Web-Interface zur Nagios-Konfiguration
Freie Web-Interfaces, die Nagios-Konfigurationen abbilden sind rar. Seit 2005 existiert mit NagiosQL ein Open-Source-Projekt, mit dem sich in Version 3 auch komplexe Nagios-Installationen einfach administrieren lassen.
Nagios ist der Platzhirsch auf dem Feld des Monitoring und bietet Administratoren ein umfangreiches Framework zur Überwachung der kompletten Systemlandschaft. Der Komplexität sind dabei kaum Grenzen gesetzt: Server, Dienste, Prozesse, Anwendungen und Netzwerkkomponenten lassen sich mit Nagios überwachen. Dabei entstehen meist umfangreiche, mitunter schon recht unübersichtliche Konfigurationsdateien. An diesem Punkt setzt NagiosQL an: Die PHP-Anwendung erlaubt es, auch komplexe Nagios-Konfigurationsdateien bequem per Webbrowser zu verwalten.
Nagios
Mit mehr als 250 000 Benutzern und einer Entwicklungszeit von über zehn Jahren gilt Nagios heute beinahe als Standard für Monitoring auf Enterprise-Niveau. Eine der Stärken des Open-Source-Projekts ist die sehr aktive Community, deren Mitglieder bereits über 200 Plugins für die verschiedensten Komponenten entwickelt und veröffentlicht haben. Ein Ergebnis der großen Popularität ist, dass es fertige Pakete für alle gängigen Linux-Distributionen gibt. Aber auch unter mehr oder weniger exotischen Unix-Systemen wie Sun Solaris, IBM AIX oder HPUX lässt sich Nagios kompilieren und betreiben. Der Source-Code, die komplette Dokumentation sowie Quickstart-Anleitungen für Ubuntu, Open Suse und Fedora finden sich auf der Nagios-Website [1].
Zahlreiche Artikel im Linux-Magazin beziehungsweise dem Admin-Sonderheft, sowie Bücher von Wolfgang Barth [2] oder auch Wojciech Kocjan [3] erleichtern den Einstieg in die umfangreiche Materie. Nach Erfahrung das Autors fällt es gelernten Windows-Administratoren meist schwer, sich mit Vi oder ähnlichen Vertretern der Unix-Welt der Nagios-Konfiguration zu nähern. In Microsoft-Umgebungen spielt die Usability meist eine ebenso wichtige Rolle wie Lizenzkosten, die Flexibilität oder auch die Plattformunabhängigkeit eines Produkts. NagiosQL versucht die Kluft zwischen guter Usability und komplexer Nagios-Konfigurationen zu schließen und bietet damit nicht nur Windows-Administratoren einen bequemen Lösungsansatz.
NagiosQL
Programmierer Martin Willisegger hob NagiosQL vor gut vier Jahren aus der Wiege, als sein damaliger Arbeitgeber eine Web-Oberfläche zur Verwaltung von Nagios-Konfigurationen benötigte. Mit NagiosQL lassen sich Konfigurationen für Hosts, Services, Kontakte sowie deren Gruppen und Vorlagen erstellen, verändern, löschen oder auch kopieren. Die PHP-Anwendung speichert die Konfiguration in einer MySQL-Datenbank und exportiert sie per Knopfdruck in die passenden Nagios-Verzeichnisse. Bestehende Nagios-Konfigurationsdateien der aktuellen Version 3 wie auch der vorherigen Version lassen sich importieren. NagiosQL eignet sich daher auch für Migrationen und Nagios-Updates, da es die Daten im Nagios-2-Format einlesen und im Nagios-3-Format exportieren kann. Seit Anfang 2009 steht NagiosQL in der Version 3.0.x unter [4] zum Download zur Verfügung.
| Neues in Nagios 3 |
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Mit der aktuellen Version sind folgende Verbesserungen hinzugekommen:
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Assistent
Nach dem Entpacken der Quelldateien in ein vom Webserver zugängliches Verzeichnis, muss der Installationsassistent erst noch aktiviert werden, weil er per Default aus Sicherheitsgründen deaktiviert ist. Hierfür legen Sie eine Datei mit dem Namen »ENABLE_INSTALLER« im Verzeichnis »install« an. Wenn die benötigten Sprachen mit UTF-8-Support auf Linux-Ebene installiert sind (»locale -a« liefert eine Liste) können Sie im Installationsassistenten die gewünschte Sprache für den weiteren Installationsverlauf und die Programmoberfläche auswählen. Derzeit stehen zur Verfügung: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Polnisch, Russisch und Chinesisch.
