Mit Hardware-Beschleunigung und schnellem Netz hilft Desktop-Virtualisierung, Administrationsaufwand und Kosten sparen, ADMIN 04/2013 verrät, wie die ... (mehr)

Auswirkungen

Zunächst müssen im Rechenzentrum alle jene Ressourcen verfügbar sein, die vorher verteilt unter den Schreibtischen werkelten. Das betrifft nicht nur einen Virtualisierungs-Server mit ausreichender Rechenkapazität – über den Daumen gepeilt kann man mit maximal einem Dutzend VMs pro Core rechnen, wenn der Workload wenig anspruchsvoll ist. Das betrifft namentlich auch den Speicher für alle virtuellen Festplatten der virtuellen PCs.

Selbst wenn man jeder virtuellen Instanz nur 30 oder 40 GByte genehmigt, summiert sich der Bedarf schnell zu Dutzenden TBytes. Sollen sich Snapshots der virtuellen Instanzen sichern lassen, brauchen sie extra Platz. Ein SAN bietet sich an, ist aber nicht billig. Einem Analysten von Gartner zufolge entfallen bis zu 60 Prozent der VDI-Budgets auf Storage, zumal es nicht nur um die Kapazität geht, sondern auch um die Performance, die die Benutzerakzeptanz mitbestimmt,

Das Netzwerk sollte zudem beispielsweise keine alte 10-MBit-Technik mehr enthalten, wie sie etwa in Gestalt kleiner Switche oft noch am Arbeitsplatz vorkommen, selbst wenn sonst alles modernisiert wurde. Jeder Hardware-Engpass führt zu schlechter Performance und untergräbt damit die Akzeptanz der Lösung. Ganz neue Probleme können sich ergeben, wenn die Desktops via WAN ausgeliefert werden sollen.

Alle Komponenten müssen außerdem Reserven enthalten und skalierbar sein, damit sie sich auch künftigen Anforderungen anpassen lassen, und sie müssen immer verfügbar sein. Das betrifft auch die Netzwerkinfrastruktur, die redundant ausgelegt und sorgfältig geplant sein muss, damit nicht der Ausfall eines einzelnen Switches die ganze Umgebung lahm legt. In manchen Fällen wird man sogar über ein geografisch getrenntes Ausweichrechenzentrum nachdenken müssen, mindestens aber über ein Backup in einem anderen Brandabschnitt. Sehr hohe Anforderungen an die Verfügbarkeit sind nun einmal der Preis der Zentralisierung.

Desktop-Virtualisierung macht den berühmten Turnschuh-Admin arbeitslos. Insofern verändern sich nicht zuletzt die Arbeitsprozesse in der IT. Aber für seinen Administrator-Kollegen im Rechenzentrum steigen die Anforderungen, denn die IT-Landschaft wird anspruchsvoller und komplexer. Auch die Kosten für unter Umständen nötige Qualifizierungsmaßnahmen gehen in die Gesamtrechnung ein. Die wiederum kann man sich unter Umständen sparen, wenn man die Arbeitsumgebung gleich als Desktop-as-a-Service (DaaS) aus der Cloud bezieht.

Zentrale Verwaltung ist größter Vorteil

Ein großer Anwender von VMwares Virtualisierungslösung View ist die DER Deutsches Reisebüro GmbH & Co. OHG. Das ADMIN-Magazin sprach mit Sascha Karbginski, Teamleiter IT-Operations/Support.

ADMIN-Magazin: Zahlreiche Vorteile einer Desktop-Virtualisierung liegen auf der Hand: Woraus ziehen Sie den größten Gewinn und wurden Ihre Erwartungen in dieser Beziehung erfüllt?

Sascha Karbginski: Wir stellen unseren Mitarbeitern in 560 Filialen mehr als 2000 Desktop-Arbeitsplätze zur Verfügung. Der für uns größte Gewinn ist daher ganz klar die zentrale Verwaltung und damit die Kontrolle über den Arbeitsplatz, was erst durch die Desktop-Virtualisierung möglich wurde.

Beispielsweise haben wir aufgrund einer geänderten Systemanforderung vor knapp zwei Jahren den Arbeitsspeicher je Desktop erhöhen müssen. Durch die Virtualisierung ließ sich das tagsüber, an einer zentralen Stelle durchführen. Gegenüber einer klassischen Desktop-Infrastruktur hat uns dies nicht nur die Kosten für einen Technikereinsatz gespart, sondern verlief auch vollständig innerhalb eines einzigen Tages ohne jede Downtime für den Anwender.

ADMIN-Magazin: Welche Wünsche sind noch offen geblieben? Welche künftige Entwicklung der Software hätte für Sie den höchsten Stellenwert?

