Datensicherung einzelner Hosts mit Areca

bowie15, 123RF

Für Solisten

Modulare und verteilte Installation, Ansteuerung großer RAIDs und Tape-Libraries, Verwaltung Hunderter Clients – nicht immer sind das die Anforderungen an ein Backup. Manchmal gilt es einfach nur ein paar Verzeichnisse von einem Rechner zu sichern. Auch dafür gibt es gute Tools.
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Für ein Desktop-Backup oder die einfache Sicherung weniger Verzeichnisse gelten andere Gesetze als für das Backup in einem Rechenzentrum. Hier kommt es vor allem auf einfache Bedienung an, ohne komplizierte Konfigurationsfiles oder tief verschachtelte Menüs. Die üblichen platzsparenden Techniken wie inkrementelle Sicherungen sollen anwendbar sein. Mit Pre- und Post-Backup-Skripts sollten Applikationen wie etwa Datenbanken während des Backups angehalten werden können. Mehrere zurückliegende Versionen müssen archiviert werden. Auch Verschlüsselung und Kompression wären nicht schlecht. Das Backup soll sich auf anderer Hardware wiederherstellen lassen, dabei ist es der Einfachheit halber gut, wenn die Daten nicht in einem proprietären Format abgelegt werden, was im Desaster-Fall zuerst die erneute Installation von Betriebssystem und Backup-Software nötig machen würde. LVM- oder RAID-Konfigurationen dürfen kein Hindernis sein. Die Rechte an den Dateien müssen erhalten bleiben und die Sicherung sollte unter Linux nicht über Links oder Named Pipes stolpern. Schließlich sollte man auch leicht kontrollieren können, ob alles wie gewünscht gelaufen ist.

Schmankerl

Eine Open-Source-Software, die all diese Ansprüche gut erfüllt, ist Areca [1]. Über die schon aufgezählten Features hinaus, hat Areca noch ein paar Schmankerl zu bieten. So lassen sich Quelldateien vom Backup aus- oder einschließen, die man nach diversen Kriterien filtern kann. Dabei sind auch Konstrukte mit AND, OR und NOT erlaubt. Backups können simuliert werden, sodass man vorher abschätzen kann, was und wieviel mit den gegebenen Einstellungen auf die Platte gelangen würde.

Areca kann auf Netzlaufwerke via (S)FTP sichern und von dort auch Daten wiederherstellen. Neben inkrementellen und differenziellen Sicherungen gibt es auch ein Delta-Backup, das nur geänderte Teile von Dateien speichert. Um noch mehr Platz zu sparen, lassen sich Backups komprimieren und diverse Archive zu einem Archiv vereinigen. Dateien sind in dem Zustand zurücksicherbar, den sie zu einem bestimmten Datum hatten. Alle kritischen Prozesse werden als Transaktionen behandelt, können damit an definierten Aufsetzpunkten nach einer Unterbrechung wieder aufgenommen werden. Alle Benutzeraktionen lassen sich dank einer History-Funktion jederzeit rekapitulieren. Auf Wunsch werden Reports erzeugt und per E-Mail verschickt.

Erstes Backup

Das Installieren beschränkt sich im Wesentlichen auf das Entpacken. Hat man die Java-Applikation via Shell-Skript »areca.sh« gestartet (Abbildung 1), ist zunächst ein Backup-Ziel zu konfigurieren. Der Begriff Ziel (Target) ist dabei insofern vielleicht etwas irreführend, als das hier nicht nur definiert wird, wohin gesichert werden soll, sondern auch was (also die Quelle) und wie. Derartige Ziele können auf Wunsch gruppiert werden – beispielsweise um inhaltlich verwandte Backups aus verschiedenen Quellen (Verzeichnissen) logisch zusammenzufassen. Will man davon Gebrauch machen, legt man zuerst eine Gruppe durch Rechtsklick in das linke obere Panel des Hauptfensters und Auswahl aus dem Kontextmenü fest. Im selben Kontextmenü findet sich dann auch der Punkt »Neues Ziel ...« .

