NAS4Free einrichten und verwalten

Alles ganz NAS

Gerade in kleineren Unternehmen, Agenturen, Bürogemeinschaften und Niederlassungen kommen häufig fertige Hardware-basierte Speicherlösungen zum Einsatz, die das einfache und sichere Bereitstellen von Daten erlauben. Doch diesen Lösungen mangelt es oftmals an Flexibilität. NAS4Free setzt dort an, wo kommerzielle Einsteiger-NAS-Lösungen aufhören. Anwender profitieren zudem vom Open-Source-Modell und erhalten damit eine attraktive Speicherlösung.
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Unix-basierte Betriebssysteme stehen im Ruf, auch längst ausrangierten Systemen noch einmal Leben einhauchen und digitalen Sinn geben zu können, weil sie besonders pfleglich mit den vorhandenen Ressourcen umgehen und dank eines ausgeklügelten Speichermanagements den verfügbaren Speicher optimal ausnutzen können.

So ist es nicht weiter verwunderlich, dass derlei Betriebssysteme häufig die Basis von NAS-Systemen bilden. Mit NAS4­Free [1] steht Unternehmen eine Free­BSD-basierte Lösung zur Verfügung, die auf nahezu jeder beliebigen Hardware eingesetzt werden kann. Die Bedeutung der NAS-Lösung ergibt sich aus der Bezeichnung: "NAS" steht für "Network Attached Storage" und "4Free" für "kostenlos und Open Source". Laut Angaben des Entwicklerteams gibt es kaum einen einfacheren und schnelleren Weg, einen netzwerkweiten, zentralen Speicher zu erzeugen. In der Praxis zeigt sich, dass die Inbetriebnahme kinderleicht ist. Auch die Administration ist für jeden technikaffinen Anwender ohne Schwierigkeiten zu bewältigen.

NAS4Free unterstützt das Teilen von Daten über Linux-, Mac OS X- und Windows-Grenzen hinweg. Neben Software-RAID (0, 1 und 5), Festplattenverschlüsselung, S.M.A.R.T und E-Mail-Berichten unterstützt die NAS-Umgebung folgende Protokolle: CIFS/SMB (Samba), Active Directory Domain Controller (Samba), FTP, NFS, TFTP, AFP, RSYNC, Unison, iSCSI, HAST, CARP, Bridge, UPnP und Bittorent. NAS4Free kann auf Flash-, SSD- und USB-Speichermedien genauso ausgeführt werden wie als Live-System.

Für den Einsatz einer solchen Umgebung spricht ihre Flexibilität und Anpassbarkeit. Das Hauptaugenmerk legen die Entwickler laut eigener Angaben dabei auf die Stabilität, Einfachheit und Sicherheit. Insbesondere für eine kontinuierliche Weiterentwicklung, Updates und Patches ist gesorgt. NAS4Free kann auch als virtuelle Maschine eingesetzt werden.

NAS4Free nutzt insbesondere ZFS und UFS als native Dateisysteme. Die Entwickler raten von der Verwendung anderer Dateisysteme ab, wobei ZFS der Vortritt zu geben ist. Bei der Verwendung von USB-Geräten ist zu beachten, dass die NAS-Umgebung kein Hot-Plugging unterstützt. Vielmehr müssen USB-Geräte hinzugefügt und gemounted werden, bevor ein Zugriff auf sie möglich ist.

Gelegentlich wird NAS4Free als Fork von FreeNAS gehandelt, doch dem ist nicht so. Vielmehr handelt es sich dabei um den direkten Nachfolger, der auf der FreeNAS-Codebasis des von 2005 bis 2011 entwickelten NAS-Systems basiert. Nachdem die FreeNAS-Marke 2011 von der iXsystems erworben wurde, musste eine neue Bezeichnung für die Weiterentwicklung gefunden werden. Der Gründer des Projekts, Olivier Cochard-Labbé, übertrug den Code an das neue Team, das die Weiterentwicklung unter der NAS4Free-Fahne fortführt. Diesem Artikel liegt NAS4­Free in Version 10.3 zugrunde.

Bild 1: Die freie NAS-Umgebung präsentiert Ihnen nach dem ersten Login die Statusseite mit jeder Menge Detailinformationen.

Inbetriebnahme

Für die Basisinstallation benötigen routinierte Administratoren nur wenige Minuten. Und selbst weniger erfahrene Anwender können diesen Part übernehmen, wenn sie mit den Grundbegriffen unixbasierter Betriebssysteme wie Mounten et cetera vertraut sind. Das NAS4Free-Betriebssystem wird üblicherweise auf einem Laufwerk installiert, das unabhängig von den eigentlichen Speicherfestplatten ist. Es kann sich dabei um einen USB-Stick, einen CF-Speicher oder um ein SSD-Laufwerk handeln. Prinzipiell ist auch die Installation auf einer Festplatte möglich, allerdings steht diese dann nicht als Speichermedium zur Verfügung.

