Open Source-Software findet in immer mehr Unternehmen und Behörden ihren Einsatz. Im Juli widmet IT-Administrator daher seinen Heftschwerpunkt der quelloffenen ... (mehr)

Virtualisierung und Cloud

Da Virtualisierung in erster Linie eine Sache des Betriebssystems ist, war auch im Linux-Umfeld eine Open Source-Lösung gefragt. Lange Zeit war Xen hierbei der einzige Weg, der aber einen speziellen Kernel erforderte, den Anwender booten mussten, bevor sie virtuelle Maschinen starten konnten. Aus Sicht der Linux-Kernel-Entwickler war der bessere Weg, den Hypervisor in den Standard-Kernel zu integrieren. Daraus resultierte die Kernel-based Virtual Machine (KVM), die heute auf Linux-Rechnern die Standardlösung zur Virtualisierung ist. Vervollständigt werden die KVM-Funktionen durch die Emulation von Hardware-Devices in Qemu, das schon lange als Emulator für PC-Hardware verwendet werden konnte, aber bis dahin ohne die beschleunigende Unterstützung durch die KVM.

KVM lässt sich auf allen Linux-Distributionen zur Virtualisierung gängiger Betriebssysteme wie Windows, Linux und BSD verwenden. Enterprise-Distributionen wie Red Hat Enterprise Linux bieten kommerzielle Varianten wie Red Hat Enterprise Virtualization (RHEV) an, die auf KVM basieren. Im Prinzip besitzen sie aber die gleichen Leistungsmerkmale wie die KVM des Standard-Kernels. RHEV bringt auch eine Verwaltungs-GUI mit, die wiederum auf einem Open Source-Projekt basiert, nämlich oVirt. Auch hier sind im Wesentlichen die gleichen Funktionen vorhanden, aber bei den RHEV-Tools wurden gegenüber den Open Source-Versionen einige rauhe Ecken abgeschliffen, an denen sich Administratoren eventuell reiben könnten.

In den letzten zwei Jahren hat sich beinahe über Nacht noch eine Alternative zur Vollvirtualisierung aufgetan, die unter dem Namen Docker firmiert. Auf einmal erschien die schon länger existierende, aber beinahe in Vergessenheit geratene Containervirtualisierung wieder auf der Bildfläche und alle großen IT-Firmen von VMware über Red Hat bis zu Microsoft machen mit. Im großen Hype ging beinahe unter, dass die Docker-Container leider nicht so sicher sind, wie es eigentlich nötig wäre, um beispielsweise zu verhindern, dass Container-Nutzer Zugriff auf das Host-System erlangen. Ein paradoxer Ausweg, den etwa Intel mit dem Clear-Projekt beschreitet, besteht darin, Container wieder mit abgespeckter Vollvirtualisierung zu verbinden, um die angestrebte Sicherheit zu erreichen. Wie sich der Hype um die Containervirtualisierung (und Docker) weiterentwickelt, wird in den nächsten Jahren spannend zu beobachten sein. Jenseits des Hypes sind die Linux-Container (LXC) mittlerweile bei einer stabilen Version 1.0 angekommen, die sich mit einer längerfristig gepflegten API für "leichtgewichtige" Containervirtualisierung eignet.

Wie bereits angesprochen, spielt sich mit Cloud Computing auch der zweite große Hype der letzten Jahre vorwiegend in der Open Source-Szene ab. Zwar bieten Microsoft mit Azure und Amazon mit AWS ihre Clouds an, die vorwiegend aus proprietärer Technologie bestehen (AWS setzt auf Xen), aber außerhalb dieser Welt steckt die meiste Energie in OpenStack. Diverse andere freie Cloud-Projekte wie Eucalyptus, das bereits vor OpenStack existierte, mussten angesichts der Dominanz der Konkurrenz bereits aufgeben. Dabei lebt OpenStack, das von einem riesigen Firmenkonsortium verwaltet wird, vor allem von einer großen Marketingmaschinerie. Im Reality Check wird man jenseits von Testinstallationen wenige produktive OpenStack-Clouds in der Praxis finden. Anders sieht es dabei mit CloudStack aus, das zwar eine Menge Echtwelterfahrung vorweisen kann, aber als Apache-Projekt nun im Schatten von OpenStack steht.

Fazit

Die Open Source-Welt bietet insbesondere auf Serverseite eine Vielfalt an Software für jeden Einsatzzweck. Das Hauptproblem besteht für jeden Administrator erst einmal darin, sich in dem kaum überschaubaren Angebot zu orientieren. Kriterien für die Auswahl sind neben den technischen Features auch die Größe und die Aktivität der Entwickler-Community, die etwa dazu beiträgt Fehler zu fixen und bei Fragen Hilfe zu leisten.

Wer "echte" freie Community-Projekte verwenden möchte, braucht etwas Erfahrung und Geduld, um Software zu installieren und zu konfigurieren. Eine Alternative für den Firmeneinsatz besteht darin, für den Einsatz von Open Source ein Systemhaus als Partner zu finden oder gleich kommerzielle Open Source-Projekte einzusetzen, die neben einer möglichen Reduzierung von Kosten dazu beitragen, einem Vendor-Lock-in zu entgehen.

Link-Codes

[1] Apache-Projekte: https://projects.apache.org/

[2] OpenOffice: https://www.openoffice.org/

[3] LibreOffice: https://de.libreoffice.org/

[4] WollMux: http://www.wollmux.net/

[5] Log-Management unter Linux: http://www.admin-magazin.de/Das-Heft/2015/03/Workshop-Open-Source-Tools-zum-Log-Management-unter-Linux/

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