Interview mit Nagios-Chefentwickler Ethan Galstad

Industriestandard fürs Monitoring

Ende September fand im amerikanischen Saint Paul die erste Nagios World Conference, ausgerichtet von Nagios-Erfinder und -Entwickler Ethan Galstad, statt. Er konnte mehr als 150 Teilnehmer aus aller Welt begrüßen und fand am Rande der Konferenz Zeit für ein Gespräch mit dem ADMIN-Magazin.
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Galstad präsentierte in seiner Keynote Neuerungen zu Nagios im Open-Source- und kommerziellen Bereich, hauptsächlich Erweiterungen bestehender Community-Projekte wie Nagios Core Configuration Management (NCCM), ein neues auf PHP basierendes Webinterface oder ein Addon für das Business Process Monitoring. Die Rede war auch von Entwicklungsarbeiten an einem neuen Nagios-4-Kern, aber Termine konnten dazu nicht genannt werden. Daneben will sich Galstads Firma Nagios Ltd. künftig verstärkt um Supportangebote auch für die kostennlose Version bemühen. Im Einzelnen antwortete Ethan Galstad:

ADMIN: Welche neuen Features werden gegenwärtig für Nagios XI und Nagios entwickelt?

Galstad: Unser Team hat im vergangenen Jahr viele neue Entwicklungen veröffentlicht, und in den nächsten Monaten kommen noch einige hinzu. Da ist zuerst die Nagios V-Shell, eine neue PHP-GUI für Nagios, die ohne CGIs auskommt. Mithilfe von Ajax kann sie Daten auf dem Bildschirm live updaten, sie bietet Paging und einige Features mehr. Erst kürzlich haben wir zudem die Unterstützung für eine Lokalisierung hinzugefügt, die Nagios für Anwender in der ganzen Welt bessser handhabbar macht. Seit ihrem Erscheinen gehört die V-Shell zu den populärsten Nagios-Downloads.

Dann gibt es da unser neues Business Process Intelligence-Addon, das es einfach macht, Geschäftsprozesse mit Nagios zu überwachen. BPI offeriert fortgeschrittene Möglichkeiten für eine Gruppierung, erweiterbare Prozess-Bäume und eine einfache Konfiguration.

Der Nagios Core Config Manager (CCM) ist ein neues Konfigurations-Frontend, das wir auf der Grundlage der Erfahrungen mit Nagios XI entwickelt haben. Das Projekt begann als Überarbeitung von NagiosQL, hat sich aber inzwischen ausgeweitet und bietet Features, nach denen viele Kunden lange suchten. Das Projekt durchläuft im Moment eine eingeschränkte Beta-Phase mit einigen Kunden, sollte aber Ende des Jahres für alle verfügbar sein.

In den nächsten zwei Monaten wird außerdem ein neues Release der NDOUtils erscheinen, das asynchrone (nicht blockierende) Schreiboperationen auf das Datenbank-Backend erlaubt. Zudem werden weitere Performanceverbesserungen – besonders für Datenbanken in großen Umgebungen – Eingang in die Codebasis finden.

NRDP ist eine neu entwickelte Lösung für das Versenden und Verarbeiten passiver Checks. Es wurde als Ersatz für NSCA entwickelt und transportiert seine Daten im XML-Format via HTTP, was seinen Einsatz in Umgebungen erleichtert, die mit Firewalls gesichert sind. Perl- und PHP-Clients machen es leicht, NRDP für verteiltes Monitoring und die Integration von Alarmen externer Applikationen in Nagios einzusetzen.

Nagios Mobile ist ein neues Frontend, dessen Veröffentlichung für November geplant ist. Es soll es für den Admin einfacher machen, Alarme an jedem Ort zu managen, an dem er sich gerade befindet.

Zu den neuesten Erweiterungen für Nagios XI zählen neue Visualisierungs-Tools wie Heatmaps und Alertstreams, fortgeschrittene Reports und Exportmöglichkeiten dafür, bessere Optionen für verteiltes Monitoring, Performanceverbesserungen, eine LDAP-Integration und mehr. Außerdem wurden neue Wizards entwickelt, die es einfacher machen, eine Überwachung von Active Directory, Exchange, SQL Server, Oracle oder DB2 zu konfigurieren.

