Eigenen IRC-Server für das Unternehmen aufsetzen

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Oldie but Goldie

Der Betrieb eines IRC-Servers wirkt fast schon anachronistisch, doch bietet der Klassiker aus den frühen 90er-Jahren viel Funktion bei wenig Ressourcenverbrauch. Im Büroalltag ermöglicht der Internet Relay Chat (IRC) eine einfache Kommunikation über Zimmer- und Etagen-Grenzen hinweg.
Security ist ein stets aktuelles Thema in der IT. Deshalb widmet sich das ADMIN-Magazin 04/2012 speziell Sicherheitsaspekten und gibt Antworten auf die Fragen: ... (mehr)

Totgesagte leben länger: Das IRC-Protokoll, das während der großen Blase am Anfang dieses Jahrtausends populär war, ist etwas aus der Mode gekommen. Sehr zu Unrecht, bietet es doch eine ressourcenschonende Möglichkeit für die textbasierte Kommunikation innerhalb eines Unternehmens. Bis dato findet sich unter IRCs diversen Protokoll-Nachfolgern keines, bei dem sich annähernd so bequem auch eine größere Menge an Leuten in einem einzelnen Chatraum zusammenfinden kann. Gleichzeitig punktet IRC mit seinen verschwindend geringen Hardware-Anforderungen: Selbst auf ausgemusterten PCs lässt sich ein IRC-Server für mehrere Hundert Benutzer problemlos betreiben. Und: IRC-Clients finden sich wie Sand am Meer für alle Betriebssysteme – oft genug gehört ein IRC-Client zum Standardumfang der großen Instant-Messaging-Lösungen (Gaim, Adium X).

IRC ist die Lösung

Wenn Sysadmins nach Optionen suchen, um den Angestellten eines Unternehmens einen Kommunikationspfad via Chat-System zur Verfügung zu stellen, ist IRC deshalb die offensichtliche Lösung. Wer IRC eine Chance geben möchte, steht zunächst vor der Qual der Wahl hinsichtlich der Server-Software: Eben weil IRC schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, existieren unzählige Varianten von IRC-Servern. Fast alle stammen vom ursprünglichen Code ab, der bis heute im IRCNet [1] im Einsatz ist und dem ursprünglichen IRC-RFC [2] noch am nächsten ist. Daneben existiert eine Unzahl von Nachfolgern und Forks: Jedes der großen öffentlichen IRC-Netzwerke hat einen eigenen Fork; zusätzlich sind diverse Forks in Form von Privatprojekten im Umlauf. Der Shooting Star der IRC-Server war in den letzten Jahren Ratbox-IRCd, der im EFnet in der ursprünglichen Version zum Einsatz kommt und im bekannten OSS-IRC-Netz Freenode ebenfalls mitspielt (dort kommt »ircd-seven« zum Einsatz, der ein Abkömmling von Charybdis ist, der schließlich einen Fork von Ratbox darstellt).

Die Installation von Ratbox

Wer einen IRC-Server mit Ratbox betreiben möchte, legt zunächst selbst Hand an: Die Distributionen haben schon vor Jahren den Versuch aufgegeben, für die existierenden IRC-Server fertige Pakete anzubieten – lediglich in Ubuntu ist ein Ratbox-Paket zu finden. Anderswo ist Kompilieren angesagt, doch gestaltet sich diese Übung bei Ratbox sehr angenehm. Die Ratbox-Quellen finden sich auf [3] und sind nach dem Entpacken mit dem klassischen Trikolon aus »configure« , »make« und »make install« zu installieren.

Etwas seltsam mutet die Tatsache an, dass Ratbox als Default-Präfix »/usr/local/ircd« verwendet und nicht »/usr/local« (Abbildung 1). Wer den IRCd nach »/usr/local« umlegen möchte, gibt »configure« mittels »--prefix=« -Parameter den passenden Parameter mit auf den Weg. Administratoren wollen meistens auch die Parameter verändern, die die maximale Länge von Nicknames im IRC-Netz und die maximale Länge von Channel-Themen (Topics) bestimmen: Ab Werk hat Ratbox hier 9 Zeichen (Nickname) und 180 Zeichen (Topic) vorgesehen, was nicht mehr zeitgemäß ist. Mit den Parametern »--with-topiclen=« und »--with-nicklen=« für »configure« lassen sich die Werte ändern. Last but not least spielt auch SSL noch eine Rolle: Ratbox kann IRC über SSL, doch ist dafür »libssl-dev« Voraussetzung. Soll SSL also funktionieren, ist das System dementsprechend vorzubereiten.

Abbildung 1: Bei der Standard-Installation packt Ratbox-IRCd seine Dateien nach

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