Obwohl Linux als freie Software kostenlos verfügbar ist, setzen viele beim Unternehmenseinsatz auf Enterprise-Distributionen mit Support. Wo die Stärken der ... (mehr)

Suse Linux Enterprise Server

Red-Hats direkter Konkurrent im Sektor Enterprise-Distributionen ist die nach der Übernahme von Novells Linux-Sparte durch Attachmate im Mai 2011 wieder relativ unabhängig agierende Nürnberger Suse Linux GmbH. Sie hat als Pionier der Branche seit dem Jahr 2000 eine Enterprise-Distribution "Suse Linux Enterprise Server" (SLES) [4] im Angebot.

Abbildung 2: Auch Suse gehört zu den Pionieren im Linux-Geschäft, bot den Enterprise-Server aber erst nach den frühen Distributionen für Privatanwender an.

Nach Aussage von Suse nutzen derzeit 13 000 Unternehmen SLES. SLES stellt damit rein wirtschaftlich zwar keine Konkurrenz zum RHEL dar, spielt aber technologisch in der gleichen Liga, hat historisch bedingt zahlreiche Kunden in Deutschland und verbucht im Detail den einen oder anderen Mehrwert gegenüber RHEL. Die Suse Linux GmbH spricht zudem von einer Lizenzkostenersparnis gegenüber dem direkten Konkurrenten RHEL von 50 Prozent, was sich aber anhand der Preislisten für die Subscriptions kaum nachvollziehen lässt.

Die seinerzeit erste SLES-Version "Suse Linux Enterprise Server for S/390" wurde von einem kleinen Entwicklerteam speziell für IBM-Großrechner (S/390) entwickelt. Erst mit der Version SLES 7 war SLES dann 2001 für die x86-Architektur verfügbar. Die derzeit aktuelle Version SLES 11 SP2 ist im Februar dieses Jahres erschienen und für die Plattformen x86/x64), Intel Itanium, IBMs System z- und POWER-Plattformen, sowie in Amazons EC2-Cloud und als VMware-Appliance verfügbar.

Wie der Name schon andeutet, ist SLES eine Server-Distribution. Suse bietet aber auch ein Desktop-Produkt, das als Nachfolger des Suse Linux Desktop beziehungsweise des Novell Linux Desktop aktuell auf den Namen Suse Linux Enterprise Desktop SLED hört. Seit SLES 10 verwenden SLES und SLED eine identische Code-Basis. Aktuell wird SLES von Suse in vier Varianten aktiv gepflegt. SLES 9 basiert auf einen Kernel 2.6.5. SLES 10 SP3 nutzt einen Kernel 2.6.16, während SLES 11 SP1 wie RHEL auf einem Kernel 2.6.32 aufsetzt.

Die aktuelle Version SLES 11 SP2 kann bereits mit einem aktuellen Kernel 3.0 aufwarten. Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Enterprise-Linuxen basiert SLES nicht auf RHEL, sondern pflegt sowohl seinen Kernel als auch seine Paket-Basis selbst.

Auch Suse Enterprise Linux lässt sich ausschließlich über Subscriptions nutzen. Das Angebot ist allerdings etwas anders gegliedert als bei Red Hat. Der Kunde muss sich auf der SLES-Bestellseite lediglich für den CPU-Typ "x86 und x86_64" oder "Power or Itanium" entscheiden, sowie die Anzahl physischer oder virtueller Kerne angeben. Ist das geschehen, stehen drei Subscriptions "Basic", "Standard" und "Priority" zur Verfügung, wobei zum Beispiel "Basic" nur Maintenance enthält, keinen Support. Die preiswerteste Variante "Basic-Subscription für x86-CPUs mit 2 physischen Kernen" schlägt dann mit 349 US-Dollar für den 1-Jahres-Vertrag, 950 US-Dollar für den 3-Jahres-Vertrag und 1400 US-Dollar für einen 5-Jahres-Vertrag zu Buche.

Neuerer Kernel

Die Suse-Entwickler pflegen einen eigenen Kernel für ihren Enterprise-Server, sodass die Entwicklung unabhängig vom Entwicklungsstand des RHEL-Kernels ist. So enthält die aktuelle SLES-Version SLES 11 SP2 vom Februar 2012 immerhin einen deutlich aktuelleren Kernel 3.0 und zeichnet sich gegenüber RHEL dadurch aus, dass SLES bereits Btrfs-Unterstützung bietet (siehe Kasten "Btrfs") und Funktionen zur Container-Virtualisierung auf Basis von Linux Container (LXC) zur Verfügung stellt.

Btrfs

Btrfs gilt gemeinhin als Linux-Dateisystem der Zukunft und bietet gegenüber traditionelleren Dateisystemen interessante Möglichkeiten, wie etwa eine Unterstützung von Snapshots, Subvolumes, Kompression und RAID. SLES und Oracle Linux unterstützen Btrfs im Gegensatz zu RHEL bereits, wenn auch nicht als Standard-Dateisystem.

Verwendet der SLES-Admin Btrfs für die Root-Partition, kümmert sich Yast automatisch um das Einrichten der benötigten Snapper-Infrastruktur. Die erzeugt mithilfe der in Btrfs enthaltenen Funktionen eine einstellbare Anzahl von Snapshots des kompletten Dateisystems, sodass veränderte oder gelöschte Dateien stets eine gewisse Zeit verfügbar bleiben. Ferner zeigt ein Snapper-Modul für Yast die Unterschiede zur aktuellen Datei-Version und versetzt den Admin in die Lage, gegebenenfalls Änderungen zurücknehmen zu können. Sogar eingespielte Updates lassen sich rückgängig machen.

Für die Boot-Partition lässt sich Btrfs allerdings nicht nutzen. Daher kann der Admin etwa Kernel-Updates oder Änderungen an der Boot-Konfiguration nicht mit Snapper managen. SLES unterstützt übrigens noch nicht die Btrfs-Funktion, mehrere Datenträger zu einem RAID zusammenfassen zu können. Inzwischen ist auch das Werkzeug fsck.btrfs im Update-Channel der Distribution verfügbar. Oracle Linux bietet ebenfalls Unterstützung für Btrfs.

Suse weist in seinem LXC-Quickstart-Guide [5] allerdings auch auf die Nachteile und Gefahren (hoher Verwaltungsaufwand, größeres Sicherheitsrisiko, wegen prinzipiell schlechter gegeneinander abgeschirmter VMs) der Container-Virtualisierung hin und empfiehlt, die Technik nicht in sicherheitskritischen Bereichen einzusetzen. Bekanntlich machen Webhoster häufig von der Container-Virtualisierung Gebrauch, nutzen jedoch meist eher das ebenfalls freie OpenVZ oder dessen kommerziellen Ableger Parallels Virtouzzo.

Wie bei Red Hat lassen sich die aktuellen SLES-Versionen nur noch als Xen-Gäste betreiben, da auch Suse den Xen-Hypervisor – zumindest in der 32-Bit-Version – nicht mehr mitliefert und vollständig auf KVM setzt. Die 64-Bit-Ausgabe enthält derzeit zwar noch Xen, es ist aber absehbar, wohin die Reise geht. Unabhängig davon, was vom Support-Vertrag abgedeckt ist, unterstützt die Virtualisierung mit KVM in SLES bis zu 64 Prozessorkerne im Gastsystem. SLES 11 SP2 enthält erstmals auch VirtFS [6] (Plan 9 folder sharing over Virtio), mit dessen Hilfe mit Qemu/KVM betriebene Gäste auf Wunsch schneller auf Teile des Host-Dateisystems zugreifen können.

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