Open Virtual Desktop 3.0 als VDI-Alternative

© Sebastian Kaulitzki, Fotolia

Verschachtelt

Wer eine Alternative zu den kommerziellen VDI-Lösungen sucht, sollte einen Blick auf den Ulteo Open Virtual Desktop werfen. Er steht als Open Source frei zur Verfügung und bringt Windows- und Linux-Anwendungen zusammen auf den virtuellen Desktop.
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Angefangen hat die 2007 vom Mandriva-Erfinder Gael Duval gegründete Firma Ulteo mit einer Online-Variante von OpenOffice. Offensichtlich fand man Gefallen an der Virtualisierung von Anwendungen, denn schon ein Jahr später folgte die erste Version 1.0 des Open Virtual Desktop (OVD) [1], die bereits Linux-Desktops und -Anwendungen im Browser zur Verfügung stellen konnte. Ende letzten Jahres gab Ulteo nun Version 3.0.3 des OVD frei, die soweit ausgereift ist, dass Admins sie durchaus als Alternative zu einer ausgewachsenen VDI-Lösung in Betracht ziehen können.

Als "freie Desktop-Virtualisierungslösung" erlaubt es die GPL-lizenzierte Software, Linux- und Windows-Anwendungen oder komplette Desktops von einem Server über das lokale Netz auszuliefern und in einem Java-fähigen Browser darzustellen. Technologisch handelt es sich bei OVD dagegen eher um einen grafischen Terminalserver, der Desktop-Sitzungen verwaltet und für verschiedene Endgeräte über das Netz ausliefert. Eine echte VDI-Lösung basiert auf Virtualisierungs-Technologie und weist Clients nach Bedarf virtuelle Maschinen mit einem Enterprise-Desktop-Betriebssystem zu, das jeweils aus einer Blaupause (Golden Image) generiert wird.

OVD dagegen gehört konzeptionell eher in die Schublade Server Based Computing, eine Technologie, die eigentlich aus der IT-Steinzeit stammt. Ulteo kombiniert aber die Vorteile von Server Based Computing mit einem Webapplikationsserver und einem modernen (in Bälde auch in einer HTML5-Version verfügbaren) Web-Client. So erlaubt OVD jedem registrierten Nutzer, von überall auf seine gehosteten Desktops, nebst der dort gespeicherten Daten zuzugreifen beziehungsweise spezifische native Anwendungen im Browser zu verwenden. Der Ansatz von Ulteo hat also nicht in erster Linie die Konsolidierung von Hardware zum Ziel, sondern bietet vorrangig eine elegante Möglichkeit zum kollaborativen Arbeiten, indem zum Beispiel mehrere Nutzer gleichzeitig auf den gleichen Desktop zugreifen. Ulteos Ansatz umgeht viele Nachteile des herkömmlichen Desktop-Sharings. So belastet etwa OVD die Upload-Bandbreite der Anwender nicht.

OVD 3.0

Der Sourcecode, der seit September letzten Jahres verfügbaren Open-Virtual-Desktop-Version 3.0, ist GPL-lizenziert und frei verfügbar [2], ebenso wie der Android- und der iOS-Client. Mit dem fertigen Produkt möchte Ulteo freilich Geld verdienen. Über die verfügbaren Subskriptionen gibt die Seite Commercial Offering [3] Auskunft. Zum Ausprobieren stehen aber nach Registrierung eine Live-Demo-DVD und eine Virtual-Demo-Appliance für KVM oder VirtualBox/VMware/Gencenter (OVF/OVA) zur Verfügung. Ferner offeriert Ulteo zum Testen Paketquellen für RHEL (5.5), SLES (11 SP1) und Ubuntu (Lucid) [4] nebst ausführlicher Dokumentation. Ein von Ulteo optional zum derzeit in Java geschriebenen Web-Client beziehungsweise zum künftigen HTML5-Web-Client [5] angebotener nativer Client kümmert sich um die Integration der von OVD ausgelieferten Linux- und/oder Windows-Anwendungen in den lokalen Desktop des Nutzers. Die Windows-Unterstützung ist ein neues Feature des OVD 3.0.

