsweise eine Datei- oder Druckerfreigabe, komfortabel und mit wenigen Mausklicks aktivieren und einrichten lassen. Unter der Haube werkelt dabei ein ganz normales Linux-System, unterstützt von den üblichen Verdächtigen Apache, Samba und Co.
Anstatt jedoch dem Administrator jede einzelne Einstellschraube dieser Programme vor die Nase zu setzen, beschränkt sich die eBox-Oberfläche auf die unbedingt nötigen Informationen des entsprechenden Dienstes. Statt also sämtliche Optionen von Samba zu präsentieren, fragt eBox lediglich die wichtigsten Eckdaten ab, die für die Einrichtung eines Dateiservers notwendig sind. Alles andere erledigt eBox selbständig im Hintergrund, wo es beispielsweise die Konfigurationsdateien anpasst und die notwendigen Daemons startet (Abbildung 1). Der Administrator muss sich so weder mit der Terminologie, noch mit den zahlreichen und mitunter kryptischen Einstellungen eines konkreten Programms auseinander setzen. Im Idealfall steht ein kompletter Firmenserver nach einem halben Dutzend Mausklicks. Welche Dienste und Programme eBox im Einzelnen unterstützt, zeigt der Kasten ,,Zu Diensten``.
| Zu Diensten |
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eBox unterstützt von Haus aus folgende Dienste und Anwendungen:
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Abbildung 1: eBox bietet eine Web-Oberlfäche, über die man bekannte Dienste eines Ubuntu-Systems komfortabel einrichten und aktivieren kann.
Schnellschuss
Die Macher von eBox gehen noch ein paar Komfortschritte weiter: Zum einen bieten sie auf ihrer Homepage eine Rundum-sorglos-CD an [1]. Sie enthält ein komplettes Ubuntu 8.04 in der Server-Ausgabe, dem alle eBox-Pakete und die notwendigen Abhängigkeiten eingeimpft wurden. Man muss die CD nur noch in den Server einlegen, dem Installationsprogramm folgen, über die eBox-Oberfläche die gewünschten Dienste freischalten und schließlich die Kiste ihren Aufgaben überlassen. Damit wird eBox zur Fünf-Minuten-Terrine unter den Serverprodukten.
Seine Benutzeroberfläche stellt eBox in einem Web-Browser dar. Das hat zwar den Nachteil, dass auf dem von eBox kontrollierten Server immer der Webserver Apache läuft, besitzt umgekehrt aber den Vorteil, den Server von einem beliebigen Ort aus konfigurieren zu können.
Ein weiterer Pluspunkt der eBox liegt in ihrem modularen Aufbau: Unter der Haube kümmert sich um jeden Dienst eine eigenständige Komponente. Auf diese Weise lassen sich schnell neue Funktionen nachrüsten oder unbenutzte einfach löschen -- und so gleich die Benutzeroberfläche etwas entschlacken.
| Hersteller |
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Die eBox-Entwicklung begann bereits 2004 als Kooperation zwischen den beiden spanischen Firmen Warp Networks und DBS Servicios Informaticos. Die erste öffentliche Version 0.7 erschien im Dezember 2005 unter der GPL-Lizenz. Zum gleichen Zeitpunkt verließ DBS Servicios Informaticos das Projekt. Warp Networks ließ sich davon nicht weiter irritieren und werkelte fleißig alleine an der eBox weiter, ab 2006 sogar kurzzeitig mit finanzieller Unterstützung der spanischen Regierung. Im Februar 2008 wurde die Entwicklung schließlich in ein eigens für diese Zwecke gegründetes Spin-Off Unternehmen ausgelagert. Die so entstandene eBox Technologies S.L. verdient ihre Brötchen hauptsächlich mit kostenpflichtigem eBox-Support und entsprechenden Schulungen. |
Schleudergang
Der schnellste Weg zu einem eBox regierten Server führt über den Installer [2]. Anders als sein Name vermuten lässt, versteckt sich dahinter die Ubuntu-CD mit eBox-Paketen. Da der verwendete Ubuntu-Server keinen grafischen Desktop enthält, ist auch die Gesamtinstallation äußerst klein. Dies wird insbesondere kleine Unternehmen freuen, die einfach einen ausgemusterten PC als Server abstellen können.
