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Desaster-Simulation

Die Standardparameter von Relax-and-Recover sind in der Regel in der Datei »/usr/share/rear/conf/default.conf« zu finden. Ergänzend hierzu verwendet das Recover-Werkzeug die Konfigurationsdatei »/etc/rear/site.conf« , in der Sie – je nach Sicherungsvariante, Ziel und Ausgabe – die Parameter bestimmen, die nicht dem Standard entsprechen. Die aktuelle Konfiguration geben Sie einfach mit dem "cat"-Befehl aus:

cat /etc/rear/site.conf

Eine entsprechende Konfiguration könnte wie folgt aussehen:

BACKUP=NFS
OUTPUT=ISO
BACKUP_URL=nfs://backupserver.de/daten/rear/backup
OUTPUT_URL=nfs://backupserver.de/daten/rear/output
NFSSERVER=backupserver.de
RETENTION_TIME="Month"
USE_CFG2HTML=y

In dem vorliegenden Beispiel wird eine ISO-Datei erzeugt und diese dann auf dem angegebenen Zielsystem abgelegt. Damit ein Kopieren auf dem Zielsystem möglich ist, müssen Sie dort die entsprechenden Zugriffsrechte konfigurieren.

Vor der eigentlichen Ausführung sollten Sie die Konfiguration nochmals prüfen. Dazu verwenden Sie den Befehl »rear dump« . Die zugehörige Ausgabe liefert jede Menge Details zur Ausführung der Disaster-Recovery-Lösung (Listing 2).

Listing 2: ReaR-Ausgabe



Relax-and-Recover 1.17-git20150 / 2015-04-09
Using log file: /var/log/rear/rearbackup1.log.lockless
Dumping out configuration and system information
This is a 'Linux-x86_64' system, compatible with 'Linux-i386'.
System definition:
                     ARCH = Linux-i386
                     OS = GNU/Linux
                    OS_MASTER_VENDOR =
                     OS_MASTER_VERSION =
                     OS_MASTER_VENDOR_ARCH =
                     OS_MASTER_VENDOR_VERSION =
                     OS_MASTER_VENDOR_VERSION_ARCH =
                    OS_VENDOR = Ubuntu
                     OS_VERSION = 8
                     OS_VENDOR_ARCH = Ubuntu_LINUX/i386
                     OS_VENDOR_VERSION = Ubuntu_LINUX/8
                     OS_VENDOR_VERSION_ARCH =Ubuntu_LINUX/8/i386
Configuration tree:
                    Linux-i386.conf : OK
-
-
                     site.conf : OK
                     local.conf : OK

In der ReaR-Konfiguration können Sie weitere Backup- und Output-Einstellungen verwenden. Die Umgebung unterstützt folgende Backup-Methoden:

 - NETFS – Sichert die Dateien auf einer NFS- oder CIFS-Freigabe

- TAPE - Sichert auf einem Bandlaufwerk

- CDROM – Kopiert die Daten in ein ISO-Image

- NSR – Verwendet den Legato Networker zur Sicherung

- TSM – Verwendet den Tivoli Storage Manager

- DP – Greift auf den HP Data Protector zurück

- BACULA – Verwendet Bacula zur Sicherung

ReaR unterstützt folgende Ausgabewege:

- ISO – Schreibt das Ergebnis in ein ISO-Image

- CDROM – Schreibt die Daten auf CD

- OBDR – Erzeugt ein OBDR-Band

- PXE – Erzeugt PXE-bootfähige Dateien auf einem TFTP-Server

- USB – Erzeugt ein bootfähiges USB-Laufwerk

Ein Backup erzeugen Sie mit dem Kommando »rear -v backup« . Sie sollten als Nächstes prüfen, ob das ISO-Image und die cfg2html-Ausgabe korrekt erstellt wurden. Dazu werfen Sie einfach einen Blick in das Ausgabeverzeichnis. Dort sollten Sie zumindest eine HTML-, eine ISO- und eine Protokolldatei vorfinden.

Bevor Sie allerdings vollständig an die Zuverlässigkeit und Korrektheit Ihrer ReaR-Konfiguration glauben, sollten Sie eine Simulation des Desaster-Falls ausführen. Dazu greifen Sie am einfachsten zum Gnome Partition Editor, kurz GParted, starten das Live-System und löschen die gesicherte Partition (Bild 2).

Bild 2: Mit dem Gnome Partition Editor können Sie einen Crash simulieren und prüfen, ob Ihre ReaR-Konfiguration das gewünschte Ergebnis liefert.

Führen Sie anschließend einen Neustart des zu sichernden Systems aus und verwenden Sie dazu das zuvor erstellte Boot-Image. Es meldet sich die simple ReaR-GUI, in der Sie den Eintrag "Recover" auswählen. Melden Sie sich dann als Root im Recovery-System an und starten Sie mit rear recover die Wiederherstellung des Festplatten-Layouts. Anschließend rufen Sie das konfigurierte Backup-Programm auf. Nach dem Überspielen der Daten werfen Sie einen Blick in das Verzeichnis »/mnt/local« , um zu prüfen, ob die Originaldaten in diesem Verzeichnis liegen.

Nun können Sie das Medium entfernen und einen Neustart durchführen. Es meldet sich der von Ihrem Linux-System verwendete Bootloader, der nun auch die Option "Relax and Recover" besitzt. Sie können mit dem Bootloader wie gewohnt das Ausgangssystem starten. Das Disaster Recovery wurde erfolgreich ausgeführt.

Fazit

Mit ReaR steht Administratoren eine schlanke und einfach zu bedienende Disaster Recovery-Lösung zur Verfügung. Ein wenig mehr Benutzerkomfort bei der Auswahl der Backup- und Ausgabemethoden würde man sich allerdings wünschen. Für den großflächigen Einsatz scheint sie weniger geeignet, aber für die schnelle und unkomplizierte Sicherung kritischer Systeme ist Relax-and-Recover bestens geeignet.

(of)

Link-Codes

[1] Relax and Recover: http://relax-and-recover.org/

[2] IT-Grundschutz: https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/ITGrundschutz/ITGrundschutzKataloge/Inhalt/_content/hilfmi/muster/musterrichtlinien/musterrichtlinien.html/

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