Wir beobachten weiter, dass eine wachsende Anzahl von Kunden von Nagios Core oder anderen Monitoringlösungen zu Nagios XI migriert, was ein gesteigertes Interesse an noch mehr neuen Features weckt. So planen wir für kommende Versionen zeitgesteuerte Reports, weitere APIs und eine weiter verbesserte Skalierbarkeit.

Außerdem arbeiten wir an einer API, die es externen Applikationen möglich machen soll, Kommandos an Nagios XI oder Nagios Core zu schicken, an einen SNMP Trap Manager und an "Nagios Montage", einen einfach verwendbaren, paketierten Nagios Core mit den populärsten Addons.

Das alles ist nur ein kleiner Ausschnitt aus der Nagios-Entwicklung der letzten Zeit. Allein im Jahr 2011 wurden über 600 verschiedene Addons, Plugins und Projekte veröffentlicht.

ADMIN: Was denken Sie über Shinken, Icinga und andere Forks?

Galstad: Es gibt mehrere Dutzend Reimplementierungen in verschiedenen Sprachen – einige kommerziell, andere Open Source. Einige werden derzeit weiterentwickelt, aber viele sind aufgrund der mangelnden Nachhaltigkeit ihrer Communities wieder eingestellt worden. Sourceforge ist die Heimat Tausender Projekte, die nach kurzer Zeit wieder aufgegeben wurden.

Soweit ich sehe, befindet sich Shinken noch in einer sehr frühen Entwicklungsphase und ist wahrscheinlich zu jung, um für Produktivumgebungen infrage zu kommen. Bugs im Python-Code werden seine Entwickler wohl noch einige Zeit beschäftigen, während Bedenken wegen der Skalierbarkeit das Projekt womöglich von großen Umgebungen fernhalten werden.

Icinga hat einige Fortschritte an verschiedenen Fronten erzielt, aber es hat viel weniger Addons und eine viel kleinere Community als Nagios. Zusätzlich scheint das Entwicklungsteam in den letzten zwei Jahren eine hohe Fluktuation gehabt zu haben, was es fraglich macht, ob es auf lange Sicht die nötige Beständigkeit erreicht.

Wenn Entwickler ein Projekt starten, denken sie selten daran, wie es viele Jahre überstehen kann. In den letzten 13 Jahren Nagios-Entwicklung habe ich zahlreiche Herausforderungen kommen sehen und überstanden, die andere längst dazu gebracht hätten, ihr Projekt aufzugeben.

ADMIN: Was zeichnet Nagios gegenüber diesen Forks aus?

Galstad: Organisationen vertrauen Nagios wegen seiner Flexibilität, langen Geschichte, der weltweiten Community und der Fülle freier Addons. Deshalb gab es mehr als drei Millionen neuer Nagios-Installationen in den letzten 12 Monaten weltweit. Deshalb ist Nagios heute der wahre Industriestandard für das Monitoring.

Firmen ist es wichtig, sich für eine Lösung zu entscheiden, die sich auf eine lange Geschichte und eine aktive Community stützen kann.

Nagios hat eine sehr viel größere Community als andere Projekte, was Firmen mehr Unterstützung, eine bessere Dokumentation und mehr Addons verspricht, wenn sie sich entschließen, Nagios zu verwenden. Tausende Addons wurden bereits für Nagios entwickelt. Die meisten finden sich auf dem Web-Portal Nagios Exchange [1]. Seit 2009 wurden etwa 1500 neue Projekte abgeschlossen, darunter rund 600 allein im Jahr 2011. Dahinter steht ein gewaltiger Entwicklungsaufwand. Andere Projekte kommen in dieser Beziehung nicht einmal in die Nähe.

Infos

  1. Nagios Exchange: http://exchange.nagios.org

Der Autor

Christian Mies arbeitet als Senior Consultant und Projektleiter für den Nagios-Spezialisten it-novum. Er beschäftigt sich neben Nagios auch mit Open IT-Cockpit, Prince2 oder ITIL v3 und betreibt in seiner Freizeit engagiert Ausdauersport.

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