Das heruntergeladene Image muss man lediglich auf eine CD brennen, von dieser den Server booten und den Bildschirmanweisungen folgen. Nach dem Start der CD grüßt zuerst der Ubuntu-Installer, der im Textmodus abläuft. Wer im Hauptmenü »Install Ubuntu Server« anwählt und dem Assistenten folgt, sollte im Hinterkopf behalten, dass dieser selbständig eine IP-Adresse von einem DHCP-Server einfordert und im Erfolgsfall die Netzwerkinstallation kommentarlos als beendet ansieht. Zwar kommt eBox mit einer dynamisch zugeteilten IP-Adresse zurecht, es empfiehlt sich jedoch, einem Server eine feste Adresse zuzuweisen. Das gilt erst recht, wenn die eBox später selbst als DHCP-Server auftreten soll. Einen bereits vorhandenen DHCP-Server muss man folglich entweder so einstellen, dass er dem Server immer die gleiche IP-Adresse vergibt oder ihn aber komplett deaktivieren. Nur im letzten Fall fragt Ubuntu explizit nach der zu nutzenden IP-Adresse. Die Konfiguration der Netzwerkkarten lässt sich übrigens später noch über die eBox-Oberfläche ändern.
Im nächsten Schritt erfragt der Installer die Daten für einen neuen Benutzer-Account. Dieses Konto verschafft lediglich Zutritt zum unterliegenden Ubuntu-System, nicht jedoch zur eBox-Oberfläche. Den erhält man erst in einem späteren Schritt. Nach der Uhreneinstellung liegt auf der Festplatte ein kompletter Ubuntu-8.04-Server. Erst jetzt kommt eBox ins Spiel.
Eigenmächtig
Dessen Komponenten installieren sich selbständig nach einem Neustart des Servers. Damit das reibungslos klappt, muss die am Ende der Installation ausgeworfene CD schnellstmöglich wieder im Laufwerk verschwinden. War man fix genug, übernimmt das eBox-Installationsskript und schaufelt alle seine Pakete von der CD auf die Festplatte. Zwischendurch fragt das System irgendwann nach dem »eBox administrator password«. Mit ihm erhält man später Zugang zur grafischen eBox-Oberfläche. Diese spricht mit dem Browser ausschließlich über eine verschlüsselte Verbindung. Welcher HTTPS-Port dabei zu nutzen ist, bestimmt man im direkt folgenden Schirm. Jetzt darf man wieder ein paar Tassen Kaffee trinken gehen, bis sich der Anmeldebildschirm zeigt. Hier gibt es nun nichts weiter zu tun, man könnte sogar Monitor und Tastatur abziehen. Alles weitere passiert vom Browser eines Client-PCs aus.
| Alternative Installationsmethoden |
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Wer bereits über eine Ubuntu-Installation verfügt, kann das Installer-Image links liegen lassen: Schon die offiziellen Standard-Repositories halten eine eBox-Version bereit, die bei Redaktionsschluss jedoch zum einen veraltet war und zum anderen (noch) nicht alle verfügbaren Module umfasste. Wer auf dem neuen Stand sein möchte, bindet deshalb das externe Repository deb http://ppa.launchpad.net/juruen/ubuntu hardy main ein. Anschließend aktualisiert man noch die Paketdatenbank: sudo apt-get update und spielt alle zu eBox gehörenden Pakete ein: sudo apt-get install "^ebox-*" Die Pakete aus dem oben genannten Repository sind übrigens nicht signiert, was »apt-get« entsprechend anmahnt. Sobald alle Komponenten auf dem System angekommen und die dabei auftretenden Fragen ordnungsgemäß beantwortet sind, startet man einen Browser und verbindet sich wie beim Installer mit der eBox-Oberfläche. Ubuntu ist übrigens die einzige, von den eBox-Machern offiziell unterstützte Distribution. Aufgrund der starken Abhängigkeiten zum Canonical-Produkt ist sogar davon abzuraten, das eBox-System eigenmächtig aus den