Zabbix Release 2.2

bowie15, 123RF

Genauer betrachtet

Während viele nur von Nagios reden, ist Zabbix zumindest unter ADMIN-Lesern die beliebteste Monitoring-Lösung. Es ist ebenfalls freie Software, kann zu überwachende Hosts direkt im Web-Interface konfigurieren und überwacht in der Version 2.2 auch VMware-Maschinen.
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Netzwerk-Überwachung wird auch für kleine Unternehmen und im SOHO-Bereich zunehmend wichtiger. Probleme frühzeitig zu erkennen, erhöht die Verfügbarkeit und spart damit vorbeugend Kosten, unabhängig von vorhandenen Backup-, Desaster-Recovery- und Hochverfügbarkeitsstrategien.

Zabbix

Die Monitoring-Lösung Zabbix [1] wird bereits seit 2001 entwickelt und weist eine Reihe von Gemeinsamkeiten mit der wohl bekanntesten Monitoring-Lösung Nagios auf. So wird die Weiterentwicklung der unter der GPL lizenzierten Software bis heute maßgeblich vom Zabbix-Erfinder Alexei Vladishev gesteuert. Er ist der CEO, Eigentümer und Product Manager der von ihm gegründeten Firma Zabbix SIA, die kommerzielle Dienstleistungen rund um Zabbix anbietet.

Wie andere Monitoring-Tools der Gattung nutzt Zabbix für die Überwachung wahlweise Simple Checks, mit denen sich ohne das Installieren zusätzlicher Software auf den zu überwachenden Hosts von außen zugängliche Standarddienste wie SMTP, SSH und HTTP zur Überwachung ansteuern lassen. Alternativ sind auf der Download-Seite eine stattliche Anzahl von Agenten für alle wichtigen Betriebssysteme wie Linux, BSD, AIX, Solaris und Windows zu finden.

Als dritte Möglichkeit kann Zabbix die benötigten Überwachungsinformationen auch mithilfe der in sämtlichen modernen Betriebssystemen eingebauten Netzwerk-Management-Protokolle SNMP oder IPMI beziehen. Der wichtigste Unterschied zu Nagios besteht darin, dass das Zabbix-Web-Interface nicht nur zum Visualisieren der zusammengetragenen Informationen dient, sondern auch die Konfiguration der zu überwachenden Hosts im Webbrowser erlaubt.

Wie andere Monitoring-Lösungen auch versendet Zabbix im Ereignisfall E-Mail-, SMS- oder IM-Sofortnachrichten. Als Speicher-Backend für die gesammelten Informationen sowie für die Konfigurationsdaten der zu überwachenden Hosts dient wahlweise eine MySQL-, PostgreSQL-, IBM-DB2-, Oracle- oder SQLite-Datenbank. In den Handhabung zeichnet sich Zabbix besonders durch die komfortable Kombinierbarkeit von Hosts, Actions, Items und Triggern sowie durch die komfortable Verwaltung von Graphs, Screens und Maps aus, wobei die Darstellung der Hosts auf verschiedenen Typen von Maps sehr elegant gelöst ist.

Ferner lässt sich eine Zabbix-Installation mithilfe von Zabbix-Proxies und Zabbix-Nodes auf mehrere Standorte verteilen, wobei sich beide regelmäßig mit dem Zabbix-Server synchronisieren. Zabbix-Proxies führen die Überwachung quasi stellvertretend für den Zabbix-Server durch, was zum Beispiel einen Zabbix-Server entlastet. Zabbix-Nodes sind eine Art Unter-Server, bieten aber den gleichen Funktionsumfang wie ein Zabbix-Server.

In der Version 2.2 wartet Zabbix mit weit über 100 Neuerungen gegenüber der Version 2.0.9 auf. So gibt es jetzt zum Beispiel einen Werte-Cache, der für ein noch schnelleres Verarbeiten von Triggern sorgt. Weitere Geschwindigkeitsverbesserungen ergeben sich dadurch, dass die Entwickler den eigentlichen Datensendeprozess sowie die Caches für Historien und Konfigurationen überarbeitet haben. Außerdem verarbeitet der Zabbix-Server zeitbasierte Funktionen jetzt parallel.

