Virtualisierung mit Proxmox VE

Made in Vienna

Administratoren, die auf der Suche nach einer Virtualisierungslösung sind, haben die Qual der Wahl: Inzwischen gibt es gut ein Dutzend professionelle Lösungen, die für den Einsatz in Rechenzentren geeignet sind. IT-Administrator zeigt, was die Virtualisierungssoftware Proxmox VE aus Österreich bietet, die Hochverfügbarkeit eingebaut hat.
Sind Anwendungen oder Dateien unerwartet nicht mehr verfügbar, stehen schnell Teile des Unternehmens still und die Augen sind auf den Admin gerichtet. Um ... (mehr)

Die Konkurrenz ist groß, gerade unter den Virtualisierungslösungen. Was macht Proxmox VE zu etwas Besonderem? Und warum sollten Unternehmen sich gerade für diese Lösung entscheiden? Bei Proxmox VE handelt es sich um eine vollständige Open Source-Virtualisierungslösung für Server. Sie kombiniert KVM- und Container-basierte Virtualisierung und verwaltet virtuelle Maschinen, Container, Storage, virtuelle Netzwerke und Hochverfügbarkeits-Cluster über die zentrale webbasierte

Managementoberfläche.

Proxmox VE bietet eine ausgesprochen komfortable Web-GUI (Bild 1), mit der Sie vorhandene Ressourcen optimal ausnutzen können und dabei gleichzeitig die Hardware- und Administrationskosten minimieren. Mit Hilfe der Umgebung können Sie selbst anspruchsvolle Linux- oder Windows-Workloads virtualisieren. Das Akronym VE steht übrigens für Virtual Environment.

Proxmox VE im Überblick

Proxmox VE unterscheidet sich in einem zentralen Punkt von anderen Lösungen: Es stellt zwei Virtualisierungstechnologien auf einer Plattform bereit. Dadurch haben Sie eine hohe Flexibilität für Ihre virtualisierte IT-Infrastruktur. Sie können KVM für virtuelle Maschinen und Container für leichtgewichtige Linux-Anwendungen verwenden.

Proxmox basiert auf der Debian-Distribution. Dies ermöglicht den Zugriff auf alle Funktionen des zugrunde liegenden Betriebssystems sowie ein hohes Maß an Sicherheit und Zuverlässigkeit. Entsprechende Programmierkenntnisse vorausgesetzt, kann jeder zum Proxmox-VE-Projekt beitragen. Das österreichische Unternehmen Proxmox Server Solutions agiert dabei als Projektverwalter und koordiniert die weitere Entwicklung.

Für die Virtualisierung macht sich Proxmox VE zwei Techniken zunutze: KVM und Linux-Container. Der Open-Source-Hypervisor KVM ist eine etablierte Virtualisierungslösung auf Linux-Basis mit hohem Reifegrad und einer ebensolchen Stabilität. Mit KVM können Sie mehrere virtuelle Maschinen von unmodifizierten Linux- oder Windows-Images erstellen. KVM ist flexibel und skalierbar und hinsichtlich Performance mit VMware ebenbürtig.

Im Unterschied zu VirtualBox & Co. unterstützt Proxmox die sogenannten Linux Container, kurz LXC. Dabei handelt es sich um eine leichtgewichtige Alternative zu virtuellen Maschinen. Hier findet die Virtualisierung auf Betriebssystemebene statt. Der entscheidende Vorteil: LXC ermöglicht den Betrieb mehrerer voneinander isoliert laufender Linux-Systeme auf einem einzigen Host. Dabei agiert LXC als Userspace-Interface für die Linux-Container-Technologie im Kernel. Anwender können ganz einfach System- oder Applikations-Container erstellen und verwalten.

Bild 1: Ein erster Blick auf das Proxmox-Webinterface, wo Container und VMs angelegt werden.

Proxmox VE in Betrieb nehmen

Die Inbetriebnahme von Proxmox VE ist unproblematisch, und die Entwickler versprechen nicht zu viel mit ihrer Aussage, dass sie in drei bis fünf Minuten erledigt ist – je nach Systemleistung. Im Down-load-Bereich der Proxmox-Website stehen ISO-Images zur Verfügung, die eine menügeführte Installation erlauben. Die bietet auch eine Live-Variante an. Ansonsten müssen Sie lediglich den Domainnamen, das Passwort und die E-Mail-Adresse des Administrators angeben sowie gegebenenfalls die vorgeschlagene Netzwerkkonfiguration anpassen.

Je nach Anwendungsbereich ist auf eine ausreichende Dimensionierung des Rechners zu achten. Außerdem ist klar: Betreiben Sie in einer Proxmox-Umgebung zehn oder zwanzig Installationen und fällt der Proxmox-Server aus, fallen auch die darauf betriebenen Umgebungen vollständig aus. Daher sollten Sie schon frühzeitig prüfen, ob der Aufbau eines Clusters sinnvoll ist. Dank der integrierten Cluster-Umgebung ist es einfach, eine solche Umgebung zu implementieren.

Bild 2: Das Erstellen einer ersten virtuellen Maschine. Der Einrichtungsassistent führt durch die verschiedenen Schritte wie die Betriebssystemauswahl und die Rechnerkonfiguration.

Die Proxmox-Entwickler empfehlen eine 64-Bit-Multi-Prozessor-Umgebung mit mindestens 8 GByte RAM. Die CPU sollte Hardware-Unterstützung für Virtualisierung bieten. Zur Speicherung der Daten empfiehlt sich ein RAID10-Verbund. Das Proxmox-System sollte außerdem über mindestens zwei Netzwerkadapter verfügen – abhängig von der verwendeten Speichertechnik. Proxmox VE kann außerdem lokale Speicher, SAN, NAS und auch verteilte Speichersysteme wie Ceph RBD integrieren.

Vor einem Produktiveinsatz sollten Sie außerdem darauf achten, dass Sie zertifizierte Hardware einsetzen. Es sollte sich um Hardware handeln, die von Red Hat Enterprise Linux 64-Bit unterstützt wird. Proxmox kennt übrigens auch keine Extension Packs à la VirtualBox, um bestimmte Funktionen den Gast-Betriebssystemen zur Verfügung zu stellen.

Nachdem Sie dem Installationsassistenten die wenigen Daten übergeben haben, erfolgt ein Neustart und Sie können über das Proxmox-Webinterface auf das System zugreifen. Hierfür verwenden Sie URL "https://IP-Adresse:8006". Das Webinterface ist nur dann voll funktional, wenn Sie einen aktuellen Webbrowser samt Java-Plug-in verwenden. Das Standard-Login lautet "root", das Passwort haben Sie während der Installation definiert.

Wenn Sie Proxmox in erster Linie für die Evaluierung von Lösungen verwenden wollen, die für Ihr Unternehmen interessant sein könnten, finden Sie im Proxmox-Wiki eine ansehnliche Liste vorgefertigter Virtual Appliances, die Sie einfach in der Virtualisierungssoftware einsetzen können [1].

Bild 3: Die Inbetrieb-nahme von Containern verlangt den Download entsprechender Betriebssystem-Templates.

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