Small Business Server 2011

A&M Rovenko, 123RF

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Im Dezember hat Microsoft die neue Version 2011 von Small Business Server veröffentlicht. Der folgende Artikel verrät im Einzelnen, worin sich die verschiedenen Varianten unterscheiden und für welche Einsatzzwecke sie sich eignen.

Mit dem eben erschienenen Small Business Server 2011 bietet Microsoft den Kunden eine neue Version seines All-in-one-Servers für kleine bis mittelständische Unternehmen. Auch von der neuen Version des SBS gibt es wieder verschiedene Editionen. Dieser Artikel erklärt anhand der Testversion von [1] die Features und Unterschiede. Neben SBS 2010 Standard und Essentials stellt Microsoft für kleine Unternehmen oder Abteilungen auch Windows Server 2008 R2 Foundation zur Verfügung.

SBS 2011 Standard

Die Edition SBS 2011 Standard (Entwicklungsname SBS 7) führt die Tradition von SBS 2003, 2003 R2 und 2008 fort und bietet aktuelle Serverlösungen für Datenablage und Intranet sowie Patches und E-Mail in einem Produkt an. Die Edition lässt sich für bis zu 75 Benutzer lizenzieren. Im SBS enthalten ist Windows Server 2008 R2 Standard Edition als Basis-Betriebssystem in der 64-Bit-Edition, allerdings ohne das SP1. Dieses lässt sich aber problemlos nachinstallieren und meldet als Installation auch gleich Windows Small Business Server Service Pack 1 (Abbildung 1).

Abbildung 1: Installieren von Service Pack 1 für Windows Server 2008 R2 auf SBS 2011.

Wie bereits der direkte Vorgänger SBS 2008 setzt SBS 2011 voll auf 64 Bit. Als E-Mail-System ist Exchange Server 2010 mit SP1 Standard Edition integriert. Sie unterstützt bis zu fünf Postfachspeicher, die Exchange-Datenbanken können eine maximale Größe von 16 TByte erreichen. Leider verwendet auch Exchange Server 2010 immer noch eine ESE-Datenbank (Extensible Storage Engine, auch als Jet Blue bekannt), ebenso wie seine Vorgängerversionen.

Zwar hat Microsoft die Geschwindigkeit dieser Datenbank nochmals gesteigert, dennoch neigen solche Datenbanken zu irreparablen Defekten. Eine längst überfällige Integration in den SQL-Server lässt weiter auf sich warten. Speichergruppen gibt es nicht mehr, Postfachdatenbanken stellen jetzt die oberste Ebene dar. Jede Postfachdatenbank hat ihren eigenen Satz Transaktionsprotokolle, in SBS 2008 mussten sich die Postfachdatenbanken einer Speichergruppe noch die Transaktionsprotokolle teilen. Die Onlinewartung der Datenbanken (nicht zu verwechseln mit der Offline-Defragmentation durch Eseutil.exe) läuft jetzt nicht nur nachts und stört damit die Datensicherung, sondern ist als ständiger Prozess im Hintergrund aktiv.

Bei den Vorgängerversionen hat die Onlinewartung während der Onlinedatensicherung des Postfachspeichers pausiert. Das kann sich darin äußern, dass diese Wartung nach der Sicherung weiterläuft, und zwar auch noch dann, wenn sich morgens bereits Benutzer anmelden. Die Folge sind Leistungseinbußen und unzufriedene Benutzer.

Anwender können sich über die neue Outlook Web App (OWA) in SBS 2011 freuen. Die beliebten Suchordner für das Sortieren von E-Mails sind jetzt auch in OWA verfügbar, Gleiches gilt für die Favoriten, die viele Anwender bereits von Outlook her kennen.

Die Ansichten in Outlook Web App orientieren sich wieder etwas mehr an Outlook. So lassen sich für den Kalender mehrere Ansichten festlegen, genauso wie in Outlook. E-Mail-Threads, also E-Mails zu einem Thema, fassen Outlook 2010 und Outlook Web Access 2010 zu so genannten Unterhaltungs-Ansichten (Conversation Views) zusammen. Das sorgt für Übersicht und hält den Posteingang sauber.

Anwender, die ihr Handy oder Smartphone an Exchange anbinden, können in Exchange Server 2010 nicht nur Posteingang und Kalender synchronisieren, sondern auch aus OWA heraus SMS senden. Dazu synchronisiert sich OWA mit dem Handy oder Smartphone und sendet die SMS an den Empfänger.

Die Zuteilung von Zertifikaten hat Microsoft mit einem neuen Assistenten vereinfacht, was die meisten Probleme damit beheben sollte. Der Zugriff mit Mozilla Firefox und Safari auf OWA 2010 ist ohne Einschränkungen möglich.

Die neue Version des SBS realisiert mit Sharepoint Foundation 2010 ein Intranet mit Dokumentenmanagement-Funktionen. Hierbei handelt es sich um den kostenlosen Nachfolger von Windows Sharepoint Services 3.0. Leider hat Microsoft auch in der neuen Version des SBS nicht den Search Server integriert, der wesentlich mehr bietet als die Sharepoint Services, doch dazu später mehr.

Auch der neue SBS bietet wieder eine aktuelle Patchverwaltung, die auf Windows Server Update Services 3.0 SP2 basiert. Im Vergleich zu den Vorgängern bietet Microsoft zahlreiche neue Tools, die Admins bei der Migration von Vorgängerversionen unterstützen sollen. Neu ist die Integration der Office Web Apps, mit denen Anwender im Browser mit Office-Dokumenten arbeiten können.

