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Obwohl Linux als freie Software kostenlos verfügbar ist, setzen viele beim Unternehmenseinsatz auf Enterprise-Distributionen mit Support. Wo die Stärken der ... (mehr)

Kleine Städte können es. Schwäbisch Hall zum Beispiel, wo man schon 1997 bei Internetdiensten auf Linux setzte und heute in der Verwaltung flächendeckend unter dem freien Betriebssystem arbeitet. Größere Städte können es. Etwa Leipzig, wo man allein im Verlauf des letzten Jahres 3900 von 4200 PC-Arbeitsplätzen auf Open Office migrieren konnte. Ziemlich große Städte können es. Beispiel München, das mit der Umstellung von über 11 000 Arbeitsplätzen auf Linux 10 Millionen Euro sparte. Ganze Länder können es. Portugal ist ein Exempel: Dort stellt man die gesamte öffentliche Verwaltung auf das Open-Document-Format um.

Freiburg konnte es nicht. Nachdem man sich dort 2007 zur Umstelllung auf Open Office entschlossen hatte, migriert man jetzt zurück zu Microsoft Office, weil man ansonsten angeblich auf Funktionen verzichten müsste, nur noch ineffektiv arbeiten könne, Software ohne Zukunft nutzen würde und keine Akzeptanz bei den Anwendern fände. Jedenfalls sagt das ein Gutachter, der zufällig Aufsichtsrat eines Microsoft-Gold-Partners, dafür aber verständlicherweise in Sachen freier Software nicht ganz so firm ist. Open-Source-Experten reiben sich bei der Lektüre zahlreicher fragwürdiger Behauptungen jedenfalls die Augen.

Freiburg nimmt also Anlauf zu einem kostspieligen Rückwärtssalto. Aber woran lag es? Am freien Officepaket jedenfalls sicherlich nicht. Das ist inzwischen ausgereifte und stabile Software, die auch beim Funktionsumfang keinen Vergleich zu scheuen braucht. Aber das reicht eben nicht. Ein Migrationsprojekt ist kein Selbstläufer. Es braucht sorgfältige Planung und konsequente Umsetzung. Beides gab es in Freiburg nicht, wo man stattdessen einen fatalen Mischbetrieb aus veralteten Microsoft- und nicht aktuellen Open-Office-Versionen zuließ.

Doch selbst ein wohl durchdachtes und konsequent verwirklichtes Vorhaben wird misslingen, wenn man, wie in Freiburg, die Anwender nicht mit ins Boot bekommt. Man weiß seit Langem, dass psychologische Faktoren der Hauptgrund für das Scheitern solcher Projekte sind: latente Widerstände, der Unwille angesichts von Veränderungen, das Festhalten am Altbekannten.

Wie man trotzdem erfolgreich Neues implementieren kann, ist auch kein Geheimnis, eine ganze Disziplin, das sogenannte Change Management, beschäftigt sich damit. Es gilt die Betroffenen früh einzubeziehen, sie davon zu überzeugen, dass sie persönliche Vorteile haben, ihre Sorgen ernst zu nehmen, sie immer auf dem Laufenden zu halten und noch fehlende Fertigkeiten zu trainieren. Dann identifizieren sich die Mitarbeiter mit einem tollen Projekt wie der Office-Migration, das ihnen Unabhängigkeit zurückgibt, das zukunftsweisend ist und dabei Kosten spart. Dann laden sie nicht diffusen IT-Frust bei den Neuerungen ab, dann gehen sie nicht einem zweifelhaften Gutachter auf den Leim, sondern sind stolz, ein Vorreiter zu sein.

 

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