Obwohl Linux als freie Software kostenlos verfügbar ist, setzen viele beim Unternehmenseinsatz auf Enterprise-Distributionen mit Support. Wo die Stärken der ... (mehr)

Unzerbrechlich

Mit "unbreakable" will Oracle andeuten, dass man die Stabilität gegenüber dem RHEL-Kernel verbessert hat. Außerdem hat Oracle eine Reihe von Funktionen in seinen UEK eingebaut, die es in sich haben. Die versprochene bis zu 75 Prozent höhere Performance bezieht sich indes auf ganz verschiedene Aspekte. So soll etwa die Netzwerk-Performance dank im UEL-Kernel enthaltenen "Receive Steering" höher sein. Laut Oracle haben die eigenen Entwickler außerdem die asynchrone I/O-Leistung verbessert und Optimierung für SSDs eingebaut. Ferner unterstützt OEL das von Oracle entwickelte Protokol "Reliable Datagram Sockets (RDS)", was ebenfalls eine höhere Performance in schnellen Netzen mit geringer Latenz ermöglichen soll, etwa für die NAS-Anbindung.

Die herausragende Besonderheit beim UEK ist jedoch die Unterstützung der Ksplice-Technologie [10] (siehe Kasten Redpatch und Ksplice). Sie erlaubt es, Updates für den Kernel, sowie Treiber ohne einen Reboot einzuspielen, ein bei Servern interessantes Alleinstellungsmerkmal. Ksplice erlaubt es im Prinzip, neue Kernel-Patches unmittelbar in den Hauptspeicher zu laden, was theoretisch einen Linux-Server ermöglicht, der quasi ununterbrochen läuft, weil er nie neu gestartet werden muss.

Seit Ksplice von Oracle übernommen wurde, ist die Technologie allerdings nur noch kostenpflichtig für Oracle Linux verfügbar. Die sonstigen Eckdaten von Oracle Linux sind weitgehend identisch mit Red Hat Enterprise Linux. Auch die Versionierung folgt dem RHEL-Schema. Die aktuelle Version von Oracle Linux trägt also ebenfalls die Versionsnummer 6.3 und ist am 03. Juli diesen Jahres erschienen.

Was das Subsciptions-Modell angeht, ist festzuhalten, dass Oracle Linux keines hat. Jeder kann die ISO-Images von Oracle Linux kostenlos aus der Oracle Software Delivery Cloud herunterladen. Das gilt sowohl für die ISO-Images der Installationsmedien als auch für die Sourcen, die außerdem auf zahlreichen Spiegelservers liegen, in Deutschland etwa unter [11]. Kostenpflichtig ist bei Oracle Linux lediglich der Support. Neue Nutzer müssen sich allerdings einmalig beim "Oracle E-Delivery Service" registrieren.

Die Produktstrategie von OEL basiert hauptsächlich auf dem Ubreakable Kernel, der den Hauptanteil an den genannten Vorteilen von OEL gegenüber RHEL hat. Der ebenfalls mitgelieferte Standard-RHEL-Kernel ist mit diesem identisch und vorrangig an Bord, sollte ein bestimmtet Programm unter Oracle Linux Probleme bereiten. Die einzelnen Support-Staffeln von OEL sind im Online-Shop von Oracle zu finden. Oracle ist grundsätzlich nur für X86-32-/64-Plattfomen und Itanium verfügbar. Letztere wie Red Hat Enterprise Linux allerdings nur bis einschließlich der Version 5.5.

Die preiswerteste Stufe (neben dem Verzicht auf Support) ist "Oracle Linux Network Support". Der kostet für ein Jahr 93,96 Euro. Weitere Besonderheit bei Oracle-Linux: Jeder Admin kann sich die lizensierte Software auf Wunsch auch in Form eines physischen Datenträgers (Media Pack) zusenden lassen. Der kostet dann 59,20 Euro.

Ein Vergleich der drei bisher vorgestellten Enterprise-Systeme ist noch einmal in Tabelle 1 zu sehen. Weil jede Firma bereits eine Fülle unterschiedlicher Lizenzmodelle und Support-Pakete bietet und diese sich kaum direkt vergleichen lassen, kann die Tabelle nur eine grobe Orientierung geben. Beispielsweise berechnen Suse und Red Hat ihre Modelle auf der Basis von Rechnerkernen. Oracle bietet ein Support-Modell, das ebenfalls auf Cores basiert, erlaubt aber beim Basis-Support eine unbegrenzte Zahl.

Tabelle 1

Preise und Supportleistungen

 

Red Hat

Suse

Oracle

Basis-Preise für ein Jahr

CPUs/Cores

2 physische Cores

2 physische Cores

unbegrenzt

Support-Umfang

"Self-Support": Kein Support, nur Maintenance (Updates)

"Basic": Kein Support, nur Maintenance (Updates)

"Network Support": kein Support, nur Maintenance (Patches, Updates, Security Fixes)

Preis

349 US-Dollar

349 US-Dollar

94 Euro

Standard-Preise für ein Jahr

CPUs/Cores

4 physische Cores

4 physische Cores

2 Cores / unbegrenzt

Support-Umfang

"Standard": Support (12/5 via Web, Telefon) + Maintenance (Updates)

"Standard": Support (12/5 via E-Mail, Web, Chat, Telefon) + Maintenance (Updates+Patches)

"Basic Limited Support": Support (24/7 via Web, Telefon) + Maintenance (Patches, Updates, Security Fixes)

Preis

1598 US-Dollar

1598 US-Dollar

396 Euro / 948 Euro

Premium-Preise für ein Jahr

CPUs/Cores

4 physische Cores

8 physische Cores

2 Cores / unbegrenzt

Support-Umfang

"Premium": Support (24/7 via, Web, Telefon) + Maintenance (Updates)

"Priority": Support (24/7 via E-Mail, Web, Chat, Telefon) + Maintenance (Updates+Patches)

"Premier Limited Support": Support (24/7 via Web, Telefon) + Maintenance (Patches, Updates, Security Fixes)

Preis

6498 US-Dollar

5996 US-Dollar

1104 Euro / 1812 Euro

ROSA Enterprise Linux

Ein weiterer relativ junger RHEL-Abkömmling ist der "ROSA Enterprise Linux Server (RELS) 2012" (Codename Helium), des russischen Distributors ROSA Labs. ROSA kooperiert bekanntlich bei seiner Desktop-Distribution "ROSA Marathon 2012" mit Mandriva. RELS dagegen basiert auf RHEL und bietet fünf Jahre Support bei der kommerziellen Variante, bietet RELS aber auch als Community-Version an. Die Distribution ist ausschließlich für 32- und 64-Bit-x86-Systeme verfügbar.

Abbildung 4: Ein weiterer Klon der Red-Hat-Distribution ist der Newcomer ROSA Linux. Im Gegensatz zu etwa CentOS hat ROSA aber kommerzielle Ambitionen.

ROSA hat seiner Distribution allerdings im Vergleich zu den Paketen von RHEL 6 einige Aktualisierungen, sowie eine handvoll zusätzlicher Pakete spendiert und ein Verwaltungswerkzeug entwickelt. ROSA Helium ist ebenfalls binär- kompatibel zu RHEL 6. Die freie Version steht unter [12] zum Herunterladen zur Verfügung. Die Shop-Seite von Rosalab war bis Redaktionsschluss noch "Under Construction".

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