Mit Office Web Apps stehen für Anwender vollkommen kostenlos die wichtigsten Office-2010-Programme online bereit. Dateien sind im Internet auf Skydrive oder auf der lokalen Festplatte speicherbar. Mit den Onlineversionen von Word, Excel, Powerpoint und Onenote lässt sich nahezu genauso arbeiten wie mit den Offlineversionen, aber mit eingeschränkter Funktionalität.

Die Lizenzen für Office Web Apps sind nicht in SBS 2011 enthalten, Unternehmen müssen dafür zusätzlich Office 2010 lizenzieren. Die Integration der Office Web Apps erfolgt dann über Sharepoint Foundation. Das ist allerdings auch in der kleineren Essentials-Edition möglich und auch mit Windows Server 2008 R2 Foundation.

Die Lizenzierung von SBS 2011 entspricht der des Vorgängers SBS 2008. Unternehmen benötigen eine Serverlizenz und eine CAL für jeden Benutzer beziehungsweise jedes Gerät. Der Preis der Serverlizenz liegt bei 1096 US-Dollar, der Preis pro CAL bei 72 US-Dollar.

Bessere Assistenten

Neben den enthaltenen Produkten und deren neuen Möglichkeiten sind in SBS 2011 auch zahlreiche Assistenten integriert, die Administratoren bei ihrer Arbeit unterstützen. Auch die einfache Benutzeroberfläche, die alle Verwaltungsaufgaben in einem Verwaltungswerkzeug zusammenfasst, ist hilfreich. Die Oberfläche ähnelt sehr der Oberfläche von SBS 2008, Administratoren finden sich schnell zurecht (Abbildung 2).

Abbildung 2: Einheitliche Verwaltungsoberfläche im SBS 2011 Standard.

Die Installation des Servers ist sehr einfach und erfordert die Eingabe nur weniger Daten. Alle Aufgaben zur Konfiguration und Anbindung der Funktionen sowie zur Erstellung der Active-Directory-Domäne und Exchange-Organisation laufen im Hintergrund ab. Der Server überwacht alle angebundenen Clients und kann anzeigen, ob beispielsweise Patches fehlen oder der Virenschutz nicht installiert ist.

Ein solcher Schutz fehlt auch in SBS 2011, hier müssen Unternehmen auf Anwendungen von Drittherstellern zurückgreifen. Alternativ besteht für Unternehmen die Möglichkeit, auf Microsoft Security Essentials zu setzen. Dieser kostenlose Virenschutz steht auch für Unternehmen kostenlos zur Verfügung, nicht nur für Privatanwender wie die meisten anderen Freeware-Lösungen.

Zwar ist ein kostenloser Virenschutz besser als gar keiner, Unternehmen sollten ihre Daten aber besser mit professionellen Lösungen schützen. Hier bieten die meisten Hersteller spezielle Produkte für SBS an. Benutzer haben auch in der neuen Version die Möglichkeit, über das Internet per Remote Web Access auf lokale Daten im SBS-Netzwerk zuzugreifen, die Oberfläche dafür hat Microsoft optimiert (Abbildung 3). Administratoren können über diesen Weg im Browser eine RDP-Sitzung auf dem SBS-Server starten und so aus der Ferne Verwaltungsaufgaben durchführen.

Abbildung 3: Anwender können über das Internet auf Daten im Netzwerk und auf ihre Rechner zugreifen.

Enthalten ist auch ein Assistent, der bei der Datensicherung helfen soll. Allerdings ist die Sicherung sehr rudimentär. Unternehmen tun gut daran, in Lösungen von Drittherstellern zu investieren, zum Beispiel Symantec Backup Exec. Die meisten Hersteller von Datensicherungsprodukten bieten auch hier spezielle Versionen für SBS an.

Über Assistenten lässt sich der Server auch nach der Installation vollends einrichten, an das Internet anbinden, mit Zertifikaten versorgen und sichern. Direkt auf der Startseite sehen Administratoren, ob mit dem Server und den angebundenen Clients alles in Ordnung ist, also Patches installiert, Virenschutz aktiv und Daten gesichert sind. Durch verschiedene Schaltflächen lassen sich alle Bereiche des Servers leicht verwalten, Expertenwissen ist kaum notwendig.

Durch die Integration von Exchange Server 2010 können Unternehmen, die SBS 2011 Standard verwenden, auch mobile Clients per Exchange Activesync anbinden, damit mobile Anwender E-Mails abrufen können. Neben Windows-Mobile-Clients funktioniert das mittlerweile bei den meisten Herstellern problemlos, auch mit Apples I-Phone. Unternehmen sollten darauf achten, dass die Anwender möglichst Handys einsetzen, die Exchange Activesync enthalten.

Die Verwaltung der Benutzer findet in der zentralen Konsole statt, genau wie beim Vorgänger. Auf diese Weise lassen sich sehr leicht Rechte erteilen und Gruppen anlegen, genauso E-Mail-Verteilerlisten. Geübte Administratoren können aber auch auf die erweiterten Verwaltungsfunktionen von Windows Server 2008 R2, Exchange Server 2010, WSUS, SQL Server 2008 R2 und Sharepoint Foundation 2010 zugreifen.

In Windows Server 2008 R2 integriert Microsoft die neue Version 2.0 seiner Powershell, die mehr Befehle kennt als die Version 1.0. Außerdem ist die Verwaltung von Exchange und Sharepoint über eigene Verknüpfungen integriert.

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