Sascha Karbginski: Wir haben bereits 2010 mit VMware View 4.0 begonnen. Seitdem hat VMware viele unserer Wünsche erfüllt und das Produkt mit jeder neuen Version spürbar verbessert. Die Antwort auf diese Frage wäre mir vor zwei Jahren noch deutlich einfacher gefallen.

ADMIN-Magazin: War es schwierig, Ihre Anwender davon zu überzeugen, auf einen eigenen, physischen, vollwertigen PC zu verzichten? Wenn es Vorbehalte gab, wie konnten Sie die überwinden?

Sascha Karbginski: Während unserer Pilotphase konnten wir die angesprochene Entwicklung in der Tat deutlich wahrnehmen. Aus Sicht der Anwender konnte ein kleineres Gerät auf keinen Fall mehr Leistung bringen. Wir haben dann auf diese Situation reagiert und den Rollout in zwei Phasen unterteilt. In der ersten Phase haben wir auf den View Softclient in Kombination mit der Bestands-Hardware zurückgegriffen. Das hatte den großen Vorteil, dass dieser Schritt vollständig aus der Zentrale heraus und außerhalb der Geschäftszeiten vorgenommen werden konnte. Am nächsten Morgen waren die User dann sehr positiv von der Performance angetan. Erst drei Wochen später haben wir in der Phase 2 die alte Hardware gegen Wyse P20 Zero Clients getauscht. Sofern die Anwender die Arbeit in einer Domäne gewohnt sind und der Zugriff auf optische Laufwerke oder Wechseldatenträger bereits untersagt ist, gibt es in der Kombination des PCoIP-Protokolls mit den Zero Clients für den Anwender keinen spürbaren Unterschied mehr zu einem physischen PC.

ADMIN-Magazin: Welche Veränderung hat die Desktop-Virtualisierung in Ihrer IT-Organisation nach sich gezogen?

Sascha Karbginski: Wir haben es geschafft, fast alle IT-Themen vom Point-of-Sale in die zentrale IT zu verlagern. Der Anwender muss sich um keine Software-Updates und Desktop-Neustarts mehr kümmern. Auch können wir sicherstellen, dass lokal in den Filialen keine Daten mehr abgelegt werden, sondern diese zentral im Rechenzentrum geschützt sind. Unsere Wiederherstellungszeiten haben sich von knapp einem Tag Ausfallzeit im Falle einer defekten Festplatte auf unter eine Stunde reduziert. Insgesamt bedeutet das aber auch, das wir in der zentralen IT nun mehr Aufgaben übernommen haben und die Infrastruktur komplexer geworden ist.

ADMIN-Magazin: Verschiedene Anbieter offerieren Lösungen für die Desktop-Virtualisierung. Was hat Sie bewogen, ein Produkt von VMware einzusetzen?

Sascha Karbginski: In den Verkaufsgesprächen unserer Mitarbeiter in den Filialen werden häufig kleine Hotel-/Destinationsvideos und Fotos eingebunden. Diese kleinen Filme basieren in der Regel auf Flash und sollen selbstverständlich möglichst ruckelfrei und vor allem auch in voller Farbtiefe dargestellt werden. VMware hatte zu dieser Zeit durch die bevorstehende Implementierung des PCoIP-Protokolls in puncto Performance ganz klar die Nase vorn. Untermauert wurde die Entscheidung durch die führende Position und unsere gute Erfahrung im Bereich der Servervirtualisierung.

Fazit

Desktop-Virtualisierung hat fraglos das Potenzial, zu einer effizienteren, flexibleren und ökologischeren IT beizutragen. Sind die Ressourcen richtig bemessen, hat auch der Anwender an seinem Arbeitsplatz nur Vorteile, wenn er ein kleineres, leiseres, sichereres, weniger empfindliches und schnell austauschbares Endgerät verwendet. Inwiefern sich das alles allerdings auch ökonomisch rechnet, ist eine zweite Frage. Jedenfalls ist die schöne neue Welt nicht umsonst.

Dabei darf man nicht nur Server, Speicher und Netze einbeziehen, sondern muss auch die Zunahme der Komplexität und steigende Anforderungen an die Administration des Rechenzentrums im Auge haben. Trotz allem kann die Rechnung aufgehen und es mögen sich schwarze Zahlen ergeben. Am ehesten gelingt das wohl in Umgebungen mit weitgehend standardisierten Arbeitsplätzen und einer überschaubaren Zahl von Applikationen, ohne extensive Multimedia- oder Grafik-Nutzung. Die Erwartung, VDI würde in kurzer Zeit alle physischen PCs vom Platz fegen, trügt aber.

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