Wiki-Engines im Praxistest

© Igor Vorobyov, 123RF

Webstuhl fürs Web

Sie sind duldsame Datenspeicher, Sammelstellen für Ideen oder Dokumentationen und wahre Fundgruben für Wissen aller Art. Wiki-Programme bieten faszinierende Werkzeugkästen und sind – dank Wikipedia – aus dem Internet nicht mehr wegzudenken. Sechs dieser Engines beweisen sich im Praxistest.
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Wikis (Hawaiisch für "schnell") sind schon lange Bestandteil des privaten und beruflichen Alltags. Familien und Freunde sammeln ihre leckersten Rezepte, Fans tauschen sich über Fernsehserien aus, Linuxer schreiben gemeinschaftlich Artikel zu ihrer Lieblingsdistribution, und auch in vielen Unternehmen ersetzen sie teure Knowledgebase-Software. Wikis eignen sich ideal, um die eigenen Gedanken und Worte zu weben, und erleichtern das Texten im Team.

Das Handwerkszeug besteht aus einem Browser auf Anwenderseite und einer Wiki-Software auf dem Server. Die Zahl dieser Engines ist inzwischen ins Dreistellige gewachsen, und so ist es an der Zeit für einen Test, wer die schönsten Seiten webt.

Der Stoff, aus dem die Träume sind

Wikis sind fast so alt wie das Web selbst. Bereits 1994 erkannte Ward Cunningham die Notwendigkeit, den Inhalt vom HTML-Code einer Webseite zu trennen und gleichzeitig den Nutzern eine vereinfachte Textauszeichnung an die Hand zu geben, damit sie gemeinsam auf einer Plattform arbeiten und Wissen ohne lästige Zeitverzögerung verwalten können. Revolutionär in seinem Wikiwikiweb [1] war sicherlich auch die Idee der "WikiWörter" (CamelCase), die automatische Verlinkung durch Wörter mit Binnenmajuskel zu den gleichnamigen Wiki-Seiten.

Bis Ende der 1990er fristeten Wikis eher ein Schattendasein und kamen hauptsächlich bei Software-Entwicklern zum Einsatz. Erst mit dem inzwischen wohl bekanntesten Wiki-Projekt, der Wikipedia, traten sie mehr und mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Zu diesem Zeitpunkt war das Ur-Wiki schon wieder in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Ein Grund lag sicherlich im eingeschränkten Markup, aber auch die offene Struktur früher Wiki-Engines ist inzwischen überholt.

Heutzutage ist Wiki-Software entweder gegen Internetphänomene der zerstörerischen Art gerüstet oder sie stirbt aus. Eine Übersicht der letzten Änderungen samt Versionskontrolle, Benutzerverwaltung und Spamschutz sind inzwischen ein Muss. Waren die ersten Wikis noch in Perl geschrieben, so ist laut Wikimatrix [2] die beliebteste Programmiersprache jetzt PHP, dicht gefolgt von Java und C. Etwa die Hälfte aller Wiki-Engines speichert Inhalte in einer Datenbank, viele andere nutzen das Dateisystem zur Ablage, nur eine Minderheit verwendet für diesen Zweck ein Versionskontrollsystem.

Im Test treten Mediawiki, Moinmoin, Dokuwiki, Twiki, Tikiwiki und Tiddlywiki gegeneinander an und zeigen, was sie in puncto Usability und Administration zu bieten haben. Die letzten beiden Kandidaten laufen außer Konkurrenz – Tikiwiki ist weit mehr als nur eine Wiki-Engine, sondern eher eine ausgereifte Community-Plattform, und Tiddlywiki eignet sich als "Wiki on a stick" nicht für große Datensammlungen und viele Benutzer.

Mediawiki

Am Platzhirsch kommt keiner vorbei: Es dürfte kaum jemanden geben, der nicht eines der unzähligen auf Mediawiki [3] basierenden Wiki-Projekte nutzt – selbst wenn er die Wikipedia vermeidet. Hobbyköche tauschen sich im Rezepte-Wiki [4] aus und Trekkies befragen die Wissensdatenbank Memory Alpha [5]. Wer kurz nachschlagen möchte, welche Sherlock-Holmes-Anspielung in der letzten Folge von "Dr. House" vorkam, landet garantiert beim Dienst Wikia [6], der unter anderem zu vielen Fan-Wikis beliebter Fernsehserien verlinkt.

Mediawiki entstand 2002 und wurde gemeinsam mit der Wikipedia groß. Die Engine ersetzt das in Perl geschriebene Usemod [7], auf dem das Wikipedia-Projekt von 2000 bis 2002 aufbaute. Für Usemod bedeutete der Umstieg das Ende, die Entwickler stellten ihre Arbeit im Jahr 2003 ein. Mediawiki ist in PHP implementiert, als Datenbank-Backend dienen wahlweise MySQL, PostgreSQL oder SQLite.

Die aktuelle Version 1.16.0 zeigt sich deutlich performanter als ihre Vorgänger. Ein Administrator mit sehr guten MySQL-Kenntnissen ist allerdings Voraussetzung für den Betrieb dieser Engine. Soll das Wiki öffentlich zugänglich sein, ist nicht nur die Pflege der Datenbank aufwändig. Mit schöner Regelmäßigkeit tauchen Sicherheitslücken in Mediawiki auf. Diese schließt der Admin besser zügig, da unter anderem Botnetze in Wiki-Installationen nach diesen Schwachstellen suchen. Mediawiki leidet also ein bisschen an der eigenen Popularität.

Die Installation ist unproblematisch. Pakete für die gängigen Betriebssysteme stehen bereit. Alternativ reicht es, die Quellen von der Projekt-Homepage auf dem eigenen Webspace zu entpacken und das Verzeichnis im Browser aufzurufen. Dort macht der Admin im Prinzip nur noch Angaben zur Datenbank, um die Einrichtung abzuschließen.

Dass der Wiki-Betreiber die Hauptkonfigurationsdatei »LocalSettings.php« danach von Hand umkopieren muss, mag begründet sein – lästig ist es dennoch. Unschön ist ebenfalls, dass saubere URLs (also solche, die nichts über die dahintersteckende Technologie preisgeben, [8]) ohne Apache-Kenntnisse nicht möglich sind. Andere Softwareprojekte machen seit Jahren vor, dass es auch einfacher und benutzerfreundlicher geht, während bei Mediawiki zumindest in diesem Punkt Stillstand herrscht.

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