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Große Betriebssystemauswahl

Zur Installation des Betriebssystems bietet die Raspberry Foundation einige Images an, die sich unter Windows, Linux und OS X auf die Karte schreiben lassen, sofern ein Kartenleser vorhanden ist. Die beste Wahl ist eine angepasste Debian-Distribution namens Raspbian. Außerdem gibt es Snappy Ubuntu Core und einen Fedora-Remix namens Pidora. Das sind alles Allround-Linux-Systeme. Für den Einsatz als Media Center bietet die Download-Seite zwei Images namens Openelec und Raspbmc an.

Für Einsteiger gibt es ein Image namens NOOBS, das die menügeführte Installation der erwähnten Systeme (plus Arch Linux) erlaubt. Für alle außer Raspbian ist dafür allerdings eine Netzwerkverbindung nötig. NOOBS eignet sich nicht nur für Anfänger, sondern auch für Profis, die damit beispielsweise eine automatisierte Installation konfigurieren können, um keinen Monitor an den Pi anschließen zu müssen. Im Februar wurde NOOBS für den Raspberry 2 aktualisiert, aber alle Fehler waren bis Redaktionsschluss noch nicht ausgebügelt.

Beim ersten Start von Raspbian bekommt der Anwender einen Konfigurationsdialog präsentiert, um User einzurichten, den Betriebsmodus (grafisch oder Konsole) festzulegen, die Kamera zu aktivieren und vieles mehr (Bild 2). Selbst das Overclocking des Broadcom-Chips ist damit möglich. Das Tool namens "raspi-config" lässt sich auch später wieder aufrufen, um die entsprechenden Einstellungen zu ändern.

Bild 2: Beim ersten Booten des Pi bekommt der Anwender ein Menü präsentiert, um die wichtigsten Einstellungen vorzunehmen.

Ein Gedanke bei der Entwicklung des Raspberry war, die Faszination wieder aufleben zu lassen, die während des Heimcomputer-Booms Rechner wie der C-64 oder der Atari 800 auf viele Anwender ausübten. Die Idee, den User nach dem Booten mit einem Python-Interpreter zu begrüßen, ähnlich wie es die Homecomputer mit ihren BASIC-Interfaces taten, wurde aber im Lauf der Zeit verworfen. Nur das "Pi" im Namen des Raspberry erinnert noch daran.

Dennoch hat sich die Raspberry Pi Foundation die Förderung von Schülern und Studenten mittels ihres Kleincomputers auf die Fahnen geschrieben. Das ist auch an der Softwareausstattung zu erkennen, die etwa die visuelle Programmierumgebung Scratch und die grafische Musiksoftware Sonic Pi enthält. Auch Mathematica-Erfinder Stephen Wolfram war von der Pi-Idee so begeistert, dass er eine kostenlose Edition von Mathematica für Raspberry zur Verfügung stellt, um die naturwissenschaftlich-technische Ausbildung voranzubringen (und sein Produkt zu promoten).

Darüber hinaus ist die Software-Ausstattung der Raspbian-Distribution reichhaltig. Neben Standard-Anwendungen wie Webbrowsern und Office-Software gibt es zahlreiche Programme für Nerds und Bastler, zum Beispiel zur Arduino-Programmierung, zum Schaltungsentwurf, Platinendesign und so weiter. Wer selbst Anwendungen entwickeln will, findet eine große Palette an Programmiersprachen, Bibliotheken, Datenbanken wie MySQL, Drizzle und PostgreSQL und vieles mehr.

Fazit

Mit dem Raspberry Pi 2 ist ein überfälliges Update des erfolgreichen Einplatinenrechners erschienen, das dem System eine Performancespritze verpasst. Insbesondere Multicore-Anwendungen profitieren von der Erweiterung auf vier Prozessorkerne. Die ARMv7-Architektur bringt den Pi 2 auf einen zeitgemäßen Stand, was ihm beispielsweise einen von Microsoft angekündigten Port von Win­dows 10 beschert. Eine bessere Hardware-Ausstattung in puncto Massenspeicher (SATA) oder Netzwerk besitzt der Rasp­berry 2 aber nicht.

Wer sich einen Pi 2 kaufen möchte, sollte sich vorher überlegen, was er damit machen möchte. Zum Beispiel gibt es zum Einsatz als Sensorplattform andere Boards mit Microcontrollern, die weniger Strom verbrauchen (und sich damit im Gegensatz zum Pi für Batteriebetrieb eignen), Bluetooth LE unterstützen und teilweise sogar weniger kosten. Für solche Anwendungen ist der Raspberry 2 beinahe Overkill, lässt sich aber dafür auch mit Standard-Tools und -Sprachen für Linux recht einfach programmieren. Außerdem gibt es für die GPIO-Schnittstelle eine große Palette an Zusatz-Interfaces.

Mit der Leistung des aktuellen Modells taugt der Pi auch als komplettes Desktop-System, mit dem insbesondere Anwender experimentieren können, die sich für die ARM-Architektur interessieren oder gerne mit einem kleinen und stromsparenden System arbeiten. Allerdings hat der Pi auch in dieser Hinsicht eine Menge Konkurrenz bekommen, was nicht zuletzt seiner eigenen Popularität geschuldet ist. So gibt es mittlerweile eine Vielzahl ARM-basierter Boards, die sich in einem ähnlichen Preisspektrum bewegen, aber über umfangreichere Hardware-Ausstattung verfügen, etwa der Banana Pro (mit SATA, WLAN und GBit-Netzwerk) für 50 Euro, das Cubieboard 2 mit SATA-Interface für 50 Euro oder die Odroid-Rechner.

Der Günstigste in diesem Spektrum ist der Raspberry mit etwa 35 Euro auch mit dem Modell 2 allemal, mit den erwähnten Abstrichen bei der Ausstattung. Gleichzeitig ist der Raspberry mit fünf Millionen verkauften Geräten der populärste Kleincomputer mit der größten Community, was sich wiederum in der Verfügbarkeit von Dokumentation und Zusatzhardware niederschlägt und somit auch ein gewichtiges Kaufargument darstellt.

Link-Codes

[1] Raspberry Pi: http://it-a.eu/E5P01/

[2] BCM2835: http://it-a.eu/F4PA2/

[3] Open Source-Treiber: http://it-a.eu/F4PA3/

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