20 Jahre Vim

04.11.2011

Vor 20 Jahren entstand der Vim-Editor auf dem Amiga, heute ist er die Standard-Vi-Implementation auf allen Linux-Distributionen.

Wie immer begann alles damit, dass jemand unzufrieden war. Der niederländische Programmierer Bram Molenaar besaß einen Amiga-Computer und fand die dafür vorhandenen Implementationen des klassischen Unix-Editors Vi allesamt schlecht. So nahm er den Quellcode des auf dem Atari ST entstandenen Vi-Klons Stevie, dem "ST Editor for VI Enthusiasts" und begann damit, den Editor zu verbessern. Das war 1988, als von Open Source noch lange nicht die Rede war.

Drei Jahre später, am 2. November 1991, wurde die Version 1.14 des Vim-Editors auf der Fish Disk #591, einer Freeware-Sammlung für den Amiga, zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Damals stand Vim noch für "Vi Imitation", eine Aufschlüsselung der Abkürzung, die mit der Verbesserung des Editors später in "Vi Improved" geändert wurde.

Anfangs lizensierte Bram Molenaar seinen Vim noch unter einer selbst erdachten freien Software-Lizenz, änderte sie später aber, damit sie kompatibel zur Gnu-Lizenz GPL war. Über die rein rechtliche Regulierung hinaus ist Vim auch so genannte Charityware: Molenaar setzt sich dafür ein, dass Anwender von Vim über eine Stiftung namens ICCF die Ausbildung von Kindern in Uganda unterstützen.

Der Vim-Editor steht heute auf einer Vielzahl von Plattformen zur Verfügung, darunter Linux, Windows, Mac OS X und allen möglichen Unix-Varianten. In der Linux-Welt ist Vim die am weitesten verbreitete Vi-Implementierung, die auf praktisch allen Distributionen zur Verfügung steht.

Funktional hat er den Unix-Urahnen Vi, der in den siebziger Jahren von Bill Joy programmiert wurde, längst hinter sich gelassen. Zwar ist Vim grundsätzlich immer noch vollständig kompatibel zu Vi, bietet dem Anwender auf Wunsch aber beispielsweise mehrere vertikal oder horizontal geteilte Fenster, Plugins und die Unterstützung der Unicode-Zeichencodierung. Erweiterungen können in Programmiersprachen wie Perl, Python, Ruby, Tcl und Lua geschrieben werden.

Beim Editieren unterstützt Vim seine Anwender durch die farbige Hervorhebung von Schlüsselwörtern (Syntax Highlighting), Makros, automatische Einrückung und so weiter. Dabei beherrscht Vim nicht nur alle gängigen Programmiersprachen, sondern auch Markup-Sprachen wie HTML, Manpages, (La)TeX und moderne Webframeworks wie Ruby on Rails oder Cake-PHP. Mehr Informationen zu Vim finden sich auf der Homepage http://www.vim.org. Eine Einführung in die Bedienung gibt der Artikel "Doppel-Leben" in ADMIN 03/2011, den wir anlässlich des 20. Geburtstags zum freien Download anbieten.

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