Interview

»Unternehmen müssen auf eine krypto-agile Systeminfrastruktur achten«

Kommerziell nutzbare Quantencomputer stehen vor der Tür. Firmen wie Google und IBM arbeiten fieberhaft an ihren Superrechnern und steigern die Zahl an Qubits in immer größeren Schritten. Doch gefährden Quantencomputer die bisherigen Verschlüsselungssysteme, da sie bislang nicht zu brechende Verfahren knacken können. Was das für Unternehmen bedeutet und wie sie vorsorgen sollten, erläuterte Malte Pollmann, Chief Strategy Officer bei der Utimaco GmbH, im Interview mit IT-Administrator.
Firmen stecken in einer Zwickmühle: Einerseits verschärfen die Gesetzgeber in Deutschland und Europa laufend die Anforderungen an die Datensicherheit und den ... (mehr)

»IT-Administrator: Auf welchem Stand der Entwicklung befinden sich Quantencomputer?«

Malte Pollmann: Die Quantencomputer-Technologie entwickelt sich rasant. Forscher und Entwickler arbeiten intensiv daran, die Quantenbits, kurz Qubits, in ausreichender Zahl herzustellen, zu kontrollieren und miteinander zu verschalten. Diese supraleitenden Schaltkreise müssen bisher enorm heruntergekühlt und vor Erschütterungen sowie Strahlung geschützt werden, um funktional zu sein. Die dafür verantwortlichen Quanteneffekte – Superposition und Kohärenz – lassen die Rechenleistung exponentiell ansteigen, da Qubits die einzelnen Schritte hochkomplexer Aufgaben parallel und somit wahnsinnig schnell rechnen können. Gerade tut sich bei der Verbesserung der Fehlerkorrektur viel, wodurch die Systeme stabiler arbeiten – und ihr Potenzial besser nutzbar wird.

»Wann werden diese Systeme kommerziell in breiterem Rahmen einsatzfähig sein?«

Auch an dieser Stelle streiten die Experten – fünf, zehn Jahre oder länger stehen im Raum. Viele Player wie IBM, Microsoft, Google, Novarion und D-Wave arbeiten an der Marktreife, wofür Quantenprozessoren und -Algorithmen zusammenspielen müssen. So hat D-Wave zwar unvorstellbare 2000 Qubits realisiert, die jedoch zum Lösen eines maßgeschneiderten Problems zusammengeschaltet wurden. Den anderen Weg in Richtung universeller Quantenrechner gehen beispielsweise IBM und Intel, die zwei Prototypen mit 50 beziehungsweise 49 Qubits entwickelt haben. Beide übertrifft Googles Bristlecone, ein 72-Qubit-Prozessor. Die ersten Quantencomputer werden nicht zuletzt aus Preisgründen vor allem über die Cloud zugänglich sein. Leider werden diese Cloudinstallationen auch Hacker anlocken, solche Systeme zu missbrauchen, um klassische kryptografische Schlüssel zu brechen und damit auf bisher sicher verschlüsselte Daten zuzugreifen.

» Worin genau

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