Quellen [3] zusammenzubasteln. Auch von den Debian-Paketen, die im Internet zu finden sind, sollte man die Finger lassen: Deren Pflege wurde im Frühjahr mit dem Wechsel auf Ubuntu als Installer-Unterbau abrupt eingestellt. Darüber hinaus funktionieren diese Pakete ausschließlich auf dem alten und mittlerweile eingestellten Debian 3.1 (,,Sarge``). Wer einen PC unter die Kontrolle von eBox stellen möchte, sollte sich daher gut überlegen, ob er diesen nicht gleich komplett frei räumt und den Installer startet. Dies hat auch den Vorteil, dass eBox das System vollständig kontrolliert und man nicht selbst versehentlich ein (sicherheitskritisches) Programm einschmuggelt. Auf den Download-Seiten wartet schließlich noch eine Live-CD auf ihren Einsatz [2]. Diese enthielt jedoch bei Redaktionsschluss noch eine veraltete eBox, dessen Bedienung sich in Details von der aktuellen Fassung unterscheidet. Direkt nach dem Start der LiveCD öffnet sich ein Browserfenster, aus dem es kein Entkommen gibt. Als Passwort tippt man »ebox« ein. |

Abbildung 2: Die eBox-Oberfläche stellt sich selbst ein Zertifikat aus, dessen Vertrauen Firefox zunächst anzweifelt.
Heilige Hallen
Um auf die eBox-Oberfläche und somit zur Konfiguration des Servers zu gelangen, steuert man jetzt mit dem Browser eines Client-PCs die Adresse »https://<IP-AdressedesServers>/ebox« an (achten Sie auf das httpS). Der Browser moniert jetzt, dass eBox ein selbst erstelltes Zertifikat ausgibt (Abbildung 2). Dieses akzeptiert man, beziehungsweise fügt es einfach der Liste mit Ausnahmen hinzu. Am Anmeldebildschirm der eBox-Oberfläche angekommen, loggt man sich mit dem, bei der Installation vergebenen eBox-Passwort ein (Abbildung 4). Das Ergebnis ist der extrem aufgeräumt wirkende Schirm aus Abbildung 3.

Abbildung 3: Die Einstiegsseite der Web-Oberfläche zeigt an, welche Dienste laufen und welche nicht. Bei Problemen lässt sich ein Dienst über die gleichnamige Schaltfläche neu starten.
Am linken Rand findet sich das Hauptmenü, das für jeden, von eBox kontrollierten Dienst einen eigenen Eintrag bereit hält. Im Hauptbereich der Einstiegsseite präsentiert eBox einen Statusbericht, darunter eine Aufstellung aller derzeit laufenden Dienste, sowie Informationen zur Zeit, eBox Version, Systemlast und den Netzwerkkarten. Am unteren Rand verstecken sich schließlich noch Statusinformationen aller Dienste.
Basislager
Bevor man weitere Dienste aktiviert und einrichtet, sollte man kurz die Grundeinstellungen hinter dem Menüpunkt »System« kontrollieren. Unter »Allgemein« stehen das Passwort für den Zugang zur Oberfläche, dessen Sprache und den dabei zu verwendenden Port. »Daten sichern« erstellt ein Backup der kompletten eBox-Konfiguration. »Ausschalten / Neustart« fährt den kompletten Server -- und nicht nur die eBox-Oberfläche -- herunter, beziehungsweise startet ihn neu.
Die Netzwerkkarten konfiguriert man komfortabel über den gleichnamigen Menüpunkt, ein umständliches Fummeln mit Vi in den Eingeweiden des Servers gehört damit der Vergangenheit an. Virtuelle Netzwerkschnittstellen legen die Optionen im unteren Teil an.
Sofern eine dauerhafte Verbindung des Servers zum Internet besteht, sollte man noch in der »Softwareverwaltung« die »Automatische Softwareaktualisierung« einschalten. Damit hält eBox sich selbst und das darunter liegende Ubuntu-System immer aktuell. Die eBox-Macher kümmern sich übrigens nur um ihre eigenen Pakete, der Rest des Systems erhält seine Updates aus den offiziellen Ubuntu-Repositories.
