Team-Software Mattermost

Im Gespräch

Social Apps im Unternehmen werden immer beliebter, wenn man den selbsternannten Experten glauben soll. Jedoch ist es nicht jedem geheuer, die firmeninterne Kommunikation über einen gehosteten Service laufen zu lassen. Hier erfahren Sie, wie Sie die Teamchat-Software Mattermost auf dem eigenen Server in Betrieb nehmen.
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Schon seit Jahren stellen Branchenanalysten regelmäßig den Tod von E-Mail in der Unternehmenskommunikation fest. Viel zu schwerfällig und unflexibel sei das 40 Jahre alte Datenvehikel. Diese Feststellung dürfte übertrieben sein, und schon reden andere Branchenkenner wieder von einer Renaissance der E-Mail. Dennoch ist es nützlich, einmal einen Blick auf Software zu werfen, die eine chatbasierte Kommunikation zwischen Kollegen erlaubt.

Hardcore-User werden gähnen, denn sie verwenden das IRC-Protokoll und die passenden Clients, um sich mit anderen in textbasierten Chats zu unterhalten. Dagegen ist auch nichts einzuwenden, wenn aber weniger technikbegeisterte Benutzer mitmachen sollen, darf es ruhig etwas mehr Komfort sein. Den bietet etwa die webbasierte Anwendung Slack, die in den letzten beiden Jahren extrem populär wurde, nicht nur in Entwicklerkreisen. Laut Slack nutzen derzeit täglich etwa 750.000 Teams die Chat-Anwendung. Slack ist in einer begrenzten Version umsonst nutzbar und kostet darüber hinaus monatlich acht US-Dollar pro Benutzer.

Datensicherheit mit eigenem Server

Wer Skrupel hat, seine geheimen Chats über fremde Server laufen zu lassen, kann auf Open-Source-Alternativen zu Slack zurückgreifen. Eine von ihnen ist Mattermost [1], eine webbasierte Software, die alle Funktionen bietet, die Anwender von Slack kennen: öffentliche und private Chaträume, direkte Nachrichten von User zu User, Benachrichtigungen, Einbetten von Bildern und Hochladen von Attachments. Die Chats werden alle archiviert und sind über das Userinterface durchsuchbar. Zudem bietet Mattermost die Möglichkeit, User und Archive von Slack zu importieren.

Installieren lässt sich Mattermost leicht auf diversen Linux-Plattformen und OS X. Ein Weg führt über das Deployment als Docker-Container, den die Mattermost-Entwickler anbieten. Ist Docker installiert, genügt ein einziger Befehl, um Mattermost herunterzuladen und zu starten:

docker run --name mattermost-dev -d --publish 8065:80 mattermost/platform

Für einige US-amerikanische Rechenzentren von Amazon gibt es ein AMI-Image, aber zum Redaktionsschluss nicht von der neuesten Mattermost-Version. Für ein produktionstaugliches Set-up empfehlen die Entwickler die Installation mehrerer (virtueller) Rechner, die Mattermost selbst, den Loadbalancer und die Datenbank beherbergen. Mit weniger Usern genügt dafür aber auch eine Maschine.

Bild 1: Der Mattermost-Chat unterstützt auch den Austausch von Dateien.

Datenbank installieren

Mattermost kann als Datenspeicher My­SQL oder PostgreSQL verwenden. In diesem Artikel beschränken wir uns auf das Setup mit PostgreSQL. Zum Setup der Chat-Anwendung installieren Sie zuerst gemäß der Anleitung auf der Projektwebsite die PostgreSQL-Datenbank-Engine, legen eine Datenbank sowie einen User für Mattermost an und konfigurieren die Zugriffskontrolle entsprechend. Nach dem Herunterladen des Mattermost-Tar-Pakets entpacken Sie es, etwa in "/home/mattermost", und legen das Verzeichnis "data" an. Am besten, Sie verwenden für das Projekt einen eigenen Benutzer, zum Beispiel "mattermost". Die Dateien übertragen Sie mit "chmod" an den neuen Benutzer:

chown -R mattermost /home/mattermost

In der Datei "config/config.json" passen Sie noch die Konfiguration der Datenbank an. Hinter "DriverName" ersetzen Sie "mysql" durch "postgres" und verwenden bei "DataSource" den String:

postgres://mmuser:mmuser_password@10.10.10.1:5432/mattermost?sslmode=disable&connect_timeout=10

Läuft die PostgreSQL-Datenbank, starten Sie Mattermost durch folgenden Befehl:

./bin/platform

Das Webinterface erreichen Sie nun über den Port 8065. Um auf Ubuntu den Mattermost-Server automatisch zu starten, schreiben Sie eine Upstart-Datei "/etc/init/mattermost.conf":

start on runlevel [2345]
stop on runlevel [016]
respawn
chdir /home/mattermost
setuid mattermost
exec bin/platform

Wenn Sie den Server im Internet betreiben, sollten Sie einen Proxy-Server (Apache, Nginx, HAProxy...) davorschalten, der zum einen SSL/TLS-Verschlüsselung anbietet und zum anderen dafür den Standard-Port 443 verwendet. So können Sie einigermaßen sicher sein, dass auch Mitarbeiter unterwegs oder im Home Office auf den Server zugreifen können und Ihre wichtigen Daten vor Mitlesern sicher sind. Natürlich müssen Sie den Server dann auch entsprechend gegen Angriffe absichern: alle überflüssigen Dienste abschalten, regelmäßig Updates einspielen und so weiter.

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Ausgabe /2019