Seit der OVD-Version 3.0 lassen sich zudem Mobil-Plattformen wie Android und iOS als Clients nutzen. Allerdings erreichte uns kurz vor Redaktionsschluss die Meldung [6], dass der iOS-Client aufgrund von Lizenzproblemen im Zusammenhang mit dem FreeRDP-Projekt von Apple aus dem AppStore entfernt wurde. Der Android-HTML5-Client [7] steht dagegen in GooglePlay zur Verfügung. Der HTML5-Web-Client hat noch Beta-Status und lässt sich auf Anfrage zum Testen herunterladen.

Ebenfalls neu in der OVD-Version 3.0 ist die Möglichkeit, Linux- und Windows-Anwendungen als Remote Desktop Services (RDS) zu veröffentlichen. Außerdem lassen sich seit der Version 3.0 lokale Laufwerke und Drucker einbinden. Darüber hinaus haben die Entwickler bei der Version 3.0 die Kern-Architektur überarbeitet, was in erste Linie einer einfacheren Weiterentwicklung dienen soll.

Architektur

Im Zentrum der Architektur (Abbildung 1) steht der Session-Manager, der für das Laden und Verwalten der User-Sessions zuständig ist und außerdem die webbasierte Administration Console hostet. Der Session-Manager ist beim manuellen Weg zuerst zu installieren und läuft als Binärpaket zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur auf einem Linux-Server, weil er auf Apache basiert. Die zugehörige Virtual-Host-Konfiguration für Apache ist nach erfolgter Installation unter »/etc/ulteo/sessionmanager« zu finden; während das Web-Interface für den Session-Manager mit sämtlichen Komponenten für den Web-Client, inklusive der Module für Authentifizierung und Session-Management, im Ordner »/usr/share/ulteo/sessionmanager« steckt. Die zugehörigen Log-Dateien finden sich unter »/var/log/ulteo/sessionmanager« .

Abbildung 1: Die OVD-Architektur.

Die Installation des Session-Managers auf einer Windows-Maschine ist prinzipiell möglich, klappt aber derzeit nur durch manuelles Übersetzen der Sourcen. Da es sich bei OVD um eine Lösung zum Ausliefern von Desktops und Desktop-Anwendungen handelt, sind ein oder mehrere Application-Server obligatorisch, die zum Hosten der Anwendungen zum Einsatz kommen und jeweils eine Remote-Display-Lösung mitbringen. Der oder die Application-Server können auf Linux- oder Windows-Maschinen (OVD 3.0) laufen, je nachdem welche Anwendung der Admin hosten will. Durch Mischen von Linux- und Windows-Servern in einer OVD-Server-Farm stehen wie erwähnt auf dem Nutzer-Desktop beide Systeme parallel zur Verfügung.

Bei den oben genannten Demo-Systemen laufen Session-Manager und Application-Server auf der gleichen Linux-Maschine. Der Web-Client dient zum Start einer Ulteo-OVD-Sitzung im Browser. Die Komponenten des Web-Clients finden sich unter »/etc/ulteo/webclient« (Konfiguration) und »/usr/share/ulteo/webclient« (Webanwendung) inklusive sämtlicher Java-Applets und dem Ajax-Explorer.

Alternativ steht ein nativer Client zur Verfügung. Ferner sieht ein OVD-Setup optional einen zentralen Fileserver vor, der beim kollaborativen Arbeiten sicherstellt, dass in allen Desktop-Sitzungen der Datenbestand gleich ist. Der Fileserver stellt ein Netzwerkdateisystem (Samba) zur Verfügung, auf das der Application-Server in einer Desktop-Sitzung zugreifen kann. Er lässt sich ausschließlich auf einem Linux-System installieren.

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