Bei Problemen hilft ein Blick in die Logs. Dort sammelt eBox sämtliche Meldungen der einzelnen Dienste. Zusätzlich darf man Ereignisse definieren, bei deren Eintritt eBox den Administrator informiert. Er erhält beispielsweise dann eine E-Mail, wenn ein Dienst die Segel streicht oder der Festplattenplatz knapp wird. Der Transportweg ist dabei nicht nur auf elektronische Post beschränkt, alternativ steht beispielsweise auch ein RSS-Feed bereit. Einige bereits vordefinierte, aber standardmäßig deaktivierte Ereignisse findet man unter dem Menüpunkt »Events« (Abbildung 4).

Abbildung 4: eBox liefert bereits einige vordefinierte Events für die wichtigsten (Problem-)Situationen mit.
Servierwagen
Um einen Dateiserver für Windows-Clients einzurichten, ruft der Admin auf der linken Seite den Punkt »Dateifreigabe« auf (Abbildung 5). Dann bekommt er ein halbes Dutzend Einstellungen präsentiert: Arbeitsmodus einstellen, Namen und Beschreibung vergeben, noch schnell das Speicherlimit (Quota) festlegen und auf »Ändern« klicken -- fertig. Damit hat sich eBox die Änderungen allerdings nur gemerkt. Ihre Anwendung muss man explizit über die rot gefärbte Schaltfläche »Änderungen speichern« am rechten oberen Bildrand einfordern. eBox warnt jetzt noch einmal und bittet um eine letzte Bestätigung.

Abbildung 5: Mehr Einstellungen sind für die Einrichtung eines Dateiservers nicht notwendig.
Damit der Zugriff auf den Dateiserver klappt, fehlt noch ein berechtigter Benutzer. Also geht es weiter über »Benutzer | Benutzer hinzufügen«. Alle dortigen Punkte sollten selbsterklärend sein (Abbildung 6). Im Gegensatz zu den Einstellungen bei der Dateifreigabe erzeugt eBox hier bei einem Klick auf »erstellen« direkt einen Benutzer (also ohne die Bestätigung über die Schaltfläche am rechten oberen Rand). Im letzten Schritt weist man dem neuen Benutzer noch seine Rechte zu. Das geschieht hinter »Benutzer | Benutzer bearbeiten«. Dort trifft man zunächst auf eine Liste mit allen existierenden Benutzern. Ein Klick auf das Stiftsymbol in der Spalte »Edit« führt zu den Einstellungen des jeweiligen Benutzers. In Abbildung 7 hat das Benutzerkonto bereits Zugriff auf den Dateiserver und besitzt keine Administratorrechte.

Abbildung 6: Die Einrichtung eines Benutzers fragt die üblichen Informationen ab.

Abbildung 7: Auch die Rechte eines Benutzers sind schnell abgesteckt.
Gruppenbildung
Sobald die Zahl der zu verwaltenden Benutzer ansteigt, entsteht schnell der Wunsch, diese in Gruppen zusammenzufassen. Auch das ist für eBox kein Problem: Der Menüpunkt »Gruppen« legt eine solche an, anschließend führt das Stiftsymbol zu ihren Einstellungen. Im Hinblick auf den Dateiserver darf man dort einen von der Gruppe gemeinsam genutzten Ordner freigeben. Die einer Gruppe zugewiesenen Rechte übernehmen automatisch alle ihre Benutzer. Auf diese Weise könnte man beispielsweise der Buchhaltung erlauben, den angeschlossenen Drucker zu nutzen, nicht aber den Dateiserver. Was mit Benutzern klappt, funktioniert übrigens auch mit IP-Adressen. Von ihnen darf man ebenfalls mehrere zu so genannten Network Objects zusammenfassen. Bei der weiteren Konfiguration reicht es dann aus, jeweils dieses Objekt anstelle des gesamten IP-Bereiches anzugeben. Möchte man beispielsweise für alle Computer der Buchhaltung ein Loch in die Firewall bohren, fasst man ihre IP-Adressen in einem neuen Object zusammen und weist diesem dann die entsprechende Ausnahmeregel zu.
Läuft, Läuft nicht, Läuft...
