Know-how: Neue Skills und Zertifizierungen für den Administrator

Wieder die Schulbank drücken

Sich als Administrator zertifizieren zu lassen – sei es als MSCE, LPIC, VCP oder CCNA – ist und war ein gute Idee. So steigert die Bescheinigung der Fähigkeiten den eigenen "Marktwert" und signalisiert potentiellen Arbeitgebern auf transparente Weise die Passgenauigkeit für die zu besetzende Stelle. Und als Selbstständiger schafft die verbriefte Kompetenz Vertrauen bei den Kunden. Doch die vergangenen Monate und Jahre rüttelten die IT mit Mobilgeräten, Cloud, Big Data oder auch neuen Managementansätzen wie DevOps gehörig durch­einander und fordern vom Administrator ganz neue Skills. Dieser Artikel wirft einen Blick auf neue Zertifizierungen und Skills für Admins.
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Eine gute Nachricht gleich vorweg: Unabhängig davon, ob Sie sich für eine klassische Zertifizierung entschieden haben oder in eines der neuen Felder einsteigen, die wir in diesem Beitrag beschreiben, die Nachfrage nach Systemadministratoren wird bis zum Jahr 2020 doppelt so stark anwachsen wie in anderen Berufen. Dies ist andererseits aber nur die halbe Wahrheit, denn kaum ein anderer Job als der des Admins wird sich bis 2020 stärker verändern. Und mit dem Job muss sich der Mensch ändern, wenn seine Fähigkeiten den Chancen entsprechen sollen, die sich IT-Profis bieten.

Kosten vs. Nutzen

Unhabhängig von den zu erlernenden Fähigkeiten stellt eine Zertifizierung für jeden IT-Profi eine große persönliche und unter Umständen auch finanzielle Investition dar. Selbst wenn der Arbeitgeber die Zertifizierungsbestrebung seines IT-Mitarbeiters unterstützt, wird dieser immer viel private Zeit und Engagement mitbringen müssen, um erfolgreich zu sein. Und eine vollständig privat finanzierte Zertifizierung kann ein signifikantes Loch in das Haushaltsbudget reißen, denn die Kosten für Bücher, Lernvideos und/oder Schulungen und natürlich die Prüfung sind erheblich. Und noch größer ist die Investition privater Zeit, denn moderne Zertifizierungen verlangen echtes Lernen und Verstehen und sind mit dem Auswendiglernen von Prüfungsfragen nicht zu meistern.

Da stellt sich dem bereits tief im Arbeitsleben stehenden IT-Profi durchaus die Frage nach dem Nutzen, den dieser Aufwand bringt. Kritische Geister werfen hier gern ein, dass Zertifizierungsprogramme meist nur eine weitere Umsatzquelle für die Hersteller sind und diesen mehr Nutzen stiften als dem Zertifizierten. Zudem seien Zweifel angebracht, ob ein Zertifikat tatsächlich die Fähigkeit mit sich bringt, die in der "echten Welt" benötigt werde. Eine ähnliche Kritik adressiert den Punkt, dass die Prüfungen der Zertifizierungen künstlich seien und nicht die tatsächlichen Aufgaben eines Administrators abdeckten. Letzteren Punkt versucht beispielsweise Cisco in seinen höheren Zertifizierungen zu entkräften, indem an echten Netzwerken geprüft wird. Was jedoch dazu führt, dass die Kosten für den angehenden Cisco-Experten wiederum deutlich steigen. Hier beißt sich die Katze der Kritik ein wenig in den eigenen Schwanz.

Wer jedoch den Ehrgeiz hat, sich in der IT zertifizieren zu lassen, darf durchaus auch mit Vorteilen rechnen. Zum einen natürlich der persönliche Erfolg, eine der teilweise äußerst schweren Prüfungen gemeistert zu haben und so seine Fähigkeiten besser nach außen transportieren zu können. Auch lässt sich die Kritik, die erlernten Inhalte seien theoretischer Natur, heute eigentlich bei keinem Hersteller mehr aufrechterhalten. Neben dem persönlichen Erfolg ändert sich natürlich auch die Wahrnehmung Dritter: So stellt eine Microsoft-Studie fest, dass 63 Prozent aller Personalverantwortlichen denken, dass zertifizierte Personen produktiver im Beruf sind. Und 43 Prozent der Zertifizierten berichten von Gehaltserhöhungen.

Microsoft führt Zertifizierungswillige löblicherweise mit der "Microsoft Training and Certification Guide"-App durch den Dschungel möglicher Prüfungen.

