Alles Wurscht

Mit E-Mail-Diensten muss sich jeder Administrator früher oder später einmal beschäftigen. Das zur CeBIT erscheinende ADMIN 02/2012 gibt dazu Praxis-Tipps und ... (mehr)

 

Freilich passiert das selbst bei uns nicht jeden Tag. Doch zuweilen berühren die Gespräche im Kollegenkreis die Grundfragen des Seins. So kam erst kürzlich das existenzielle Problem aufs Tapet, ob Weißwürste paarweise zu bestellen seien oder nicht. Allein der Begriff "Weißwürscht", gab sich zunächst ein dialektfester Bajuware überzeugt, kenne überhaupt keinen Singular und müsse daher implizit mindestens ein Paar bezeichnen. Wer dagegen Weißwürste zusammen mit der Mengenbezeichnung Stück im Munde führe, offenbare die Ahnungslosigkeit des Zuagroasten. Allerdings blieb diese linguistische Deutung nicht lange unwidersprochen: "Das Gegenteil ist richtig", wandte ein Zweiter ein, sogar ebenfalls Bayer, nicht etwa Zuzügler. "Wovon man sich unter anderen mit einer Google-Suche nach 'Weißwürste paarweise' überzeugen kann."

Damit war alles gesagt. Das Netz hatte gesprochen. Wahr ist, was sich googeln lässt. Und in der Tat: Zumindest unter denen, die sich berufen fühlen, im Streit um die korrekte Spezifikation der Verzehrmenge von Weißwürsten öffentlich Stellung zu beziehen, überwogen klar die Verfechter der stückweisen Order. Was zählt schon Lebenserfahrung gegen eine Handvoll Links?

Wie verloren muss der Mensch gewesen sein, als es noch kein Internet gab? Dumme Frage eigentlich: Ich habe es ja seinerzeit erlebt. Da hätte man die Weißwurstfrage vielleicht mit Klaus und Franz in der Raucherpause diskutiert und zurück am Schreibtisch vergessen. Anders als heute, wo der Mailverteiler die Belegschaft flächendeckend involviert, hätte sich der Bajuware womöglich gar nicht herausgefordert gefühlt. Großes wäre ungesagt geblieben. Oder, schlimmer, unentschieden. Denn für den Autoritätsbeweis hätte man höchstens Meyers Lexikon heranziehen können, das zwar die bayerische Wurstspezialität kennt, sich aber in der Frage der richtigen Bestellung bedeckt hält.

Schon der Tag nach dem Weißwurst-Diskurs bescherte mir ein Déjà-vu. Die englische Wikipedia inszenierte einen Blackout und warf ihre Nutzer in diese schreckliche Vorzeit des Internets zurück. Als anschauliche Mahnung, was uns blühen könnte, wenn es ein paar amerikanischen Hardlinern und Lobbyisten gelingen sollte, Gesetzesvorlagen durchzudrücken, die der Zensur Tür und Tor öffnen, den Rechtsweg unterminieren und gewöhnliche Nutzer kriminalisieren. Eine Gefahr, die - siehe Acta - nicht nur in den USA droht.

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