Scheitert Moore am Geld?

11.08.2011

IBM steigt aus einem Petaflop-Projekt des Supercomputing Centers der Universität Illinois-Champain aus. Werden die Rechengiganten unbezahlbar?

Wie sich das Universum nach dem Big Bang entwickelt hat, wollte man besser verstehen, Hurricans und Tornados zuverlässiger vorhersagen, komplexe technische Systeme, etwa in der Energieversorgung, im Auto- und Flugzeugbau simulieren oder bei der Materialforschung auf atomarer Ebene weiterkommen. Dabei helfen sollte ein neuer wassergekühlter Supercomputer der Petaflop-Klasse. Er hätte eine enorme Rechenleistung geboten: Dauerhaft eine Billiarde Operationen pro Sekunde. Könnte ein menschlicher Rechner zwei 14-stellige Ziffern in der Sekunde multiplizieren, dann wäre er 31 Millionen Jahre mit dem beschäftigt, was ein Petaflop-Rechner sekündlich erledigt. Für den "Blue Waters" getauften Rechner stand seit dem vergangenen Jahr bereits ein schickes, neues, 8000 Quadratmeter großes Rechenzentrum bereit, nebst drei Kühltürmen und einer eigenen 24 MW Stromversorgung. Jetzt wird dem Lieferanten des Rechengiganten der Spaß zu teuer. IBM steigt aus.
 
Das ist nicht der einzige Fall dieser Art. Bereits 2009 hatte sich NEC aus dem Projekt eines japanischen 10 Petaflop-Computers zurückgezogen. Auch hier drohten die Herstellungskosten aus dem Ruder zu laufen. Deswegen liegt die Frage auf der Hand, ob das Wettrennen nach immer schnelleren Rechnern, für das Moores Law bis dato den Fahrplan lieferte, bald aus Geldmangel eingestellt wird?
 
Dafür spricht, dass die weltschnellsten Rechner immer gigantischere Summen verschlingen. Der jetzt gecancelte Petaflop-Rechner von IBM hätte, so mutmaßt man in Fachkreisen, um die 300 Millionen Dollar kosten müssen. Dazu kommen immense Betriebskosten durch den enormen Stromverbrauch, der ganze Kraftwerke auslastet. Andererseits bringen viele Anwendungen der Grundlagenforschung, die auf solchen Computermonstern laufen, zunächst kaum Geld. Rechnet man jetzt noch die wirtschaftlich schwierigen Zeiten hinein, scheinen Probleme unausweichlich.
 
Dagegen spricht: Mit einem Petaflop wäre "Blue Waters" derzeit nicht einmal in die Top-10 der weltschnellsten Rechner gelangt, die ein japanisches 8-Petaflop-System anführt. Und diese Rechner konnten trotz noch höherer Leistung auch finanziert werden. Auch das National Center for Supercomputing Applications (NCSA) der University of Illinois in Urbana-Champaign ist optimistisch. Bis September will man einen Plan B mit einem anderen Hersteller ausgetüftelt haben und dann sogar die Deadline für die Inbetriebnahme im Herbst nächsten Jahres halten. Die Kosmologen und Materialforscher, Fertigungsingenieure und Meteorologen, Flugzeugbauer und Biologen dürfen also wieder hoffen. 
 
Spannend bleibt es jedenfalls.

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