Es gibt drei Installationsmodi: Neuinstallation, Update einer vorherigen NagiosQL-Version und einer Art Wiederherstellungsmodus. Während Begriffe wie Neuinstallation und Update noch selbsterklärend sind, muss man den Wiederherstellungsmodus erklären: Er ist nur nur für bestehende, aktuelle NagiosQL-3-Installationen sinnvoll, bei denen Änderungen am Webserver-Pfad oder am Datenbankzugang dazu geführt haben, dass NagiosQL nicht mehr erreichbar ist. Alle drei Installationsmodi laufen nach dem gleichen Muster ab: Anforderungen prüfen, Einstellungen definieren, Durchführung.
Installation
Im ersten Schritt prüft der Installer die Systemanforderungen (siehe den gleichnamigen Kasten). Sollte das Pear-Modul »HTML_Template_IT« fehlen, installieren Sie es über »pear install HTML_Template_IT«. Es folgt die Definition der Datenbank-Parameter (Abbildung 1), bei denen Sie anders als bei vorherigen NagiosQL-Versionen auch gleich den ersten NagiosQL-Benutzer einrichten. Für Nagios-Frischlinge empfiehlt sich der Import der Beispielkonfiguration, die sich über NagiosQL dann an die eigenen Bedürfnisse anpassen lässt. Der Übergang von diesem zum nächsten Schritt dauert in der Regel etwas länger, da die Datenbank erstellt und angepasst wird. Bei einem Update (Abbildung 2) fragt das Programm nur die notwendigen Datenbank-Parameter ab. Bei einem Major Update, zum Beispiel von NagiosQL 2 auf die aktuelle 3er Version, bleibt die alte Datenbank unangetastet. NagiosQL erstellt für diesen Fall eine Kopie der alten Datenbank und führt die Aktualisierung, für den Benutzer unsichtbar, auf der Kopie aus. Meldet der Installationsassistent keine Fehler, können Sie entweder das gesamte Verzeichnis »install« oder nur die vorher erstellte »ENABLE_INSTALLER« löschen.

Abbildung 1: Der Installationsassistent fragt Datenbank-Parameter und einen ersten NagiosQL-Benutzer ab. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, eine Nagios-Beispielkonfiguratioen zu importieren.

Abbildung 2: Eine Aktualisierung von NagiosQL ist von Version 2.0.0 und höher möglich.
| Systemanforderungen |
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Die folgenden Komponenten werden zur Installation von NagiosQL benötigt:
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Konfiguration
Nach dem ersten Login sollten Sie die sogenannte NagiosQL-Domain (Standard ist Localhost) anpassen, die dafür notwendigen Einstellungen finden sich unter »Verwaltung | Domänen«. Hier sind die Verzeichnisse definiert, in denen Nagios die von NagiosQL erstellten Konfigurationsdateien erwartet. Die wichtigsten Einstellungen fasst Tabelle 1 beispielhaft zusammen. Die hier verwendeten Einstellungen müssen ebenfalls in der Nagios-Konfigurationsdatei »nagios.cfg« definiert sein, Listing 1 zeigt die passenden Einträge. Analog zu diesen müssen Sie die lokalen Verzeichnisse anlegen und mit den korrekten Berechtigungen ausstatten. Da NagiosQL mit den Rechten des Webservers agiert, müssen die Verzeichnisse vom entsprechenden Benutzer schreibbar, vom Nagios-Benutzer zumindest noch lesbar sein. Damit NagiosQL die aktuelle Konfiguration überprüfen kann, muss die Binärdatei »nagios« für den Webserver-Benutzer ausführbar sein. Ebenso sollten das Lockfile »nagios.pid« oder »nagios.lock« (in »nagios.cfg« definiert) lesbar und das Nagios-Command-Interface »nagios.cmd« ebenfalls vom Webserver-Benutzer beschreibbar sein.
