Mit Hardware-Beschleunigung und schnellem Netz hilft Desktop-Virtualisierung, Administrationsaufwand und Kosten sparen, ADMIN 04/2013 verrät, wie die ... (mehr)

Alternativen

Zu der bis hierhin beschriebenen Desktop-Virtualisierung gibt es zahlreiche Alternativen, bei denen die Grenzen zum Teil fließen. So kann man anstelle des Desktops in einer kompletten virtuellen Maschine auch nur Applikationen virtualisieren, wie es der klassische Terminalserver macht. Die Applikation läuft dann auf dem Server, die Präsentation des Desktops übernimmt der Client.

Daneben ist es möglich, den gesamten Desktop oder auch nur einzelne Applikationen zum Client zu streamen und dort auszuführen. Solche Lösungen kennen zuweilen Mechanismen, mit deren Hilfe der Stream lokal gepuffert werden kann, sodass beispielsweise im mobilen Einsatz auch ohne Serververbindung ein Weiterarbeiten möglich ist. Später werden die Änderungen der verbindungslosen Zeit dann wieder mit dem Server synchronisiert.

Schließlich muss gar nichts virtualisiert werden, sondern man kann den Desktop auch auf zentraler physischer Hardware - beispielsweise einem Blade-Server - betreiben, wobei am Arbeitsplatz wieder ein Thin Client reicht. Schließlich bilden die einfachste Alternative Managed-PCs, die durch eine Softwareverteilung mit Betriebssystem und Anwendungen versorgt werden. Beides läuft dann lokal auf dem Client.

Alle diese Alternativen profitieren von der Zentralisierung mit dem oben schon beschriebenen Nutzen, zum Teil können sie auch die Vorteile der Thin Clients ausschöpfen. Manche dieser Alternativen haben mit der Desktop-Virtualisierung allerdings auch dieselben Nachteile gemein.

Nachteile

Was auf den ersten Blick unschlagbar vorteilhaft erscheint, hat bei näherem Hinsehen doch den einen oder anderen Pferdefuß. Im Einzelnen sind das:

  • Kosten: Der verminderte Administrationsaufwand spart Geld und ein Thin Client ist deutlich billiger als ein PC. Trotzdem muss man rechnen, denn anderswo entstehen neue Kosten: Etwa für die VDI-Software mit allen Komponenten, für die Hardware der nötigen Server plus Storage und Netzwerk, für neue Endgeräte und nicht zuletzt für die richtigen Applikations- und Betriebssystem-Lizenzen der Gäste (vergleiche Kasten "Wir haben viel über Komplexität gelernt"). Die zusätzlichen Kosten können ohne Weiteres die Einsparungen auffressen.

Wir haben viel über Komplexität gelernt

Als einer von wenigen Open-Source-Anbietern hat die Bremer Univention GmbH ein Angebot zur Desktop Virtualisierung im Programm. Das ADMIN-Magazin sprach mit Peter H. Ganten, Geschäftsführer von Univention und Vorstandsvorsitzender der Open Source Business Alliance (OSBA).

ADMIN-Magazin: Desktop-Virtualisierung scheint ein Produkt zu sein, das Jahr um Jahr kurz vor dem Durchbruch steht, es aber dann doch nicht zu wirklich breiter Akzeptanz schafft. Die Vorteile liegen auf der Hand und überzeugen – trotzdem greift nur ein kleiner Teil der Anwender zu. Was meinen Sie, woran das liegt?

Peter H. Ganten: Desktop-Virtualisierung ist vor allem im Microsoft-Umfeld interessant, leider ist die Lizenzierung von Windows dafür jedoch alles andere als trivial. OEM- oder Volumenlizenzen können damit nicht genutzt werden und bei Vollversionen gibt es unpraktikable Einschränkungen. Kunden müssen deswegen zusätzlich Microsoft Software Assurance und sogenannte Virtual-Desktop-Access-Lizenzen erwerben. Dabei handelt es sich um Subskriptionen, also um jährlich wiederkehrende Kosten. Betrachtet man damit einen Fünfjahreszeitraum, wird klar, dass sich damit allein die Kosten für Windows schnell um einige hundert Euro pro Arbeitsplatz erhöhen.

Daneben stellt die Beherrschung des Themas für IT-Abteilungen oft eine signifikante Herausforderung dar, denn Konzepte wie das Klonen von Images, Copy-On-Write und die besonderen Anforderungen an Software-Verteilung müssen verstanden und beherrscht werden, um Desktop-Virtualisierung erfolgreich zu betreiben.

Und schließlich stellt der Windows-Desktop heute ja eine Brückentechnologie dar, die insbesondere durch Web-basierte Anwendungen abgelöst wird. In vielen Fällen sind Organisationen einfach besser beraten, in die Web-basierte Bereitstellung von Software als in Desktop-Virtualisierung zu investieren.