NAS4Free unterstützt verschiedene Installationsvarianten. Zum ersten Kennenlernen und zur Evaluierung bietet sich die Live-Variante an. Die Basisinstallation benötigt lediglich eine Tastatur und einen Monitor. Die sogenannte Embedded-Variante ist für die Installation auf USB-Sticks und CF-Karten konzipiert, bei der lediglich eine bestimmte Anzahl von Schreibzyklen notwendig ist. Bei dieser Variante wird lediglich einmalig beim Booten lesend zugegriffen. Die Schreibvorgänge finden in der Ramdisk statt.

Verschiedene Vorteile sprechen für diese Installationsvariante. So können Updates des Betriebssystems für die Web-GUI ausgeführt werden. Allerdings gehen für die Ramdisk 256 MByte Arbeitsspeicher verloren. Bei Rechnern mit 4, 8 oder mehr GByte spielt das keine nennenswerte Rolle, wohl aber bei Verwendung älterer Hardware. Bei dieser Variante können zusätzliche Software-Komponenten nicht ohne Weiteres nachinstalliert werden.

Bei der sogenannten Full-Variante erfolgt die Installation auf der Festplatte des Speichersystems. Funktional gibt es keine Unterschiede zur Embedded-Variante. Neben dem Betriebssystem können zusätzlich eine Daten- und SWAP-Partition eingerichtet werden. Von Vorteil bei der Full-Variante ist gegebenenfalls, dass zusätzliche Software-Pakete nachinstalliert werden können und der gesamte Arbeitsspeicher des Rechners für das NAS-System zur Verfügung steht.

Basiskonfiguration

Nachdem Sie sich für eine Installationsvariante entschieden haben, führt die Installationsroutine einen Neustart aus und präsentiert Ihnen das "Console Setup". Das dient in erster Linie der Netzwerkkonfiguration und der Zuweisung der verfügbaren Netzwerkschnittstellen. Beachten Sie, dass FreeBSD keine generischen Netzwerkschnittstellenbezeichnungen wie Linux (eth0, eth1) verwendet, sondern dass sich die Bezeichnung vom verwendeten Treiber ableitet:

- xp0: erster Ethernet-Adapter (Intel EtherExpress)

- xp1: zweiter Ethernet-Adapter (Intel EtherExpress)

- bge0: erster Broadcom BCM570XX Gigabit NIC-Adapter

- nve0: erster nVidia nForce MCP-Chipset

Die NAS4Free-Übertragungsraten werden überwiegend durch die Netzwerkperformance und weniger durch die CPU- und RAM-Ausstattung des NAS bestimmt.

Nach der Installation des Betriebssystems erfolgt die weitere Konfiguration über das Web-Interface. Hierzu greifen Sie von einem Drittsystem mit Hilfe des Standard-Browsers auf das NAS-System zu. Über die Web-GUI loggen Sie sich ein. Die Standardzugangsdaten lauten wie folgt: Benutzerkennung "admin", Passwort "nas4free".

Die Web-GUI des NAS4Free-Systems sollte nach dem Einloggen die Statusseite präsentieren, der Sie eine Fülle an Detailinformationen wie den Hostnamen, die NAS4Free-Version sowie verschiedene Statusinformationen bezüglich der Speicherverwendung und -belegung entnehmen können (Bild 1). Im Kopfbereich finden Sie das Navigationsmenü, über das Sie auf die verschiedenen Funktionsbereiche zugreifen. Über das Menü "System / Allgemein" ändern Sie beispielsweise den Hostnamen.

Bevor Sie sich weiteren NAS-spezifischen Funktionen widmen, sollten Sie zunächst die Sprachversion ändern (siehe Bild 2). Diese ist im Menü "System / General / Language" verfügbar. Suchen Sie nach dem Eintrag "German" und passen Sie auch die Zeitzone mit "Time Zone" an. Wählen Sie "Europe/Berlin" aus und sichern Sie die Einstellungen mit "Speichern".

Bild 2: Nach dem ersten Start sollten Sie einige Anpassungen der NAS4Free-Umgebung vornehmen, beispielsweise die deutsche Sprachversion verwenden und das Kernel-Tuning aktivieren.

In der Regel bleibt ein NAS-System rund um die Uhr eingeschaltet. So ist es sinnvoll, die Power-Management-Unterstützung des Betriebssystems zu nutzen, um den Stromverbrauch zu minimieren. In diesem Modus passt sich der Prozessor an die benötigte Rechenleistung an. Um das Power-Management zu aktivieren, führen Sie den Befehl "System / Erweitert" aus und aktivieren die Option "Power Daemon". Im Auswahlmenü "Strom­Modus" wählen Sie die Option "adaptiv (niedriger Stromverbrauch)". Diese Option verspricht den besten Kompromiss aus Performance und Verbrauch.

Sie sollten in den erweiterten Systemeinstellungen außerdem sicherstellen, dass dort die Option "Feineinstellungen" aktiviert ist. Die Bedeutung dieser Option wird deutlicher, wenn man die Originalbezeichnung kennt: Tuning. Durch Aktivieren dieser Option werden die Kernel-Einstellungen des zugrundeliegenden Betriebssystems aktiviert. Diese bringen laut Angaben der Entwickler einen deutlichen Performance-Gewinn des gesamten Systems.

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Ausgabe /2019