| Tabelle 1: Ausschnitt der Domain-Konfiguration | ||
|---|---|---|
| Parameter | Beispielpfade | Beschreibung |
| Basisverzeichnis | /etc/nagiosql/ | NagiosQL-Basisverzeichnis, zum Beispiel für command.cfg, contacts.cfg |
| Hostverzeichnis | /etc/nagiosql/hosts/ | NagiosQL-Hosts, zum Beispiel localhost.cfg |
| Serviceverzeichnis | /etc/nagiosql/services/ | NagiosQL-Services, zum Beispiel check_disk.cfg |
| Nagios Basisverzeichnis | /etc/nagios/ | Nagios-Basisverzeichnis für nagios.cfg und cgi.cfg |
| Listing 1: Ausschnitt aus »nagios.cfg« |
|---|
01 cfg_file=/etc/nagiosql/commands.cfg 02 cfg_file=/etc/nagiosql/timeperiods.cfg 03 04 cfg_file=/etc/nagiosql/contacttemplates.cfg 05 cfg_file=/etc/nagiosql/contactgroups.cfg 06 cfg_file=/etc/nagiosql/contacts.cfg 07 08 cfg_file=/etc/nagiosql/hosttemplates.cfg 09 cfg_file=/etc/nagiosql/hostgroups.cfg 10 cfg_dir=/etc/nagiosql/hosts 11 cfg_file=/etc/nagiosql/hostdependencies.cfg 12 cfg_file=/etc/nagiosql/hostescalations.cfg 13 cfg_file=/etc/nagiosql/hostextinfo.cfg 14 15 cfg_file=/etc/nagiosql/servicetemplates.cfg 16 cfg_file=/etc/nagiosql/servicegroups.cfg 17 cfg_dir=/etc/nagiosql/services 18 cfg_file=/etc/nagiosql/servicedependencies.cfg 19 cfg_file=/etc/nagiosql/serviceescalations.cfg 20 cfg_file=/etc/nagiosql/serviceextinfo.cfg |
Befehle
In Nagios ist eine Anweisung entweder als ein Check-Command wie »check_disk«, ein Notify-Command wie »notify-by-mail« oder ein Event-Handler wie Restart-Apache definiert, Unterscheidungen in der Syntax gibt es grundsätzlich keine. Um das Zuweisen der Commands für den User einfacher zu machen, unterscheidet NagiosQL zwischen Prüf- (Check-Commands) und Spezialbefehlen (Notify-Command und Event-Handler). Unter »Befehle | Definitionen« erstellen Sie zuerst einen einfachen Prüfbefehl für die Hostverfügbarkeit. Den Befehl nennen Sie »check_host_alive« und fügen in die Befehlszeile einen Ping-Check (Bestandteil der offiziellen Nagios Plugins) ein: »$USER1$/check_ping -H $HOSTADDRESS$ -w 3000.0,80% -c 5000.0,100% -p 5«. »$USER1$« dient als internes Nagios Makro und wird durch den Installationspfad der Nagios-Plugins (definiert in der Datei »resource.cfg« aus dem Nagios-Basisverzeichnis) ersetzt. »$HOSTADDRESS$« ist ebenfalls ein Nagios-Makro und wird durch die IP-Adresse des aktiven Hosts ersetzt. Weitere Makro Definitionen sind in einer Tabelle im Nagios-Handbuch [5] ausführlich beschrieben.
Zu guter Letzt aktivieren und speichern Sie den neu hinzugefügten Prüfbefehl. Analog zum Prüfbefehl »check_host_alive« erstellen Sie den Prüfbefehl »check_ping« um Serviceüberprüfungen und später gegebenenfalls Serviceabhängigkeiten aufbauen zu können. Als Befehlszeile verwenden Sie ebenfalls das Ping-Plugin, dass Sie über Parameter »$ARGn$« justieren können: »$USER1$/check_ping -H $HOSTADDRESS$ -w $ARG1$ -c $ARG2$ -p 5«. Informationen über die Syntax von Befehlen erhalten Sie grundsätzlich durch die Eingabe von »Plugin -h« in der Shell.
