Debian bootet künftig mit Systemd

12.02.2014

In der finalen Abstimmung hat sich das Debian Technical Committee nun für Systemd als neues Init-System entschieden.

Am Ende gab die Stimme von Bdale Garbee den Ausschlag: Künftige Versionen von Debian Linux werden als Init-System das Systemd-Paket verwenden. Dem war eine mehrere Monate dauernde Diskussion vorangegangen, ob und wie Debian sich künftig vom gewohnt Sysv-Init-System verabschieden soll und was die Alternativen dafür sein könnten. Neben dem bisher vor allem von Red Hat vorangetriebenen Systemd standen als Alternativen noch die Ubuntu-Entwicklung Upstart und das weniger bekannte OpenRC zur Wahl.

In der der teilweise hitzig geführten Debatte, in der Teilnehmer immer wieder daran erinnert werden mussten, auf persönliche Angriffe oder die Unterstellung niedriger Motive zu verzichten, dienten einzelne technische Aspekte je nach Standpunkt dazu, ein Init-System zu favorisieren oder abzulehnen. So führten die Systemd-Befürworter ins Feld, dass die Integration von Systemd in Linux mittlerweile teilweise schon so weit geht, dass sich künftig der Gnome-Desktop nicht mehr ohne Systemd betreiben lasse. Dies diente den Gegnern wiederum als Beispiel für ihe Behauptung, die Systemd-Entwickler würden sich absichtlich überall im System unverzichtbar machen, damit Systemd letztlich "alternativlos" sei. 

Auch die Tatsache, dass Debian grundsätzlich kein reines Linux-Projekt ist, sondern auch noch Betriebssystemvarianten basierend auf Hurd und FreeBSD pflegt, wurde in der Diskussion berücksichtigt. Allerdings gelangte das Technical Committee irgendwann zu der Einsicht, dass diese Plattformen ohnehin in Zukunft einen eigenen Weg gehen müssten, was das Init-System betrifft. Darüber, dass Debian Linux sich vom alten Sysv-Init früher oder später verabschieden muss, um den Anforderungen eines "modernen Linux" gerecht zu werden, herrschte irgendwann wenigstens Einigkeit.

Prinzipiell gibt es im Rahmen der komplizierten Debian-Verfahrensregeln nun noch die Möglichkeit, dass eine "General Resolution", die nun einige Mitglieder fordern, das Ergebnis des Technical Committee überstimmt.

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