Der neue MCSE

Nach einigem Hin und und Her in den vergangenen zehn Jahren kehrte Microsoft seiner Abkehr vom MCSE den Rücken zu und bietet die populäre Zertifizierung seit 2012 wieder unter diesem Akronym an. Nur dass MCSE nun nicht mehr für "Microsoft Certified Systems Engineer", sondern für "Microsoft Certified Solutions Expert" steht – tatsächlich war die Nutzung des Begriffs "Engineer" für Microsoft ein Problem, da er in einigen Ländern eine geschützte Berufs­bezeichnung ist.

Auch inhaltlich hat Microsoft eine Wende vollzogen, denn jeder Zertifizierungspfad orientiert sich nun mehr an Aufgaben als an Microsoft-Technologien. So erlangt der IT-Profi am Ende des Ausbildungspfads beispielsweise den "MCSE Private Cloud" (natürlich basierend auf MS-Technologien). Nur der "MCSE SharePoint" bildet eine Ausnahme.

Microsofts Zertifizierungsangebot lässt sich aktuell am besten mit einer Pyramide vergleichen, an deren Basis der MTA (Microsoft Technology Associate) steht. Für diese wie auch alle anderen Zertifizierungen gibt es die Pfade Client, Server, Datenbank und Entwicklung. Ein wenig außen vor steht der Zertifizierungspfad für Office. Der MTA stellt dabei für den IT-Profi kein Hindernis dar, wendet er sich doch an IT-Neueinsteiger und Mitglieder anderer Fachabteilungen, die grundlegendes IT-Know-how aufbauen wollen. Der nächste Schritt ist die Prüfung zum Microsoft Certified Professional (MCP). Absolviert der IT-Profi drei Prüfungen in einer Themenreihe erfolgreich, erlangt er diesen Status. Zwei weitere Prüfungen in der gleichen Themenreihe und "schon" ist der MSCE-Status erreicht. Was hier so einfach klingt, ist in der Praxis jedoch nach wie vor ein Moloch möglicher Prüfungen und Ausbildungswege. Hier hilft Microsoft mittlerweile Windows 8-Nutzern mit der App "Microsoft Training and Certification Guide", die im Appstore kostenlos erhältlich ist.

Insgesamt hat Microsoft einen sinnvollen Schritt in Sachen Zertifizierung vollzogen, indem es diese auf die Aufgaben beziehungsweise Tätigkeitsfelder des Admins ausrichtet. Dies ist für Hyper-V-Admins mit dem MSCE "Private Cloud" oder den Server-Verantwortlichen sinnvoll, wenn er in einer einigermaßen homogenen (Microsoft-)Welt unterwegs ist. Für die Verwaltung der eingangs angeführten modernen Infrastrukturen mit mobilen Clients gilt dies zwar ebenso, gibt hier allerdings ein weit weniger realistisches Bild der IT ab.

Denn jeder IT-Verantwortliche, der nach nachweisbarem Know-how in der Verwaltung mobiler Clients und der begleitenden Infrastruktur strebt, muss sich mit den Widrigkeiten des noch sehr jungen Marktes auseinandersetzen. Zum einen sieht er sich mit mindestens drei Betriebssystemen konfrontiert (iOS, Android, Windows), die es zu verwalten gilt. Mindestens zwei davon dürften in der Regel Neuland sein. Erschwerend kommt hinzu, dass es für iOS und Android derzeit keine offiziellen Zertifizierungen gibt.

Fast noch schlimmer ist die Situation in Sachen Management-Tools, also MDM- oder EMM-Werkzeugen. Die Analysten von Gartner raten hier Unternehmen, die sich mit der Einführung einer solchen Lösung beschäftigen, möglichst kurzfristig (also taktisch, mit einem Zeithorizont kaum größer als ein Jahr) zu planen. Ursache dafür sind die aktuell weit über 100 Anbieter in diesem Marktsegment und die hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich das Anbieterspektrum mittelfristig deutlich verkleinert. Dass dies den fortbildungsfreudigen IT-Profi in eine gewisse Bredouille bringt, liegt auf der Hand – kann der von ihm gewählte Hersteller-Fokus doch schon in wenigen Monaten völlig obsolet sein. Auf der sicheren Seite findet er sich hier wahrscheinlich nur bei den großen Anbietern wieder, die allerdings im Mobile Device Management-Markt meist nur kleine Marktanteile haben.

So bieten zwei der Platzhirsche – Citrix und VMware – mittlerweile Zertifizierungen an, die den Begriff "Mobility" im Titel tragen. Wie zu erwarten beschränken sich die Prüfungen dabei auf XenClient beziehungsweise die Horizon-Suite und adressieren somit nur einen kleinen Ausschnitt des Themas "Mobile IT". Relativ neu und daher zum Redaktionsschluss noch nicht in Deutsch verfügbar ist die CompTIA "Mobility+"-Zertifizierung. Diese widmet sich dem ganzen Spektrum mobiler IT vom WLAN über die Clients und der Infrastruktur bis hin zu Sicherheitsfragen.

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Ausgabe /2019