Neben den Prüfbefehlen benötigten Sie Spezialbefehle für die Benachrichtigung der zuständigen Administratoren. Da sich die Informationen bei einem Service-Ausfall gegenüber dem eines Host-Ausfalls unterscheiden, definieren Sie auch hier zwei Befehle: »notify-host-by-email« und »notify-service-by-email«. Die einfachsten Notify-Commands setzen sich aus einem »Print«- und einem »Mail«-Befehl zusammen. Die komplette Befehlszeile für eine Host-Benachrichtigung zeigt Listing 2.
| Listing 2: E-Mail-Benachrichtigung |
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01 /usr/bin/printf "%b" "***** Nagios *****\n\nBenachrichtigungstyp: $NOTIFICATIONTYPE$\nServer: \ $HOSTNAME$\nStatus: $HOSTSTATE$\nIP: $HOSTADDRESS$\nInfo: $HOSTOUTPUT$\n\nDatum/Uhrzeit: $LONGDATETIME$\n" \ | mail -s "** $NOTIFICATIONTYPE$ Server Alarm: $HOSTNAME$ ist $HOSTSTATE$ **" $CONTACTEMAIL$. |
Mit Hilfe der Makroliste lassen sich diese Spezialbefehle auf die eigenen Bedürfnisse anpassen und erweitern.
Zeitdefinition
Der Punkt »Alarmierung | Zeitperioden« führt zur Definition von Zeitperioden für die Benachrichtigung und Überwachung von Hosts und Services. Mit Nagios 3 hat sich hier viel geändert, es lässt sich ein vollständiges Datum festlegen, um zum Beispiel Ausnahmen zu definieren. So ist es möglich einzustellen, dass Nagios während der gesetzlich festgeschriebenen Feiertage keine Nachrichten schickt (Abbildung 3). Im Beispiel gibt es eine Zeitperiode »24x7« mit einer typischen Beschreibung »24 Stunden, 7 Tage die Woche«. Die Zeitdefinition ist in diesem Fall lediglich der Wochentag in englischer Schreibweise und der Zeitbereich im 24-Stunden-Format. Exemplarisch der Montag: Definition »monday« und als Bereich »00:00 - 24:00«.

Abbildung 3: Nagios 3 erlaubt die Definition einzelner Tage, um beispielsweise Feiertage abbilden zu können.
Kontakte
Im Gegensatz zu Nagios 2 setzt die aktuellen Version keine Kontaktgruppen explizit voraus, man kann und sollte sie gerade bei umfangreichen Umgebungen aber weiterhin verwenden. Kontakte verwalten Sie bei NagiosQL unter »Alarmierung | Kontaktdaten«, dabei haben diese Einstellungen immer eine höhere Priorität als Einträge der einzelnen Hosts oder Services. Definieren Sie bei einem Kontakt beispielsweise, dass er keine Meldungen bekommt, wenn ein Service auf den Status »UNKNOWN« wechselt, dann gilt das für diesen Kontakt immer, unabhängig von der einzelnen Servicedefinition.
Pflichtfelder sind in NagiosQL rot markiert. Tragen Sie den Kontaktnamen (kann auch ein Nagios-Benutzer sein, um eingeschränkte Perspektiven auf zuständige Objekte zu erhalten), die Zeitperioden für Hosts und Services mit der vorher definierten Zeitperiode »24x7« und dem Host- beziehungsweise Servicebefehl für die Benachrichtigungen mit den ebenfalls vorher definierten Spezialbefehlen »host-notify-by-email« und »service-notify-by-email«.
NagiosQL bietet ein integriertes Hilfesystem, das mit einem Klick auf das Fragezeichen neben dem Eingabefeld ein Pop-Up mit kurzen Erläuterungen einblendet. Unter dem Tab »Zusatzeinstellungen« lassen sich Kontaktvorlagen und freie Variablen definieren. Freie Variablen, ebenfalls in Nagios 3 implementiert, lassen sich in Nagios während des Betriebs verändern, daher ist der hier definierte Wert immer als Initialwert zu verstehen. Den soeben erstellten Kontakt weisen Sie einer Kontaktgruppe zu, unter »Alarmierung | Kontaktgruppen« definieren Sie den Namen der Gruppe und eine kurze Beschreibung. Über das Bleistift/Block-Symbol lassen sich auf der rechten Seite die einzelnen Kontaktmitglieder zuweisen.