Damit ist die Einrichtung des Dateiservers bereits beendet. Wie ein Blick auf die Startseite hinter »Summary« zeigt, ist der Dienst jedoch immer noch deaktiviert. Diesen Zustand ändert erst der Menüpunkt »Module Status« (Abbildung 8). Die hier befindliche Liste nennt alle derzeit verfügbaren Module. Welche davon aktiviert sind, zeigt ein Haken in der Spalte »Status«. Ihre Kollegin mit der Aufschrift »Depends« verrät, welche anderen Module aktiviert sein müssen, bevor sich das gewünschte Modul selbst nutzen lässt. Im Fall des Dateiservers (Zeile »file sharing«) müssen das Netzwerk, sowie die Benutzerverwaltung (»users and groups«) laufen. Ersteres ist standardmäßig aktiviert, »users and goups« muss man noch ankreuzen. Damit schaltet eBox endlich das »file sharing« frei, das man nun ebenfalls aktiviert. eBox startet jetzt automatisch im Hintergrund alle notwendigen Dienste und passt gleichzeitig die Firewall-Regeln an. Eine Kontrolle via »Summary« und der Zugriff von einem Windows-System aus beweisen, dass die Dateifreigabe läuft und funktioniert (Abbildung 9).

Abbildung 8: Hinter »Module Status« führt eBox nicht nur auf, welche Dienste derzeit aktiviert sind, sondern auch von welchen anderen sie jeweils abhängen.

Abbildung 9: Der Zugriff auf den von der eBox bereit gestellten Dateiserver funktioniert auch über Windows reibungslos.
Auf die gleiche Weise lassen sich schnell weitere Dienste einrichten, wie beispielsweise ein Druckserver. Einen neuen Bereich sollte man allerdings nur mit entsprechenden Grundkenntnissen betreten. Wer beispielsweise einen DHCP-Server aktivieren möchte, sollte mit den Begriffen Gateway und Nameserver etwas anfangen können.
Verteilungskampf
Sicherheitsbewussten Systemadministratoren dürften bei dem Gedanken, mehrere Dienste auf einem Server laufen zu lassen, die Haare zu Berge stehen. Besser wäre es, zumindest die Firewall auf einen zweiten Server auszulagern. Frühere eBox-Versionen hatten für diesen Fall noch vorgesorgt: Zunächst spendierte man jedem Server eine eigenständige eBox-Installation, auf denen man allerdings nur die ihnen jeweils zugedachten Dienste aktivierte. Ein weiterer Server, das so genannte eBox Control Center, übernahm dann die zentrale Steuerung der anderen eBoxen. Mit diesem Konzept ließen sich sogar die Server mehrerer unabhängiger Außenstellen bequem von der Firmenzentrale aus steuern und verwalten.
Im Frühling 2008 entschieden sich jedoch die eBox-Macher vom bis dato genutzten Unterbau Debian auf den Konkurrenten Ubuntu umzuschwenken. Dieser Umstellung fiel leider das komplette Control Center-Modul zum Opfer. Zwar liegt sein Quellcode noch in der Versionsverwaltung auf der eBox-Homepage [3], die letzten Aktualisierungen lagen bei Redaktionsschluss jedoch gut ein Jahr zurück. Irritierenderweise behandelt die im Downloadbereich erhältlich eBox-Dokumentation noch das Control Center, während sich das mit dem Quellcode ausgelieferte Handbuch darüber plötzlich ausschweigt. Ob und wenn ja, wann das Control Center zurückkehrt, ist somit derzeit noch ungewiss.
Ebenfalls der Schere zum Opfer fiel die SOAP-Schnittstelle, über die sich frühere eBox-Versionen fernsteuern und an andere Softwareprodukte anbinden ließen. Immerhin werkeln die eBox-Macher noch fleißig am SOAP-Modul, so dass zumindest seine Wiedergeburt relativ wahrscheinlich erscheint.
