Four-Letter-Word

Termine planen, Nachrichten austauschen, Kundendaten verwalten, am besten auch vom Smartphone aus. Das alles und noch viel mehr sollen moderne ... (mehr)

In der Open-Source-Szene heißt das böse F-Wort mit vier Buchstaben: Fork. Wo es fällt, ist es ein Indikator für Schwierigkeiten. Ziemlich häufig hörte man es in den letzten Jahren im Nagios-Umfeld.

Nagios war einst ein Freizeitprojekt, das aber schon vor zehn Jahren weit verbreitet war und zunehmend komplexer wurde. Wiewohl Open Source, ließ sich auch damals bereits Geld damit verdienen, etwa indem man es als Dienstleister in Kundenprojekten installierte oder Schulungen anbot. Nur Ethan Galstad, der Erfinder und Chefentwickler, hatte davon einstweilen nichts.

Das mag ihn bewogen haben 2007 seine eigene Firma Nagios Enterprises zu gründen. Ein Schritt, der aber bald zu Problemen führte: Zahlreiche Entwickler beklagten, von ihnen eingereichte Patches blieben unbesehen liegen, die Weiterentwicklung der Community-Version sei eingeschlafen, die Firma konzentriere sich nur noch auf zahlende Kunden, lange bestehende Probleme blieben ungelöst.

So kam es 2009 zum ersten Fork, das Projekt Icinga spaltete sich ab. Außerdem startete mit Shinken eine Neu-Implementierung in Python. Nagios erwuchs Konkurrenz. Nicht zufällig entbrannte im Jahr darauf ein über Rechtsanwälte und via Internet geführter, erbitterter Streit um Markenrechte und Domains.

Nagios überlebte das alles und existierte als freie Software fort, die weiter stark von der Beteiligung der Community profitierte, darunter namentlich von dem beim Monitoring-Spezialisten OP5 beschäftigten Andreas Ericsson. Ebendieser Ericsson, pikanterweise noch im vergangenen Jahr von Nagios Enterprises selbst zum "Nagios Most Valuable Professional" gekürt, wurde nun plötzlich von seinen Juroren geschasst. Er wurde aus der Entwicklung ausgesperrt, von der Teamliste gestrichen, und die Developer-Foren konvertierten flugs in firmeneigene, moderierte Diskussionsrunden. Bitter enttäuscht startet er nun einen weiteren Nagios-Fork: Naemon.

Man könnte meinen, man sähe der Selbstdemontage eines ehemals erfolgreichen Open-Source-Projekts zu. Alles in allem ist verblüffenderweise das Gegenteil der Fall. Der Wettbewerb hat das Geschäft belebt. Von Icinga gibt es mittlerweile zwei Varianten sowie ein neues und ein neuestes Web-Interface neben der klassischen Ansicht. Mit Naemon entsteht eine Alternative, die explizit auf eine Datenbank verzichtet. Zusätze und Plugins aller Art sprießen wie Pilze aus dem Boden. Es gibt alternative GUIs, Lastverteiler, Konfigurationstools, Visualisierer und vieles mehr. Die Nagios-Ableger blühen und gedeihen.

Wir lernen: Mag es auch vorkommen, dass ein Anbieter untergeht – der Anwender gewinnt, wenn sich die besten Ideen ums Überleben streiten. Auch dafür steht das Four-Letter-Word Fork.

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