Hosts
Das Herzstück einer Nagios-Installation bilden die zu überwachenden Hosts und Services. Für ein Web-Interface ist es nicht ganz einfach, alle möglichen Konfigurationsoptionen übersichtlich darzustellen. NagiosQL-Projektgründer Martin Willisegger entschied sich 2008, eine neue Oberfläche für NagiosQL zu verwenden und bediente sich hierfür bei der unter der BSD-Lizenz stehenden, freien Yahoo User Interface Library, kurz YUI [6]. Mit Hilfe des Javascript-Framework ist es Willisegger gelungen, alle denkbaren Nagios-Host-Einstellungen mit Hilfe von verschachtelten Menüs und Pop-Ups übersichtlich darzustellen.
Eine der Stärken der neuen NagiosQL-Version ist das Template-Handling, also der Umgang mit Kontakt-, Service- und Hostvorlagen. Das Beispiel des Artikels benutzt Hostvorlagen zur Kennzeichnung des Betriebssystems: »Überwachung | Hostvorlagen«. Erstellen Sie eine Vorlage »Debian« und setzen Sie unter »Zusatzeinstellungen« das »Icon Bild, VRML Bild« auf »debian.png« und das »Statusbild« auf »debian.gd2«. Fertige Bilder gibt es zum Beispiel bei NagiosExchange [7], sie lassen sich aber auch leicht selber erzeugen. Für die Erstellung von PD2-Bildern bietet Thomas Boutells GD-Bibliothek [8] mit »pngtogd2« einen einfachen Konverter. Es ist zusätzlich möglich, über Vorlagen auch Administratoren bestimmter Betriebssysteme über die zuständigen Kontaktgruppen zuzuweisen.
Die soeben erstellte Vorlage fügen Sie nun unter »Zusätzliche Vorlagen« bei der ersten Hostdefinition unter »Überwachung | Hosts« ein. Wie bereits vom Web-Interface gewohnt, füllen Sie die benötigten Felder (rot markiert) pflichtgemäß aus. Der Hostname muss nicht unbedingt ein auflösbarer Name sein, sondern ist frei wählbar. NagiosQL speichert jede Hostkonfiguration anhand des Hostnamens, daher sollten keiner Sonderzeichen oder Umlaute vorkommen. Abbildung 4 zeigt die Möglichkeit, vorgeschaltete Hosts zu definieren, der Beispiel-Host hängt beispielsweise an einem Switch, der wiederum an einer Firewall. Nagios nennt das Parent Hosts und unterscheidet über Parent und Child zwischen den Zuständen »UNREACHABLE« und »DOWN«. Fällt ein Host aus, ist der Zustand des von diesem abhängigen Host unbekannt, da dieser für Nagios unerreichbar ist.

Abbildung 4: Verschachtelte Hosts bildet NagiosQL über ein Pop-Up ab, mehrere Hosts lassen sich über die bekannten Tastenkombinationen auswählen.
Als Prüfbefehl kommt der bereits erstellte »check_host_alive« zum Einsatz, die Parameter »$ARGn$« sind überflüssig. Einen Haken bei »Aktiv« und weiter zum nächsten Tab »Prüfeinstellungen«. Dort definiert »Max. Prüfversuche« die Anzahl der fehlgeschlagenen Checks, bis eine Benachrichtigung verschickt werden soll. Gerade bei Pings kann es in instabilen Netzwerksegmenten zu kurzzeitigen Unterbrechungen kommen, die aber nicht immer zu einer Mitteilung führen sollen. Daher bietet sich ein Wert zwischen 3 und 5 an.
