Was das Backup wert war, erweist sich, sobald man es versucht ganz oder teilweise wiederherzustellen. Spätestens dann macht sich die Wahl des richtigen Tools ... (mehr)

Kosten und Zielgruppe

Zarafa verspricht eine Kostenersparnis gegenüber MS Exchange von bis zu 50 Prozent. Zwar sind solche Aussagen mit Vorsicht zu genießen, aber schließlich fallen nicht nur die Lizenzkosten für die Software ins Gewicht. Auch die Kosten für das Server-Betriebssystem können mit Linux je nach Distribution komplett entfallen. Im Übrigen fallen auf Linux-Seite ebenfalls Kosten für Installation, Administration und Support an, sofern kein Linux-Know-how im Unternehmen vorhanden ist. Die Migration vorhandener Daten ist ein weiterer Kostenfaktor.

Zarafa eignet sich als Collaboration-Lösung vorrangig – wenn auch nicht ausschließlich – als Exchange-Ersatz beziehungsweise immer dann, wenn es keine Alternative zur Unterstützung MAPI-fähiger Clients gibt. Ist MAPI nicht das Maß der Dinge, droht sogar Konkurrenz aus dem Open-Source-Lager. Andere Collaboration-Lösungen wie Open-Xchange sind technisch ebenfalls interessant und bieten funktional mitunter sogar mehr. Bei Zarafa gibt es nur die klassischen MAPI-Funktionen (E-Mail, Kontakte, Kalender und Aufgaben), sowie die Activesync-Implementierung Z-Push für Smartphones. Die Version 7.0.1 räumt auch mit einem der wenigen Kritikpunkte an den Vorgängerversionen auf, nämlich dem Fehlen eines grafischen Administrations-Frontends. Mit Z-Admin [11] gibt es in Kürze auch ein webbasiertes Administrationswerkzeug, das in Abbildung 2 zu sehen ist.

Abbildung 2: Beim Anlegen eines Benutzers mit Z-Admin lassen sich nicht nur Mailbox-Quotas für Zarafa festlegen, ein Benutzer lässt sich auch per Klick zum Zarafa-Admin machen.

Architektur

Im Zentrum von Zarafas Produktpolitik steht die MAPI-Unterstützung. Technisch gesehen fungiert der Zarafa-Server als skalierbarer MAPI-Store in einer MySQL-Datenbank, der sämtliche von den Clients eintreffenden Verbindungen via SOAP verwaltet und die Daten (E-Mails, auf Wunsch auch Attachments, Adressen und Kontakte) in der MySQL-Datenbank speichert (Abbildung 3).

Abbildung 3: Die Zarafa-Architektur fußt zu einem großen Teil auf Open-Source-Komponenten, was die Collaboration-Lösung besonders gut integrierbar macht. (Quelle: Zarafa)

Die Abbildung verdeutlicht, welche Komponenten von Zarafa entwickelt wurden und unter der AGPL (GNU Affero General Public License – hellblau) stehen oder kommerziell sind (dunkelblau). Die orange gekennzeichneten Elemente/Module sind Open-Source-Komponenten, schwarz/grau sind externe Komponenten (Microsoft). Im Zentrum der Architektur stehen Zarafa-Server und Client (MAPI Provider). Letzterer ist kommerzielles Herzstück der Zarafa-Suite und wird unter Windows als MSI-Paket installiert (Abbildung 4).

Abbildung 4: Herzstück der Collaboration-Lösung ist neben dem Zarafa-Server der MAPI-Provider in Form des Zarafa-Client, der zwischen Outlook und Zarafa-Server vermittelt.

Mit erfolgreicher Installation des Zarafa-Clients steht beim Anlegen eines neuen Mail-Profils für Outlook der Zarafa-Server als alternativer Service neben MS Exchange zur Verfügung (Abbildung 5).

Abbildung 5: Der Zarafa-Server präsentiert sich gegenüber Outlook als vollwertiger MAPI-Server.

Beim Verbinden mit den hier einzugebenden Account-Daten verhält sich der Zarafa-Server gegenüber Outlook wie ein Exchange-Server. Outlook kommuniziert dann via MAPI (SOAP over HTTPS) genauso mit dem Zarafa-Server wie sonst mit Exchange (Abbildung 6).

Abbildung 6: Der Zarafa-Client regelt die Anmeldung am Zarafa-Server, wahlweise via HTTP oder HTTPS. Ein separates Mail-Profil in der Windows-Benutzerkontensteuerung sorgt dafür, dass der Nutzer Outlook mit lokalen Stores (PST-Datei) oder als echten MAPI-Client nutzen kann.

Zum Administrieren des Zarafa-Servers steht bis einschließlich der Version 7.0 RC1 nur das Kommandozeilentool »zarafa-admin« zur Verfügung, mit dessen Hilfe sich unter anderem Benutzer, Benutzerinformationen und Gruppen verwalten lassen. Schließlich gibt es mit »zarafa-monitor« einen Daemon, der die Quota-Einstellungen überwacht und den Benutzer beim Überschreiten informiert. Alle weiteren verfügbaren Zarafa-Tools sind optional und für die Basis-Funktionalität nicht zwingend erforderlich.

Übrigens stellt Zarafa keinen Mailserver zur Verfügung. Mit der Fokussierung auf MAPI beziehungsweise Outlook als Client ist ein IMAP-/POP-Server bei Zarafa eigentlich überflüssig, denn selbst das Webfrontend kommuniziert via MAPI mit dem Zarafa-Server. Sollen trotz der gebotenen MAPI-Funktionalität andere Mail-Clients als Outlook- oder Zarafa-Webaccess zum Einsatz kommen, kann der Zarafa-Admin die Dienste »zarafa-gateway« und »zarafa-ical« installieren. Das Gateway vermittelt nur zwischen Datenbank und Client und ersetzt keinen echten IMAP-Server. Analog lassen sich Kalender-Informationen aus der Datenbank mit der Installation von »zarafa-ical« auch via iCal oder CalDAV nutzen. Beide Dienste gehören nicht unbedingt zu den Schokoladenseiten von Zarafa. Während das IMAP-Gateway zumindest funktional zufriedenstellend seinen Dienst verrichtet, gab es in der Vergangenheit von Nutzerseite häufig Klagen hinsichtlich der iCal-Kompatibilität. Der volle Zarafa-Funktionsumfang steht ausschließlich via MAPI zur Verfügung, auch im Webaccess. Weiter bietet das Tool »zarafa-backup« , sofern es die Lizenz erlaubt, ein Backup-Werkzeug zum Erstellen einfacher Backups einzelner Benutzerkonten; das korrespondierende Restore-Tool heißt »zarafa-restore« .

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