Sind soziale Netzwerke eine Groupware-Alternative?

alphaspirit, 123RF

Soziale Unternehmen

Atos verbannt die interne E-Mail zugunsten sozialer Netzwerke. Facebook und Twitter haben das Internet- und Kommunikationsverhalten einer ganzen Generation verändert. Können die Business-orientierten Konkurrenten und Nachahmer Ähnliches im Unternehmen erreichen?
Termine planen, Nachrichten austauschen, Kundendaten verwalten, am besten auch vom Smartphone aus. Das alles und noch viel mehr sollen moderne ... (mehr)

Social Enterprise statt Groupware? Enterprise 2.0? Wer mit Facebook und Twitter vor allem eine Gefahr für die Produktivität der Internet-surfenden Mitarbeiter verbindet, verkennt die mitunter nützlichen Methoden, die dahinter stecken: Wenn sich das Freizeitkommunikationsverhalten von Internet-Benutzern massenhaft so schnell auf die immer noch relativ jungen Dienste einstellen konnte, liegt es nahe, deren Methoden und Techniken auch im Unternehmen auszuprobieren.

Bei distanzierter Betrachtung stellt sich allerdings ohnehin heraus, dass etwa Facebook trotz auf den ersten Blick sehr unterschiedlicher Herangehensweise in puncto Funktionalität eine erstaunlich große Schnittmenge mit klassischen Groupware-Anwendungen bildet. Die Benutzer schreiben Nachrichten an einen definierbaren Empfängerkreis, organisieren Ereignisse mit Orts- und Zeitangaben und laden Teilnehmer dazu ein; dank Skype-Integration gibt es bei Facebook inzwischen sogar Telefon- und Videokonferenzen zwischen den Teilnehmern.

Gedrängel auf dem Markt

Den möglichen Nutzen für die Kommunikation und Koordination haben zahlreiche Anbieter erkannt und bieten auf Unternehmen gemünzte soziale Netzwerke an. Die Angebote unterscheiden sich teils sehr und eine Grenze zwischen sozialen Unternehmensnetzwerken, Groupware, Dokumentenverwaltung und Aufgabenplaner lässt sich selten scharf ziehen. Deshalb wäre ein Test mit objektiven Kriterien nicht so umsetzbar, dass er bei der Entscheidungsfindung hilft. Stattdessen gibt Tabelle 1 einen Überblick über die verschiedenen Kategorien und Herangehensweisen mit beispielhaften Vertretern.

Tabelle 1

Soziale Netzwerke fürs Unternehmen

Name

Preis/User/Monat (SaaS)

Projekte/Tasks

Chat

Status-Updates

Activity Stream

Team-Kalender

Blog

 

Wiki

Foren

private Gruppen

Microblogging

Profile

Mobile

On-Premise

Integration

Jive

individuell

ja

ja

ja

ja

 

ja

ja

ja

ja

ja

ausschließlich

Sharepoint, MS Office, Outlook, Salesforce

IBM Connections

individuell

ja

ja

ja

ja

ja

ja

 

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ausschließlich

Sharepoint, MS Office, Outlook, WebSphere

Novell Vibe

individuell

ja

ja

ja

ja

ja

 

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ausschließlich

MS Office, Groupwise

SAP Jam

individuell

ja

ja

ja

ja

 

ja

ja

ja

ja

ja

ausschließlich

Exo

individuell

ja

ja

ja

 

ja

ja

ja

ja

ja

gratis/ab USD 1200,-

Offiria

ja

ja

ja

ja

ja

ja

 

ja

ja

ja

ja, Open-Source

Elgg

ja

ja

 

ja

ja

als Erweiterung

ja, Open-Source

Yammer

USD 3-8

ja

ja

ja

 

ja

ja

ja

nein

Sharepoint, Office 365

Podio

USD 0-9

ja

ja

ja

ja

 

ja

ja

ja

nein

Chatter

USD 0-15

ja

ja

ja

optional

 

ja

ja

ja

nein

Sharepoint

Asana

USD 3-8

ja

ja

ja

 

ja

ja

ja

nein

Tibbr

Individuell

ja

ja

ja

ja

 

ja

ja

optional

LinkedIn

BlueKiwi

EUR 5-8

ja

ja

ja

ja

ja

 

ja

ja

ja

Swabr

EUR 3-5

ja

ja

 

ja

ja

ja

optional

Coyo

EUR 1,25-4

ja

ja

ja

 

ja

ja

ja

ja

optional, einmalig EUR 1200-62 000

Kona

USD 0-10

ja

ja

ja

ja

 

ja

ja

ja

nein

Mangoapps

USD 0-8

ja

ja

ja

ja

optional

optional

 

ja

ja

ja

ja

ja

optional

Sharepoint

Telligent

USD 3-9

ja (Plus)

ja

ja

ja

ja

 

ja

ja

ja

ja

ja

optional

Yammer

Der weltweit – wenn auch nicht unbedingt in Deutschland – bekannteste Dienst der Kategorie Social Business Network heißt »Yammer« (siehe Abbildung 1) und stellt in puncto Oberfläche und Funktionalität einen typischen Vertreter der Branche dar. Microsoft kaufte die seit 2008 operierende Firma letztes Jahr für 1,2 Milliarden US-Dollar und arbeitet seither daran, Yammer in andere Lösungen wie Sharepoint und sein Online-Office-Paket Office 365 zu integrieren.

Abbildung 1: Yammer aus dem Hause Microsoft als ein "Facebook fürs Unternehmen" unter vielen.

Die Beschreibung "Facebook für Firmen" trifft für Yammer ebenso zu wie für viele andere Produkte. Denn ihre Oberflächen erinnern eindeutig an das den meisten Internet-Usern vertraute Original-Facebook. Häufig unterscheiden sie sich lediglich in Details wie der Farbgebung und der Anordnung typischer Komponenten um den zentral platzierten Activity Stream.

Yammer, Tibbr (Abbildung 2) und andere wandeln auf einem schmalen Grat: Schließlich wollen sie von dem durchschlagenden Erfolg von Facebook profitieren, andererseits müssen sie sich auch von dem als Produktivitätskiller verschrienen, reinen Unterhaltungsprodukt abgrenzen.

Abbildung 2: Tibbr versucht sich mit optischen Feinheiten von Facebook abzuheben.

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