»Aktive Prüfungen« setzen Sie auf »ein«, »Passive Prüfungen« benötigen Sie vorerst nicht, daher genügt »aus«. Über die »Prüfperiode« legen wir den Zeitraum fest in dem dieser Host überprüft werden soll, im Allgemeinen ist hier »24x7« die richtige Wahl. Der nächste Tab führt uns zu den »Alarmeinstellungen«. Obwohl sowohl »Kontakte« als auch »Kontaktgruppen« als Pflichtfelder gekennzeichnet sind, ist nur eine Definition zwingend notwendig. Die »Meldungsdauer« ist die Zeitspanne in der Nachrichten für diesen Host verschickt werden sollen. Sollte hier zum Beispiel »24x7« stehen, aber beim Kontakt nur innerhalb der normalen Arbeitszeit definiert sein, so hat letztendlich immer die Kontaktdefinition das letzte Wort. Die verschiedenen Meldungsoptionen (d,u,r,f,s) werden über das integrierte Hilfesystem erläutert (Abbildung 5).

Abbildung 5: Das integrierte Hilfesystem bietet eine umfangreiche Hilfe zu einzelnen Optionen.
Das Meldungsintervall legt fest, wie hartnäckig Nagios im Fehlerfall Benachrichtigungen verschickt. Nagios schickt im Abstand der hier angegebenen Minutenzahl eine Nachricht über ein akutes Problem -- wenn nicht die allgemeinen »time units« in der Nagios-Konfiguration verändert wurden. Setzt man diesen Wert auf 0, verhält sich Nagios zurück und verschickt nur eine Benachrichtigung, aber keine weiteren Erinnerungen. Zu guter Letzt müssen die Meldungen noch eingeschaltet werden und die erste Hostüberwachung ist abgeschlossen.
Services
Ein Service ist innerhalb Nagios nicht unbedingt wörtlich als Dienst des Betriebssystems zu verstehen, sondern bezeichnet einen beliebigen Messpunkt eines Hosts. Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt, denn Nagios erwartet lediglich einen Rückgabewert (0=OK, 1=WARNING, 2=CRITICAL, 3=UNKNOWN) und eine Statusmeldung (String) zu einem Service. Für das Beispiel des Artikels muss noch einmal das bereits erstellte »check_ping« herhalten, mit dem Sie unter »Alarmierung | Services« einen neuen Eintrag anlegen.
Der Konfigurationsname eines Services dient neben der Übersicht und Filtermöglichkeit vor allem als physische Name der Nagios-Konfigurationsdatei, die NagiosQL erstellt. Die Auswahl eines »Hosts« oder einer »Hostgruppe« ist wie bei der Alarmierung der Hosts als ein Entweder-Oder-Pflichtfeld zu verstehen. Die »Servicebeschreibung« ist der Name des Dienstes, der im Nagios-Interface erscheint. Die Ping-Prüfung soll im Beispiel »Verfuegbarkeit« heißen und den Prüfbefehl »check_ping« erhalten.
Im Gegensatz zur Hostüberprüfung mit »check_host_alive« müssen Sie für den Servicecheck die Schwellwerte des Ping-Plugins anpassen: »$ARG1$« steht für einen »WARNING«, »$ARG2$« für »CRITICAL« Wert. Für das Ping-Plugin gibt es zwei Faktoren, die durchschnittliche Antwortzeit (Round Trip Average Travel Time) in Millisekunden und Packet Loss in Prozent. Ein Beispieleintrag ist: »$ARG1$« = 100.0,20%, »$ARG2$« = 500.0,60%. Vergessen Sie nicht, den Serviceeintrag zu aktivieren, bevor Sie unter den »Prüfeinstellungen« die weiteren Details der Serviceüberprüfung festlegen. »Max. Prüfversuche« und »Prüfperiode« kennen Sie bereits von der Host-Konfiguration. Das »Prüfintervall« ist die Zeit zwischen den einzelnen Überprüfungen und sollte je nach Dringlichkeit des Services unterschiedlich bewertet werden.