Noch interessanter macht sich Zabbix für potenzielle Nagios-Umsteiger dadurch, dass die Software jetzt auch VMwares vCenter- und vSphere-Plattformen überwachen kann. Zabbix erkennt virtuelle Maschinen automatisch und schließt die Auslastung und Verfügbarkeit der VMs und Hypervisoren in die Überwachung ein. Wer Zabbix bereits kennt, sollte wissen, dass die Software in der Version 2.2 keine unbekannten Ereignisse mehr kennt.

Ferner ermöglicht die neue Applikationsvererbungslogik, mehrere Templates mit der gleichen Anwendung zu verbinden. Beim Web-Monitoring lassen sich jetzt auch vorlagenbasierte Szenarien auswählen und reguläre Ausdrücke verwenden. Um die Verfügbarkeit eines Dienstes abzufragen, kann der Admin in Zabbix 2.2 außerdem die Anzahl der Wiederholungen festlegen. Für Entwickler nicht uninteressant ist, dass die Zabbix-Macher auch die Zabbix-API überarbeitet haben.

Zabbix installieren

Zabbix steht auf der Download-Seite wahlweise im Quellcode oder in Form von Binärpaketen für RHEL, Debian und Ubuntu zur Verfügung. Darüber hinaus ist Zabbix in den Paketquellen vieler Distributionen enthalten, zum Testzeitpunkt aber bestenfalls in Version 2.0.9. Außerdem stellt das Zabbix-Team virtuelle Zabbix-Appliances auf Basis von OpenSuse 12.3 für VMware, VirtualBox, KVM, Microsoft (VHD) und im Open-Virtualization-Format zur Verfügung, zum Testzeitpunkt allerdings ebenfalls nur in der Version 2.0.9. Für einzelne Distributionen wie Ubuntu 12.04 bietet Zabbix ein eigenes Repository für die Installation der aktuellen Version 2.2 an.

Auch die Installation aus den Sourcen gelingt leicht, wenn die Installationsvoraussetzungen erfüllt sind, also die benötigten PHP-Module, darunter »gd« , »mysqli« , »libxml« und »ctype« installiert sind. Zudem ist für den Zabbix-Daemon ein unprivilegierter Benutzer »zabbix« erforderlich.

Sollen Server und Agent auf der gleichen Maschine laufen, um etwa den Server selbst in die Überwachung einzubeziehen, braucht es einen separaten Benutzer für den Agenten. Für das Anlegen der Datenbanken für einen Zabbix-Server oder -Proxy stehen auf der Projektseite passende Skripte für MySQL, PostgreSQL, Oracle, IBM DB2 und SQLite zur Verfügung [2]. Zum Konfigurieren der Sourcen unter Verwendung von MySQL genügt dann ein:

./configure --enable-server --with-mysql --with-net-snmp

Zum Konfigurieren der Quellen für einen Linux-Agent verwendet man dagegen:

./configure --enable-agent

Das Übersetzen mit »make install« sollte in beiden Fällen problemlos über die Bühne gehen. Den Zabbix-Server-Daemon startet das Kommando »zabbix_server« , den Agenten auf dem zu überwachenden System »zabbix_agentd« . Solange das Web-Interface noch nicht installiert ist, muss man die Agenten manuell in der jeweiligen Konfigurationsdatei »/usr/local/etc/zabbix_agentd.conf« auf dem zu überwachenden Host einrichten. In der muss mindestens die IP-Adresse des Zabbix-Servers eingetragen sein und außerdem der Port, auf dem der Agent auf Anfragen des Servers horcht (»ListenPort=10050« ). Ob der Agent als Daemon startet, legt die Konfigurationsdatei »/etc/zabbix/zabbix_agentd.conf« fest.

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Ausgabe /2019