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Synology Cloud

Wer eine NAS-Appliance kauft, der hat im Grunde schon alles für einen kleinen Cloud-Storage beisammen: Häufig ein Linux-Betriebssystem, meist mit Webserver, das Disk- und RAID-Management, den Netzwerkanschluss. Es liegt also einigermaßen nahe, auch eine Applikation für den Fernzugriff und die Synchronisation mit externen Clients zu integrieren. Auf diese Idee sind etliche Hersteller gekommen (Western Digital: WD 2go, Qnap: MyCloudNAS, und andere). Wir haben uns die Lösung angesehen, die Synology in sein NAS-Betriebssystem DSM 4.0 auf Linux-Basis integriert (Abbildung 3).

Abbildung 3: Geschafft! Der Begrüßungsbildschirm der Cloud Station lädt zur Benutzung ein.

Was bei unserem Test gleich zu Anfang für einen Kritikpunkt sorgte: Es gibt keinen Linux-Client! Und das, obwohl das NAS-Betriebssystem selbst auf Linux gründet. Offenbar empfindet der Hersteller keine moralische Verpflichtung, der Community, von der er profitiert, etwas zurückzugeben. Da auch ein Browser- oder Mobilclient fehlt und sich der Fernzugriff immer der Cloud-Station-Anwendung bedienen muss, schauen alle in die Röhre, die nicht vor einem Windows-Rechner oder Intel-Mac sitzen.

Notgedrungen wichen wir auf Windows aus. Die Verbindungsaufnahme gestaltet sich hier prinzipbedingt ein wenig komplizierter, denn anders als der Dropbox- oder ein Owncloud-Server befindet sich ein NAS-Server normalerweise im LAN und hat keine direkte Internetverbindung. Stattdessen wird er sich – gerade auch im SMB-Umfeld – häufig in einem NAT-Subnetz wiederfinden und von außen eigentlich nicht erreichbar sein.

Synology begegnet dem mit zwei Strategien: Zum einen verwendet es einen dynamischen DNS-Dienst, dabei sind sowohl ein hauseigener wie auch andere Anbieter wie DynDNS nutzbar. Dieser Dienst übersetzt den Namen des Cloudservers in die externe IP-Adresse des Internet-Routers. Zum anderen pollt der Cloud-Server permanent einen Rechner bei Synology, den er regelmäßig fragt, ob sich Clients für ihn interessiert haben. Ist das der Fall, vermittelt der auf dem Synology-Rechner laufende Service QuickConnect eine Tunnelverbindung zwischen dem Cloud-Server und seinem Client und zieht sich dann zurück. Dieses Prozedere erspart Portweiterleitungen auf dem Router, erhöht allerdings die Komplexität, kostet etwas Performance und ist eine potenzielle Fehlerquelle.

Eine Verschlüsselung auf dem Server fehlt vollkommen, zumindest für sicherheitskritische Daten scheidet diese Clouds also von vorneherein aus. Irgendwelche Viewer- oder Player-Apps, Editoren, Kalender oder Adressbücher gibt es in Synologys Cloud Station ebenfalls nicht – allerdings bietet der NAS-Server selbst (zumindest im LAN) derartiges in Hülle und Fülle an. Der Status der Synchronisierung lässt sich zwar nicht unmittelbar an der Datei ablesen, aber über ein kleines Symbol im System-Tray von Windows ist ein Menü aufrufbar, das über den Verbindungsstatus Auskunft gibt und zum Beispiel auch verrät, welche Files zuletzt synchronisiert wurden.

Einmal eingerichtet, funktioniert die Cloud erwartungsgemäß. Vorteilhaft ist die Integration in die schicke Web-GUI des NAS-Betriebssystems. Leicht irritierend wirkt allerdings die inkonsistente Verwendung von Menü-Bezeichnern. So ist beispielsweise in der Cloud-Station-Hilfe von »Hauptmenü > Bedienfeld« die Rede, wo »Hauptmenü > Systemsteuerung« gemeint ist. Wo die Hilfe auf »Hauptmenü > Cloud Station > Benutzerprivilegien« verweist, meint sie tatsächlich "Hauptmenü > Cloud Station > Berechtigungen" und so weiter.

Alles in allem: Der Ansatz leuchtet ein, die Ausführung lässt Wünsche offen.

Fazit

Wen die Bindung an einen Anbieter oder die Kosten des Abo-Modells nicht schrecken, und wer keine Angst vor Datenlecks hat, der kommt mit Dropbox oder einem vergleichbaren Dienst am bequemsten zum Ziel. Hier ist nur auf denkbar einfache Weise der Client zu installieren, um alles andere kümmert sich der Betreiber. Der Service ist ausgereift, ergänzende Angebote von Drittanbietrern sind vielseitig, die Plattformunterstützung ist gut.

Wer die Zügel in der Hand behalten will und es sich zutraut, selbst einen hoch verfügbaren und sicheren Storage zu managen, der sollte sich Owncloud ansehen. Wenn es die Kinderkrankheiten einmal überwunden hat, wird es eine komplette und dabei günstige Private Cloud für Storage sein, die viele Clients unterstützt und sich relativ einfach aufsetzen und administrieren lässt.

Wer sich weder in die Hände von Dropbox begeben will noch Speicher-Know-how investieren kann, für den ist eine Cloud als NAS-Ableger vielleicht das Richtige. Allerdings muss man sich der Beschränkungen bewusst sein: Die von uns getestete DS 712+ verfügt beispielsweise nur über zwei Plattensteckplätze. Gespiegelt reicht das für maximal 3 TByte, auch der Cache hat eine fixe Größe, für eine Hotspare-Platte fehlt der Platz, die Daten werden unverschlüsselt abgelegt, die Anzahl möglicher Accounts ist beschränkt, ebenso die Dateigröße (1 GByte) und so weiter. Es gibt größere Hardware-Modelle von Synology, aber die verschieben das Limit des einen Geräts nur etwas nach oben. Zudem ist derzeit – ohne Linux, ohne Mobil- und Browserclient – die Plattformunterstützung eher mager.

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