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Hausinterne Konkurrenz?

Heat basiert im Wesentlichen auf den Erfahrungen, die Amazon schon mit seinem CloudFormation-Produkt gesammelt hat. Erstaunlicherweise ist Heat als OpenStack-Komponente jüngeren Datums: Erst im Oktober 2013 wurde die Lösung Core-Komponente, also offizieller OpenStack-Bestandteil. Was bedeutet das für Cloudify? Denn im Grunde existiert in OpenStack ja nun eine Komponente, die genau das tut, was Cloudify zuvor ebenfalls tat, und zwar in sehr ähnlicher Weise. Lohnt es sich da überhaupt noch, Zeit sowie Arbeit in die Adaption von Cloudify für OpenStack zu stecken?

Durchaus, denken jedenfalls die Entwickler: Cloudify 3.0 driftet sehr deutlich in Richtung OpenStack, die von Gigaspace zur Verfügung gestellten Informationen geben davon Zeugnis. Selbstverständlich wird Cloudify 3.0 auch weiterhin andere Cloud-Systeme unterstützen, die Lösung wird also nicht zur "OpenStack-Only"-Software. Und doch wird Cloudify 3.0 eng mit OpenStack verzahnt sein – dazu gehört die Unterstützung sämtlicher APIs in OpenStack, sodass Cloudify nativ mit ihnen kommunizieren kann. Und natürlich wird Cloudify 3.0 nicht die Funktionen nachbauen, die in Heat bereits vorhanden sind; entsprechende Arbeitsschritte leitet Cloudify in Zukunft einfach an Heat weiter, was von einer nahtlosen Integration der beiden Tools zeugt.

Außerdem bohren die Gigaspaces-Entwickler die Policy-Engine von Cloudify auf: Jene ist in Cloudify 2 dafür verantwortlich, die Skalierbarkeit in die Breite zu gewährleisten. Wenn also in einer bestehenden Plattform neue VMs gestartet werden, um eine bessere Lastverteilung zu erreichen, dann steckt die Policy-Engine dahinter. In Cloudify 3.0 wird die Engine sehr viel mehr können. Die Grundidee besteht darin, definierbare Workflows zu gestalten, die ausgehend von spezifischen Ereignissen – also event-basiert – bestimmte Aktionen durchführen, und zwar deutlich umfangreicher, als es in den aktuellen Versionen der Fall ist. Letztlich soll Cloudify for OpenStack das werden, was Amazon bei sich als AWS OpsWorks tituliert: Automatisierung, die sich weniger auf virtuelle Systeme denn auf spezifische Applikationen in den VMs bezieht. Gigaspaces realisiert das mittels des Template-Formats »TOSCA« [3], das besser auf die spezifischen Anforderungen von Apps abgestimmt ist als die von Heat genutzten Formate. Damit einher geht erneut die Integration mit Chef, wobei später definitiv auch andere Konfigurations-Management-Systeme funktionieren sollen.

Ein weiterer großer Schritt in Cloudify 3 ist die Tatsache, dass das Tool einen Rewrite in Python durchlaufen hat, was ebenfalls auf die gewünschte, engere Anbindung an OpenStack zurückzuführen sein dürfte.

Fazit

Cloudify in Version 2 ist ein überaus praktisches Werkzeug, mit dem sich Orchestrierung über die Grenzen verschiedener Clouds hinweg praktisch und effektiv umsetzen lässt. Gerade die Möglichkeit der Multi-Tier-Clouds sorgt für Freude, weil sie sogar das Verwalten von VMs über die Grenzen einzelner Cloud-Anbieter hinweg problemlos ermöglicht. Möglichkeiten wie automatisches Skalieren in die Breite bei Anwendungen innerhalb der Cloud sind nützlich und sorgen gegebenenfalls dafür, dass Applikationen sogar dann online bleiben, wenn gerade viel Last anliegt (Abbildung 5).

Abbildung 5: Auch für Freunde der Statistik hält Cloudify Infos bereit: Über die Last-Anzeige ist ersichtlich, welche Ressourcen einzelne Applikationen gerade in Anspruch nehmen.

Zugute kommt der Lösung dabei, dass Gigaspaces tatsächlich konsequent einzelne Applikationen auch als solche betrachtet und damit dem Motto der Platform-as-a-Service treu bleibt; alles, was in Cloudify passiert, passiert auf Grundlage konkreter Apps und nicht auf Grundlage der VMs, in denen die Apps laufen.

Nicht gar so heftige Begeisterungsstürme lösen hingegen einige der Design-Konzepte aus, die in Cloudify 2 umgesetzt sind. Die Tatsache, dass der Dienst vollständig auf Java basiert, dürfte manchem Admin böse aufstoßen. Hinzu kommt, dass es in den meisten Fällen wahrscheinlich eine Weile dauern wird, bis sich ein Admin in das System der Recipes in Cloudify hineingedacht hat. Dass Chef alternativ zum Einsatz kommen kann, ist gut, auch wenn Puppet zumindest hierzulande die augenblicklich weiter verbreitete Lösung zu sein scheint.

Cloudify 3.0 verspricht viel Freude, auch wenn zu Redaktionsschluss von dem Werkzeug noch nicht viel mehr öffentlich verfügbar war als eine kleine Demo: Cloudify 3 hat das Potenzial dazu, eine wichtige Komponente gerade für OpenStack-Setups werden zu können.

Die taktische Neuausrichtung ist dabei nicht zu übersehen: Gigaspaces sieht die Zukunft des Werkzeugs offenbar im OpenStack-Kontext, verspricht allerdings, die Features für andere Clouds beizubehalten und auch diese weiterhin zu unterstützen. Ob das Versprechen für die Ewigkeit gilt, dürfte aber wie immer davon abhängen, wie rege sich die Nachfrage nach diesen Funktionen gestaltet.

Fest steht: Wer ein nützliches Werkzeug sucht, um im Rahmen einer Public Cloud PaaS-Komponenten zu pflegen, der sollte sich Cloudify auf jeden Fall einmal anschauen. Eingedenk der Tatsache, dass es sich um Open-Source-Software handelt, die kostenlos erhältlich ist, und dank des leichten und sehr gut dokumentierten Setups ist ein Testlauf recht schnell gestartet. Ob das auch für Cloudify 3.0 gelten wird, muss sich leider erst noch herausstellen.

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