OpenStack Summit, 3. bis 5. November, Paris

Das neue Linux

Der halbjährlich stattfindende OpenStack Summit machte heuer zum ersten Mal in Europa Station. Vom 3. bis 5. November trafen sich in Paris soviele OpenStack-Interessierte wie noch nie zuvor und diskutierten die Zukunft des offenen Cloud Computing-Frameworks.
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Als Jim Zemlin, der Chef der Linux Foundation, in Paris seine Keynote vortrug, erzählte er zum Einstieg eine kleine Geschichte: Er habe einem Kollegen davon berichtet, dass er den OpenStack Summit besuche. Daraufhin habe der geantwortet: Das ist gut, denn für Linux interessiert sich jetzt niemand mehr. Die Reaktion des OpenStack-Publikums fiel entsprechend begeistert aus.

Anschließend ließ es sich Zemlin nicht nehmen, wieder einmal seine Version der Weltverbesserung durch Open Source vorzutragen. Jonathan Bryce, Execute Director der OpenStack Foundation, war sichtlich irritiert über soviel Gutmenschentum und beeilte sich wieder zum eigentlichen Thema zurückzukehren, nämlich wie OpenStack den "Business Value" von Unternehmen steigern könne, die das Cloud Computing-Framework einsetzen. Ähnliche idealistische Ideen blitzten nur noch einmal kurz beim Vortrag von Mark Collier auf, dem Chief Operating Officer der Foundation. Dass künftig auch viele Menschen in Entwicklungsländern Smartphones mit Internetverbindung besitzen werden, betrachtet er als große Chance. Denn schließlich steht die "Economic Opportunity", die sich daraus ergibt, über allem, andere Probleme lösen sich dann von selbst.

Der Rest des Programms auf dem Open­Stack Summit in Paris, der vom 3. bis 5. November zum ersten Mal in Europa stattfand, fiel technischer und Business-lastiger aus. In dutzenden parallelen Vorträgen ging es um den aktuellen Stand der Technik, Zukunftspläne sowie die Interoperabilität mit verwandten Technologien wie etwa Docker und Kubernetes. Eingerahmt wurde das Programm von einer Ausstellung, in der so ziemlich alles vertreten war, was in der IT-Welt Rang und Namen hat: Red Hat, Suse, Ubuntu/Canonical, Dell, HP, EMC, Net-App, Intel, Huawei, IBM, Citrix, Cisco und so weiter. Selbst VMware, das eigentlich eher in Konkurrenz zu OpenStack steht, aber dennoch mittlerweile Mitglied der Foundation ist, fehlte nicht – im Gegensatz zu Microsoft, das (bisher?) mit OpenStack wirklich nichts am Hut hat.

 Viele Testinstallationen

Dies und die mit 4.500 enorm hohe Zahl an Besuchern zeigt, wie wichtig OpenStack für die IT-Industrie geworden ist. Die Zukunft ist die Cloud und insbesondere OpenStack, das wurde immer wieder mantraartig wiederholt. Besonders in den Keynote-Vorträgen gab es eine Reihe von Beispielen für einen praktischen Einsatz von OpenStack-Clouds, die sich jedoch in den meisten Fällen noch in einem Prototypen- und bestenfalls teilproduktiven Betrieb befinden, etwa bei Expedia, BMW oder Time Warner. Produktiv setzt etwa das CERN das offene Cloud Computing-Framework zur Verarbeitung der Daten ein, die im Teilchenbeschleuniger entstehen. Für diesen OpenStack-Einsatz, der vier Clouds mit insgesamt 120.000 Cores umfasst, erhielten die CERN-Techniker den Superuser-Award der OpenStack Foundation.

In den technischen Vorträgen wurde dagegen klar, dass viele Aspekte des Open­Stack-Frameworks noch nicht vollkommen ausgereift sind. Zur Weiterentwicklung und Koordination trafen sich die ganze Woche über die Entwickler im benachbarten Hotel. Nachholbedarf gibt es je nach Perspektive noch in verschiedenen Bereichen. So wurde auf einem Storage-Panel moniert, dass die Storage-Komponente Cinder bisher vor allem auf iSCSI fixiert war, das aber im Enterprise-Bereich nur eine kleine Rolle spielt. Künftig soll deshalb der Support für Fibre Channel besser werden.

Weitere Mankos gibt es etwa allgemein bei Stabilität und Skalierbarkeit einer Open­Stack-Installation. Die Integration mit Pub-lic Clouds, etwa durch Federated Identity, ist ebenso noch mangelhaft. Als eines der brennendsten Probleme wurde die Upgrade-Fähigkeit von OpenStack-Clouds im Betrieb erachtet. Daran arbeitet derzeit die Firma Mirantis im Rahmen des Pumphouse-Projekts. Ruchi Bhargava von Intel hob hervor, dass es nötig sei, einen Weg zu finden, um "Legacy-Anwendungen" im Firmennetz in neue OpenStack-Umgebungen zu integrieren.

Fazit

Unter dem Strich waren die OpenStack-Vertreter optimistisch, all diese Probleme in absehbarer Zeit zu lösen. Als Zuschauer kann man angesichts der Komplexität der Aufgabe, alle IT-Probleme in einer verteilten Umgebung noch einmal aufs Neue lösen zu wollen, eher skeptisch werden. Als nächster Halt für den OpenStack Summit steht im Mai 2015 das kanadische Vancouver auf dem Programm.

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