ADMIN-Magazin: Desktop-Virtualisierung konkurriert mit einer Reihe anderer Techniken, die ebenfalls auf Zentralisierung setzen und teilweise auch Thin Clients benutzen können. Dazu gehört der klassische Terminalserver, aber auch das Streaming von Betriebssystem oder Anwendungen, Managed- oder Blade-PCs. Wie würden Sie Desktop-Virtualisierung in dieses Umfeld einordnen?

Peter H. Ganten: Ja, genau. Eine größere Anzahl gleichartiger Arbeitsplätze ist mit klassischen Terminalserverlösungen oft besser bedient, sind diese Lösungen doch einfacher zu lizenzieren, weniger komplex und haben geringere Hardware-Anforderungen.

Desktop-Virtualisierung ist dort interessant, wo sehr individualisierte Desktops zentral bereit gestellt werden sollen. Blade-PCs dienen einem ähnlichen Zweck, sind aber natürlich sehr viel weniger flexibel.

ADMIN-Magazin: Beim herkömmlichen Server Based Computing hat man zuerst Arbeitsplätze in der Verwaltung, in Versicherungen oder Banken im Hinterkopf. Wie weit muss ein Arbeitsplatz heute standardisiert sein, damit er sich für Desktop-Virtualisierung eignet?

Peter H. Ganten: Der aus unserer Sicht heute interessanteste Markt für Desktop-Virtualisierung ist das Schul- und Schulungsumfeld. Desktop-Virtualisierung bietet hier die Möglichkeit, sehr schnell je nach Unterrichts- oder Schulungssituation unterschiedliche Desktops bereitzustellen oder von Lernenden veränderte Desktops für spätere Sitzungen zu speichern, um in der Zwischenzeit andere Desktop-Umgebungen bereitzustellen.

Einschränkungen ergeben sich insbesondere bei aufwändigen Grafikanwendungen wie zum Beispiel bei Spielen. Um hier gute Performance zu erreichen, werden erhebliche Server-Ressourcen und beste Netzwerk-Performance benötigt. Außerdem ist der Zugriff auf lokal angeschlossene Hardware in bestimmten Fällen eine Herausforderung.

Eine Alternative zur Server-seitigen Desktop-Virtualisierung ist deswegen die Client-seitige Desktop-Virtualisierung, bei der die virtuellen Maschinen direkt auf dem Client ausgeführt und nur zentral gemanaget werden. Hier entfallen die Anforderungen an zentrale Server-Hardware und auch Grafik- und Hardware-Unterstützung sind meist besser, weil die entsprechenden Operationen lokal und nicht über das Netzwerk abgewickelt werden.

ADMIN-Magazin: Den VDI-Markt teilt sich momentan im Wesentlichen VMware als Marktführer mit Citrix und Microsoft als kleinerem Partner. Ihr Unternehmen bietet auch eine Lösung zur Desktop-Virtualisierung an: Wo sehen Sie ihre Nische?

Peter H. Ganten: Wir haben vor zwei Jahren ein Desktop-Virtualisierungsprodukt veröffentlicht, mit dem wir viele mit dem Thema verbundene Herausforderungen auf einen Schlag lösen wollten und gleichzeitig viel über die tatsächliche Komplexität solcher Lösungen gelernt haben. Dieses Produkt haben wir aus den genannten Gründen abgekündigt. An Stelle dessen planen wir zur Zeit einen sehr viel schlankeren Ansatz, der Administratoren deutlich mehr Freiraum lässt.

Der neue Ansatz kann die Basis für die Integration von Desktop-Virtualisierung mit unseren Lösungen für Schulen und Schulträger sowie für projektspezifische Implementierungen bilden. In einem späteren Schritt können wir uns auch die Bereitstellung virtualisierter Desktops aus der Cloud für kleinere Organisationen, bei denen es auf sehr geringe Komplexität und maximale Flexibilität ankommt, vorstellen. Entscheidungen sind jedoch noch nicht gefallen.

  • Serverabhängigkeit: Sie ist die direkte Kehrseite der Zentralisierung. Fällt der Virtualisierungs-Host aus, geht nichts mehr. Also ist man gezwungen, nicht nur einen leistungsstarken Server zur Verfügung zu stellen, sondern den in jedem Fall auch hochverfügbar zu machen. Dasselbe gilt für Storage und Netzwerk. Das erzeugt nicht nur Kosten, sondern sorgt auch für zusätzliche Komplexität.
  • Lokale Hardware: Setzen Anwendungen lokal verfügbare Hardware voraus, beispielsweise einen USB-Dokumenten-Scanner oder ein externes optisches Laufwerk am Thin Client, muss man sorgfältig recherchieren, ob man die zum Server durchschleifen kann. Das ist nicht immer möglich.
  • Grafik und Multimedia: Auch grafikintensive Anwendungen, Video und Audio sind mit Thin Clients möglich, verlangen aber unter Umständen nach speziellen und teureren Clients und kosten in jedem Fall viel Netzwerk-Bandbreite. Außerdem empfehlen sich spätestens dann moderne Übertragungsprotokolle wie PCoIP (VMware) oder HDX (Citrix), die solche Inhalte effizienter übermitteln als das alte ICAN (Citrix) oder RDP (Microsoft).
  • Vorbehalte: Mancher User fühlt sich degradiert, wenn er seinen voll ausgestatteten PC gegen einen Thin Client tauschen soll, den er zudem weder administrieren kann noch darf. Psychologische Barrieren sind nicht zu unterschätzen, denn schlimmstenfalls führen sie zu innerer Kündigung und Dienst nach Vorschrift.