Es ist empfehlenswert, Servicevorlagen für Prioritäten zu erstellen. Für hohe Prioritäten wie zum Beispiel bei »check_ping« sollte die »Prüfperiode« nicht über fünf (Minuten) liegen. Das »Wiederholintervall« definiert die Zeitspanne für Überprüfungen während eines Problems, hier sollten die Testintervalle deutlich kürzer sein, um im Fehlerfall Verzögerungen bei der Benachrichtigung zu vermeiden. Die restlichen Einstellungen sind analog zu den Hosteinstellungen. Lediglich die »Meldungsoptionen« unter den »Alarmeinstellungen« weichen aufgrund der unterschiedlichen Status etwas ab, hier hilft das integrierte Hilfesystem bei der Feinjustierung.
Steuern
Eine erste einfache Nagios-Konfiguration für die Überwachung eines Hosts und eines Service ist damit abgeschlossen. Allerdings liegen die Daten bisher nur in der Datenbank, nicht jedoch als Konfigurationsdateien, die für Nagios dringend benötigt werden. Hier bieten sich zwei Wege an, die Konfiguration zu erstellen, am Besten schreiben Sie die Konfiguration immer auf der zugehörigen Konfigurationsseite (zum Beispiel »Überwachung | Hosts | Alle Konfigdateien schreiben«). Für eine erste Installation können Sie allerdings auch die globale Variante verwenden und erzeugen über »Werkzeuge | Nagios steuern« alle notwendigen Überwachungs- und zusätzliche Daten über die oberen beiden Buttons.
NagiosQL erzeugt für jede bereits existierende Konfigurationsdatei eine Sicherungsdatei in den in der Domain-Konfiguration definierten Backup-Verzeichnissen. Als nächstes starten Sie die Syntaxüberprüfung über das Nagios-Interface mit dem Button »Konfigurationsdateien prüfen«. Sollten keine schwerwiegenden Fehler auftreten, schicken Sie über das Nagios Command Interface ein Reload mit Hilfe des Buttons »Nagios neu starten«. (ofr)
| Spezialitäten |
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Neben der Unterstützung weiterer Nagios-Features wie Service/Host-Abhängigkeiten oder auch Eskalationen beinhaltet NagiosQL auch einen Importer. Unter »Werkzeuge | Datenimport« lassen sich Nagios-Konfigurationsdateien in der Nagios-2- oder -3-Syntax importieren. Solange man sich an die dort angegebene Import-Reihenfolge hält, lassen sich bestehende Nagios-Installationen schnell und einfach importieren. Wie anfangs erwähnt, ist es auch denkbar, eine Nagios-2-Konfiguration einzulesen und diese dann in Nagios-3-Syntax zu speichern -- Nagios-Upgrade leichtgemacht. Für größere Umgebungen ist die Mehrbenutzerfähigkeit von NagiosQL sinnvoll. Unter dem Menüpunkt »Verwaltung« kann der Administrator neue Benutzer anlegen und Berechtigungen auf festgelegte Bereiche der Weboberfläche setzen. Beispielsweise können er einem Benutzer lediglich den Zugriff auf die Kontaktpflege erteilen, nicht aber die Modifikation von Hosts oder Services zulassen. Das Logbuch hält die wichtigsten Aktionen der User fest und bietet einen Suchagenten für die schnelle ,,Tätersuche``. |
Der Autor
Rouven Homann probiert gern Neues aus, sowohl im Supermarkt als auch bei freier Software. Seine Brötchen verdient er als IT-Consultant bei der cimt ag. Er kocht leidenschaftlich gern -- zum Wohlgefallen seiner Frau -- und wirkt an unterschiedlichen Open-Source-Projekten mit.
Infos
- [1] Nagios Website: [http://www.nagios.org]
- [2] ,,Nagios: System- und Netzwerk-Monitoring``, Wolfgang Barth, ISBN 3937514465
- [3] ,,Learning Nagios 3.0``: [http://www.packtpub.com/guide-for-learning-nagios-3/book]
- [4] NagiosQL Website: [http://www.nagiosql.org]
- [5] Nagios Makroliste: [http://nagios.sourceforge.net/docs/3_0/macrolist.html]
- [6] Yahoo! User Interface Library: [http://developer.yahoo.com/yui]
- [7] NagiosExchange: [http://www.nagiosexchange.org]
- [8] GD Library: [http://www.boutell.com/gd]


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