Unter der Haube
eBox selbst ist eine Web-Anwendung, die vollständig in objektorientierten Perl geschrieben wurde und standardmäßig unter Apache 2 mit Mod-Perl-Erweiterung läuft. Um sich die Arbeit zu erleichtern, haben die Entwickler auf das recht beliebte Web-Framework Mason [4] zurückgegriffen. Die eBox verwendet dessen Template-Engine zur Erzeugung der HTML-Seiten. Im Browser sorgt schließlich noch JavaScript für eine hübsche Optik und Interaktivität. Sämtliche Einstellungen speichert eine eBox über gconf2 [5] in XML-Dateien.
Wie bereits erwähnt, besteht eine eBox aus mehreren Modulen. Jedes von ihnen kümmert sich um einen ganz bestimmten Dienst, beziehungsweise einen klar abgegrenzten Teilbereich der Serverkonfiguration. Neue Module lassen sich somit unabhängig von den anderen Paketen entwickeln und in die Oberfläche einbauen. Bei der Erstellung eigener Module hilft das mitgelieferte eBox-Framework. Module, die dies nutzen und sich an die eBox-Programmierrichtlinien halten, kommen automatisch in den Genuss anderer eBox-Funktionen, wie beispielsweise das Backup der Konfiguration.
Wer sich jetzt motiviert an die Programmierung wagen möchte, sollte zuvor sein Wissen über Entwurfsmuster auffrischen. So folgt jedes eBox-Modul grundsätzlich der Model-View-Controller-Architektur. Dies erzwingt gleichzeitig eine strikte Trennung zwischen Darstellung (in der Benutzeroberfläche), den zur Konfiguration nötigen Einstellungen und der eigentlichen Modullogik, also der Steuerung des entsprechenden Dienstes. Wie man auf Basis dieser Dreiteilung ein eigenes Modul entwickelt, verrät der Developer's Guide [6] anhand eines Beispielmoduls.
Fazit
eBox hält seine Versprechen zumindest teilweise: Es bietet eine einfach zu bedienende Benutzeroberfläche, über die man häufig genutzte Netzwerkdienste bequem ein- und ausschaltet. Der modulare Aufbau erlaubt zudem die schnelle nachträgliche Integration zusätzlicher Funktionen.
Der eigentlich unnötige Umstieg auf Ubuntu hinterließ jedoch seine Spuren: So fehlt das insbesondere für Unternehmen interessante Control Center und die Installation verläuft noch arg holperig. Sobald die Entwickler diese Steine aus dem Weg geräumt haben, könnte die eBox in kleineren und mittleren Unternehmen zu einem treuen Partner werden. (ofr)
Infos
- [1] eBox Homepage: [http://ebox-platform.com]
- [2] eBox Download und Dokumentation: [http://ebox-platform.com/download]
- [3] Quellcode der eBox: [http://ebox-platform.com/community/svn]
- [4] Mason Framework für Perl: [http://www.masonhq.com]
- [5] Gconf: [http://www.gnome.org/projects/gconf]
- [6] Entwicklerhandbuch eBox: [http://ebox-platform.com/community/dev-guide]

Kommentare
ISO-Image
probieren Sie es doch einfach mal mit dem ISO-Image http://sourceforge.net/projects/ebox-platform/files/ebox_installer-1.2-6.iso/download
eBox allgemein
klingt hier alles wie spass und easy, aber scheißendreck isses mit easy...fummle seit zwei wochen an dem paket rum um nur mal emails zu empfangen und möglicherweise jahre später auch senden zu können und dabei ist alles schön nach anleitung installiert und konfiguriert...wenn jemand ne idee hat... ich bin für alles offen...laut dienste ist webserver gestartet mit meiner domain, welche es über dyndns auch real gibt und webmail + E-Mail eingerichtet user mit pw etc. alles da, aber mails die ich mir von anderen pc's zuschicke finden nicht mal den weg in die warteschlange...auch die anbindung von nvu von nem anderen pc aus funzt nicht obwohl ich schon mit root-rechten mein glück versucht habe...letztlich braucht man doch wieder tiefenwissen, "dann klappt es vielleicht auch mit dem nachbarn" bzw. mit einem eBox-serveraber hauptsache man hat ein virusprog auf einem linuxserver laufen lol, da werd ich wohl lieber wieder gleich ubuntuserver draufschmeißen und alles per hand config
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