Größter Vorteil Flexibilität

Ein namhafter Kunde der Desktop-Virtualisierung von Citrix ist die IHK Würzburg-Schweinfurt. Das ADMIN-Magazin sprach mit Christian Maurer, Bereichsleiter IT-Service.

ADMIN-Magazin: Zahlreiche Vorteile einer Desktop-Virtualisierung liegen auf der Hand: Woraus ziehen Sie den größten Gewinn und wurden Ihre Erwartungen dabei erfüllt?

Christian Maurer: Als größten Vorteil sehen wir die Flexibilität. Zum einen gibt es steigende Anforderungen der Fachbereiche an IT-Produkte. Heute können wir Lösungen schnell und ohne großen Kostenaufwand an die jeweilige Systemumgebung anpassen. Der zweite Punkt ist die Verfügbarkeit. Dank virtueller Desktops kann sich jeder Mitarbeiter an jedem Arbeitsplatz intern und mittels Token auch extern mit jedem Endgerät gesichert auf seiner Arbeitsplatzumgebung anmelden.

ADMIN-Magazin: Welche Wünsche sind noch offen geblieben? Welche künftige Entwicklung der Software hätte für Sie den höchsten Stellenwert?

Christian Maurer: Für uns liegt ein starker Fokus auf dem Bereich Anwendungsvirtualisierung. Daher wünsche ich mir viele neue innovative Entwicklungen in dieser Technologie. Auch bei dem seit Jahren auf der Agenda stehenden Produkt Xen Client hoffen wir auf einen baldigen Einsatz, um Notebooks künftig noch schneller und effektiver verwalten zu können.

ADMIN-Magazin: War es schwierig, Ihre Anwender davon zu überzeugen, auf einen eigenen, physischen, vollwertigen PC zu verzichten? Wenn es Vorbehalte gab, wie konnten Sie die überwinden?

Christian Maurer: Die IHK Würzburg-Schweinfurt hat bereits im Jahr 2000 Terminalserver in Betrieb genommen. Im Zuge dessen wurden bereits erste Thin Clients installiert und ältere PCs als Terminal umfunktioniert. Im Laufe der Zeit wurden weitere PCs nur noch durch ThinClients ersetzt. Seit 2010 gibt es in der IHK Notebooks nur für Mitarbeiter mit Außenkontakt, außerdem vier Fat Clients für die zwei Kassensysteme sowie die zwei Arbeitsplätze in der Telefonzentrale. Alle anderen Mitarbeiter haben Thin Clients. Seit 2013 werden bereits Notebooks gegen iPads und Thin Clients ausgetauscht. Da am Thin Client alle Funktionen für Kartenleser und Scanner funktionieren, gibt es keine Vorbehalte.

ADMIN-Magazin: Welche Veränderung hat die Desktop-Virtualisierung in Ihrer IT-Organisation nach sich gezogen?

Christian Maurer: Das Administrieren der Systeme ist von jedem Ort der Welt aus möglich. Die Administratoren haben noch mehr Zeit sich auf wesentliche Aufgaben zu konzentrieren. Auch die Anwender genießen ihre neugewonnene Flexibilität in vollen Zügen, sodass wir uns über die Verfügbarkeit unserer IT-Systeme außerhalb der normalen Arbeitszeiten Gedanken machen mussten.

ADMIN-Magazin: Verschiedene Anbieter offerieren Lösungen für die Desktop-Virtualisierung. Was hat Sie bewogen, ein Produkt von Citrix einzusetzen?

Christian Maurer: Der ausschlaggebende Punkt war, dass Citrix sich über Jahre hinweg einen Know-How-Vorsprung erarbeitet hat. Dieser liegt unter anderem in der sehr performanten Übertragung der Inhalte zu den Thin Clients. Das hat sich durch mehrere Test immer wieder bestätigt. Ein weiterer Vorteil war die sehr attraktive Lizenzpolitik seitens Citrix, da wir schon seit Jahren Citrix-Lizenzen einsetzen.

Einen Wechsel vom herkömmlichen zum virtuellen PC muss die IT-Abteilung in jedem Fall sorgfältig planen, denn er hat vielerlei Konsequenzen.

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