Abbildung 1: Das leere Hauptfenster nach dem ersten Start. Neue Ziele definiert mandurch Rechtsklick in die obere Hälfte des linken Panels.

In dem Dialog zum Einrichten eines Ziels (Abbildung 2) legt man zuerst ein Verzeichnis fest, in dem das Backup landen soll. Mit Bändern kann Areca nicht umgehen. Der Anwender gibt dem Ziel einen Namen und entscheidet sich, ob ein konventionelles, File-basiertes Backup entstehen soll (Standard), ob nur die Änderungen innerhalb von Dateien zu sichern sind (Delta) oder ob eine einzige große Archivdatei anzulegen ist, die mit jedem Backup aktualisiert wird (Image). Zusätzlich lassen sich alle einzelnen Files eines Backups oder die Sicherung als Ganzes in einem File komprimieren. In letzterem Fall können abgebrochene Backups allerdings nicht wiederaufgenommen werden.

Abbildung 2: Der Dialog zum Einrichten eines Backup-Ziels in Areca.

Als nächstes müssen die Verzeichnisse bestimmt werden, die gesichert werden sollen. Das gelingt auf Wunsch auch, indem einfach die Quellordner per Drag&Drop über das Dialogfenster bewegt werden. Der nächste Punkt erlaubt es, gegebenenfalls eine Datenkompression einzurichten. Sollen Unterordner einbezogen werden? Sollen Links verfolgt werden? Das kann man unter dem Punkt »Erweitert« bestimmen.

Unter »Filter« lassen sich Ausdrücke hinterlegen, die bestimmte Files vom Backup ausschließen. Die Grundlage können Dateiendungen sein, Datum oder Größe von Dateien, es lassen sich gesperrte Dateien ausnehmen oder spezielle Typen (wie Pipes, Sockets und so weiter) oder man gibt reguläre Ausdrücke als Ausschlusskriterium an, die auf Datei- und/oder Ordnernamen angewendet werden. Beliebige Filter sind kombinierbar, sodass man ziemlich genau regulieren kann, was gesichert werden soll.

Die folgenden beiden Punkte erlauben die Konfiguration von Vor- und Nachlauf-Skripten, die beispielsweise vor einer Sicherung Applikationen anhalten und danach wieder starten können.

Anschließend ist es möglich, eine Datenmenge anzugeben, nach der jeweils der Zustand des Backups derart gespeichert wird, dass es nach einem Abbruch an dieser Stelle wieder aufgenommen werden kann. Schließlich kann man jeder Sicherung eine Beschreibung mitgeben.

Nachdem man das Ziel im rechten Panel markiert hat, kann man das Backup über das Icon »Platte mit Plus« in der Navigationsleiste darüber starten. Alternativ geht das auch über das Menü »Ausführen« . Hier ist es auch möglich, ein Backup zunächst zu simulieren. Im Ergebnis (Abbildung 3) erhält man eine Übersicht, wieviele Dateien in die Sicherung einbezogen würden, welches Datenvolumen insgesamt erreicht würde und wieviel davon auf jedes zu sichernde File entfiele.

Abbildung 3: Das Ergebnis der Simulation eines differenziellen Backups in Areca.

Zum Schluss kann der Admin im Backup-Startdialog wählen, ob er eine inkrementelle, differenzielle oder eine Vollsicherung haben möchte (Abbildung 4), ob das Backup zum Schluss verifiziert werden soll und ob Informationen über die gesicherten Dateien anzufügen sind (Manifest).

Abbildung 4: Zum Schluss wählt man in diesem Dialog die Art der Sicherung aus.

Ein Protokoll führt jeden Schritt der Sicherung auf und erlaubt es dem Admin, sich im Nachhinein davon zu überzeugen, dass die Sicherung problemlos auf der Festplatte gelandet ist oder worin gegebenenfalls der Fehler bestand.

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