Red Hat integriert freie Linux-Distribution CentOS

08.01.2014

Nach zehn Jahren mehr oder weniger friedlicher Koexistenz nimmt Red Hat die freie Linux-Distribution CentOS ins eigene Repertoire auf.

Das Community-Projekt CentOS entwickelt seit zehn Jahren eine freie Version der Enterprise-Distribution Red Hat Enterprise Linux (RHEL). Die CentOS-Entwickler verwenden die dem Betriebssystem zugrundeliegenden freien Quellen und veröffentlichen meist wenige Tage bis Wochen nach Erscheinen einer neuen RHEL-Version ein freies Pendant. Red Hat Enterprise Linux ist hingegen nur mit einem kostenpflichtigen Support-Vertrag erhältlich.

Wie Red Hat jetzt bekanntgegeben hat, integriert die Firma CentOS nun ins eigene Portfolio und will neue Technologien und Software-Versionen direkt in CentOS einbringen. Damit wird die Linux-Strategie der Firma zumindest vorerst dreigleisig: Red Hat Enterprise Linux richtet sich weiterhin mit langjährigem Support, garantierten Sicherheitsupdates und Fehlerkorrekturen, Rechtsschutz sowie Schulungsangebot an Firmenkunden. CentOS soll der Community vor allem neue Cloud-, Storage-, Netzwerk- und Infrastrukturtechnologien nahebringen. Das ebenfalls freie Fedora soll daneben neue Technologien auf der ganzen Breite vom Kernel bis zum Desktop integrieren.

Bislang nutzte Red Hat die freie Linux-Distribution Fedora als eine Art Experimentierfeld, in der die breite Entwickler- und Benutzer-Community neue Technologien kostenlos ausprobierte und durch ihr Feedback und eigene Patches verbesserte. Red Hat übernimmt diese daraufhin gegebenenfalls in RHEL. Wie Fedora und CentOS sich künftig unterscheiden, bleibt abzuwarten.

Die Integration von CentOS ins Red-Hat-Ökosystem kann auch als Scheitern der bisherigen Strategie interpretiert werden, bei der Red Hat CentOS anscheinend eher als Dorn im Auge betrachtet hatte. So veröffentlichte die Firma ihre Kernel-Patches seit 2011 nicht mehr einzeln, sondern nur als impliziten Teil des Quellcodes. Die Umstellung zielte zwar vor allem auf ein Konkurrenzprodukt von Oracle auf Basis des Red-Hat-Codes ab, machte aber auch den CentOS-Entwicklern das Leben schwerer. CentOS-Entwickler berichteten in der Vergangenheit außerdem, dass Red Hat ihre Konten für die Plattform Red Hat Network (RHN) sperrte.

CentOS-Hauptentwickler Karanbir Singh und andere Mitglieder des Entwicklungsteams arbeiten nach Medienberichten nun direkt für Red Hat. Singhs Pläne für die nahe Zukunft von CentOS sehen vor, den Entwicklungsprozess offener zu gestalten, etwa durch die Einrichtung eines öffentlichen Git-Repositories mit dem gesamten CentOS-Quellcode, die Möglichkeit, an themenspefizifischen Arbeitsgruppen (Special Interest Groups) mitzuarbeiten und solche ins Leben zu rufen, die Erweiterung der Zusatzsoftware-Repositories, einen konkreten Release-Zeitplan sowie wöchentliche, öffentlich zugängliche Treffen des CentOS-Boards.

Red Hat erhofft sich von dem Schritt eine Festigung der Red-Hat-Community. Red Hats Technologiechef Brian Stevens sieht in der Integration von CentOS die Möglichkeit, wichtige neue Projekte wie OpenStack und Big-Data-Anwendungen einem größeren Publikum nahezubringen und Red Hat damit die Möglichkeit zu geben, solche Technologien als erstes zu implementieren.

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