Verwaltung virtueller Infrastrukturen mit oVirt 3.1

© Roger Jegg, 123RF

Wirtshaus

Die ursprünglich von Red Hat initiierte Verwaltungsplattform für virtuelle Infrastrukturen oVirt steht seit Kurzem in der Version 3.1 zur Verfügung. Mit Fedora 17 lässt sich das neue Release einfach installieren und in Betrieb nehmen.
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Vor einigen Jahren sorgte Red Hat für Unmut in der Linux-Gemeinde, weil das grafische Verwaltungstool für die eigene Virtualisierungslösung RHEV einen Windows-Rechner voraussetzte. Die Microsoft-Altlast rührte daher, dass Red Hat im Jahr 2008 nicht nur den vom israelischen KVM-Spezialisten Qumranet entwickelten KVM-Hypervisor übernommen, sondern gleich die ganze Firma gekauft hat, mitsamt eines zum damaligen Zeitpunkt fast fertigen Desktop-Virtualisierungs-Produkts, das auf Windows basierte.

Ade Windows

Mit RHEV-Version 3.0 [1] haben die Red-Hat-Entwickler zwar alle Bestandteile der Management-Komponente "RHEV-M" von C# auf Java portiert, der Einsatz der Administrator Console erfordert bei RHEV aber offiziell immer noch eine Windows-Maschine mit Internet Explorer 7 oder größer, weil das auf oVirt basierende Frontend noch nicht alle Features des Vorgängers beherrscht. Seit Red Hat oVirt unter der Apache-Open-Source-Lizenz der Gemeinschaft übergeben hat und die Software unter dem Dach des gleichnamigen oVirt-Projektes von Suse, Canonical, Cisco, IBM, Intel und anderen gemeinsam weiterentwickelt wird, hat oVirt das Potenzial, den kommerziellen Lösungen von VMware, Citrix und Microsoft eine leistungsfähige, freie Cloud-Management-Plattform als Alternative gegenüberzustellen, die keineswegs nur Red-Hat-basierte Strukturen verwaltet.

Das oVirt-Projekt basiert auf zahlreichen von Red Hat entwickelten Technologien mit der Kernel-based Virtual Machine (KVM) und der Virtualisierungs-API Libvirt. Die erste finale und stabile oVirt-Version 3.0 ist als Technologie-Preview in Red Hats kommerzieller Virtualisierung-Lösung RHEV 3.0 [1] enthalten, die seit Januar diesen Jahres verfügbar ist.

RHEV-Setup

Eine Installation von RHEV für Server besteht typischerweise aus einem (oder mehreren) Hypervisor-Hosts "RHEV-H", einem Management-Sytem "RHEV-M", das wahlweise auf RHEV oder RHEL basierende Hypervisor-Systeme verwaltet, sowie einem Host für die Administrationskonsole und einem PC (Windows oder Linux) für das Benutzer-Portal. Hinzu kommen ein oder mehrere Storage-Systeme (SAN, iSCSI).

Die jeweiligen minimalen und empfohlenen Hardware-Anforderungen zeigt Red Hats Promo-Seite [2] beim Herunterladen der Evaluierungs-Version von RHEV 3. Red Hat schlägt zum Testen auch ein Minimal-Setup vor. Das besteht aus einem Enterprise Virtualization Manager Server (RHEV-M) mit einer lokalen ISO-Domain und einem Hypervisor-Host. Ersterer soll laut Red Hat nach Möglichkeit ein RHEL6-System mit Quadcore-Prozessor, 16 GByte RAM, 50 GByte lokalem Festplattenspeicher und 1-GBit-Netzwerkkarte sein, der die erwähnte ISO-Domain zur Verfügung stellt.

Als Client für die Admin Console empfiehlt Red Hat ein Windows-7-System. Bleibt noch der Mini-Hypervisor RHEV-H für den Virtualisierungs-Host. Der lässt sich wahlweise als 172 MByte kleine Evaluierungs-Version von Red Hat herunterladen, darf aber laut Red Hat auch RHEL 6 (also auch CentOS 6) oder Fedora 17 sein. Als Hardware empfiehlt Red Hat einen Dual-Core-Server mit 16 GByte RAM, und 50 GByte Speicher sowie eine 1-GBit-Netzwerkkarte. Dessen CPU muss allerdings zwingend ein 64-Bit-System mit Virtualisierungs-Erweiterung AMD-V oder Intel VT sein.

RHEV 3 basiert im Gegensatz zu RHEV 2.2 nicht mehr auf RHEL 5, sondern auf RHEL 6, was KVM-seitig eine Reihe von Vorteilen mitbringt. Gastsysteme können damit beispielsweise bis zu 64 virtuelle CPU-Kerne und bis zu 2 TByte Arbeitsspeicher verwenden. Ferner unterstützt der RHEL6-Kernel alle aktuellen KVM-Techniken wie KSM (Kernel Shared Memory), Vhost-Net, Transparent Huge pages (THP) oder X2apic. Fehlt noch eine weitere Komponente im RHEV-Virtualisierungsbaukasten "RHEV für Desktops", ein Add-on für RHEV-Server, das eine Virtual Desktop Infrastructure (VDI) ermöglicht. Die Kommunikation zwischen einem Client oder Thin-Client und via RHEV virtualisiertem Desktop-Betriebssystem läuft dabei über das von Qumranet entwickelte Spice-Protokoll, das Red Hat ebenfalls inzwischen an zahlreichen Stellen verbessert hat, sodass Nutzer beispielsweise auch beliebige USB-1.1/2.0-Geräte an den Clients nutzen können, welche Spice an das entfernte virtualisierte Desktop-Betriebssystem weiterreicht.

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